«Die Musik hält uns zusammen»

Die Brass Band ­Emmental feiert heuer ihr ­25-jähriges Bestehen. Caroline Burkhalter ist von Anfang an dabei.

Mit einer Celtic Night feierte die Brass Band Emmental am Samstag ihr 25-jähriges Bestehen. Caroline Burkhalter und einige ihrer Mitmusiker (v. l.) Peter Gugger, Samuel Schibli, Simon Kaufmann und Marcel Lüdi.

Mit einer Celtic Night feierte die Brass Band Emmental am Samstag ihr 25-jähriges Bestehen. Caroline Burkhalter und einige ihrer Mitmusiker (v. l.) Peter Gugger, Samuel Schibli, Simon Kaufmann und Marcel Lüdi. Bild: Olaf Nörrenberg

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Es geschah vor 25 Jahren in Wasen, dem kleinen Dorf hinter ­Sumiswald: Eine Gruppe junger Leute tat sich zusammen, um etwas Neues auf die Beine zu stellen. Etwas, mit dem sie für Diskussionen, ja Existenzängste gar, sorgen sollten. Dabei wollten sie nur spielen – nämlich ihre Ins­trumente.

Sie wollten, um genau zu sein, eine überregionale Brassband gründen. Das kann so schlimm nicht sein, mag man denken. Aber ohalätz: Die Frauen und Männer, die sich da zusammenfanden, waren allesamt gute Bläser und taktsichere Perkussionisten.

Sie kamen aus verschiedenen Musikgesellschaften, und bald ging im Emmental die Angst um, dass nun alle starken Musikanten von der neuen Band angezogen und die Dorfvereine ausgeblutet würden.Tempi passati: Unterdessen ist aus der losen Gruppe ein angesehener Verein geworden, der seinen Platz gefunden hat.

Am 25. Juni 1993 als Nobody’s Brass Emmental gegründet, nennt sich die Formation seit 2003 Brass Band Emmental. Um, wie auf der Website der Formation zu lesen ist, ihre «Verbundenheit mit dem Emmental noch stärker zum Ausdruck zu bringen».

Die Kornettistin

Caroline Burkhalter, heute 53 Jahre alt, stammt aus Wasen. Sie hat in der örtlichen Jugendmusik ihre Laufbahn begonnen, spielt Kornett und war eine derjenigen, die sich vor 25 Jahren zusammentaten. Mehr noch: Sie ist bis heute geblieben, ist, neben ihrem Mann Hans und Simon Kaufmann, das einzige noch aktive Gründungsmitglied.

«Irgendwann haben wir gesagt, wir nehmen so lange an der Solothurn  Marching Parade teil, bis wir endlich mal gewinnen.»Caroline Burkhalter

«Es ist viel geschehen in dieser Zeit», sagt sie daheim am Küchentisch. An das erste Konzert kann sie sich zwar nicht mehr ­erinnern, dafür aber an viele andere erfolgreiche Auftritte: 2002 etwa gewannen die Emmentaler den Schweizerischen Brass-Band-Wettbewerb in Montreux in der ersten Stärkeklasse, 2017 wurden sie Zweite.

2012 errang man in Schwingerhose, «Chüejermutz» und Tracht gekleidet den Sieg an der Solothurn Marching Parade. «Darauf haben wir lange gewartet», erinnert sich ­Caroline Burkhalter. «Irgendwann haben wir gesagt, wir nehmen so lange teil, bis wir endlich mal gewinnen.» Die Hartnäckigkeit zahlte sich aus.

Solothurn war so etwas wie die Aufwärmrunde für das, was im Sommer 2013 folgen sollte: Die Emmentaler durften in der Arena des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes in Burgdorf ihre Show noch einmal zeigen – vor 52'000 Zuschauerinnen und Zuschauern. Der Auftritt wurde für die SRF-Sendung «Potz Musig» aufgezeichnet.

Die Reise

Etwas ganz Besonderes unternahmen die Musikantinnen und Musikanten im Mai 2012: Sie fuhren für ein paar Tage nach England, ins Mutterland der Brassbands. Dort nahmen sie am traditionellen Whit Friday teil, einem Marschmusikwettbewerb, den jeweils weit über 100 Formationen mit mehr als 3000 Aktiven bestreiten.

Caroline Burkhalter, eine zurückhaltende, ruhige Frau, gerät fast ein bisschen aus dem Häuschen, wenn sie von dieser Reise erzählt: «Das war ein spezielles Erlebnis. Wir fuhren von Dorf zu Dorf und spielten jeweils vor einer Jury.»

Mindestens fünf Auftritte sind zu absolvieren, alle unter freiem Himmel. Sie hatten Glück, das Wetter war gut. Wie leicht könnte es anders sein, wenn man in England unterwegs ist.

Jedenfalls hat alles gepasst: «Wir wurden 14. oder 16.», erinnert sich Caroline Burkhalter. So ganz genau weiss sie das nicht mehr. Macht nichts. Dabei sein war sowieso viel wichtiger.

Das Wichtigste

Zurück in die Schweiz, zurück in die Gegenwart. Was bedeutet Caroline Burkhalter, dem Gründungsmitglied, das 25-jährige Bestehen des Vereins? Sie überlegt einen Moment und sagt dann: «Doch, das ist schön.» Viel wichtiger als das Jubiläum ist ihr aber etwas anderes: «Wir ziehen alle am gleichen Strick. Die Musik hält uns zusammen.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 14.05.2018, 09:23 Uhr

Die Geschichte

Brassbands entstanden um 1830 in den Kohlebergwerkgebieten Grossbritanniens. Einerseits pflegten die Angestellten in den Vereinen die Geselligkeit, andererseits ging man davon aus, dass die Betätigung als Bläser den Lungenkrankheiten im ungesunden Arbeitsumfeld vorbeugen würde. Bald gingen die Fabrikbesitzer dazu über, die Bands finanziell zu unterstützen, die musikalische Qualität nahm zu, und es dauerte nicht lange, bis die Werkskapellen quasi als Werbeträger für ihre Fabrik funktionierten.
Die Bezeichnung Brassband leitet sich vom englischen «brass» für Messing ab. Und ­tatsächlich wird man in keiner Brassband ein Holzinstrument wie etwa ein Saxofon oder eine Klarinette finden. Die Beschränkung auf Instrumente wie etwa Kornett, Tuba, Eufonium oder Posaune bringt nicht nur einen ganz speziellen, brillanten und durchsichtigen Klang der Formationen zutage, es bedeutet auch, dass die Vereine recht klein bleiben; die meisten zählen plus/ minus 30 Mitglieder. Eine voll besetzte Harmonie dagegen zählt rasch um die 50 Musikantinnen und Musikanten.

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