Oberburg

Die Megabaustelle in Oberburg

Oberburg Die wohl grösste Baustelle im Emmental besteht seit Ende Mai, doch kaum jemand weiss: Im Luterbachtal wird ein Hochwasserschutzdamm gebaut.

Das Luterbachtal ist auch während der Arbeiten erreichbar, jedoch musste die Strasse um etwa 25 Meter verschoben werden.

Das Luterbachtal ist auch während der Arbeiten erreichbar, jedoch musste die Strasse um etwa 25 Meter verschoben werden. Bild: Thomas Peter

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Kaum zu glauben, dass das Luterbachtal in Oberburg bis Ende Mai ein Ort der Ruhe und Erholung war. Seither dominieren an Werktagen Bauarbeiter, Bagger und Lastwagen das Bild. Lärm und Staub sind bei den Arbeiten rund um den Bau des Hochwasserschutzdammes allgegenwärtig.

Doch wer nicht im Tal wohnt oder die Strasse als Schleichweg nach Vechigen und Bern nutzt, bekommt von der Terrainveränderung nichts mit. Zu abseits liegt die Baustelle von der Verkehrsachse durch das Emmental. Dabei hat die Landschaft im Gebiet Sandsbach in den letzten Monaten ein neues Gesicht bekommen. An den Hängen links und rechts des Tals wurden Sicherheits­rodungen ausgeführt und das Buschwerk entfernt. Die Flanken sind kahl.

Das Grün hat dem Grau des Sandsteins und dem Braun der Erde Platz machen müssen. Die Strasse wurde auf einer Länge von etwa 150 Metern auf die andere Bachseite verlegt. Aber auch der Luterbach musste sein Bett verlassen und fliesst jetzt um wenige Meter versetzt in einem provisorischen Gerinne.

Gefährdete Schlossmatt

«Der Bach musste verlegt werden, damit das Auslassbauwerk betoniert werden kann», erklärt Peter Bichsel, Oberbauleiter und Vizepräsident der Schwellenkorporation Oberburg. Seit zehn Jahren betreut der Bauingenieur das Projekt.

Das Auslassbauwerk ist quasi dessen Herzstück. Bei einem Hochwasser wird mittels einer Blende die Durchflussmenge des Luterbachs reguliert. So unscheinbar und friedlich das Wasser in diesen Tagen durch das Tal fliesst, ist es kaum vorstellbar, dass nach intensiven Regenfällen aus dem Rinnsal ein reissender Bach werden kann.

Besonders verheerend waren die Auswirkungen des Hochwassers im Jahr 2000. Überschwemmt wurden nicht nur Teile von Oberburg, sondern auch das Burgdorfer Schlossmattquartier. Schäden in Höhe von 20 Millionen Franken waren die Folge.

«Wir haben von Burgdorf die Auflage erhalten, in Oberburg im Dorfbach nur noch maximal 10,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchzulassen», betont Bichsel. Wird diese Grenze überschritten, tritt der Bach über die Ufer und kann so Burgdorfer Stadtteile unter Wasser setzen.

Weil der Dorfbach aber noch von weiteren Gewässern gespeist wird, bedeutet dies für den Luterbach eine Abflussmenge von maximal 1,5 Kubikmetern pro Sekunde. Fakt ist jedoch, dass bei einem Unwetter 15 bis 25 Kubikmeter Wasser durch das Tal fliessen. «Das ist ein extremes Verhältnis», kommentiert Bauingenieur Bichsel.

Möglich ist diese Reduktion nur, wenn die Wassermassen zurückgehalten werden können. Dies wird aber erst ab 2020, nach der Fertigstellung des Hochwasserschutzdammes, der Fall sein.

«Mit Ausnahme der letzten beiden Monate der Bauzeit wird der motorisierte Verkehr stets zirkulieren können.»

Peter Bichsel, Oberbauleiter

11,5 Meter hoher Damm

Der Damm wird an der schmalsten Stelle des Luterbachtals allein aus Erdmaterial gebaut. Betoniert wird einzig das Auslaufbauwerk, durch dessen Kanal neben dem Luterbach auch sämtliche Leitungen für Wasser, Abwasser, Elektrizität und Kom­munikation geführt werden. Die Strasse verläuft dereinst in einem weiten Bogen von der südöstlichen Talseite über die 11,5 Meter hohe Dammkrone auf die gegenüberliegende Seite.

Um diese ­Höhe zu erreichen, wird unmittelbar nach dem Haus Lauterbachstrasse 9 eine Rampe mit einer Steigung von 8 Prozent erstellt. Dieses Niveau haltend, mündet die neue Strasse nach ein paar Hundert Metern in die bisherige. Dank dieser Linienführung soll das Risiko, dass der ­Verkehrsweg bei einem Hochwasser überflutet wird, klein gehalten werden.

Der Fall wäre dies, wenn die Drosselklappe während knapp 1,6 Stunden 13,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zurückhalten müsste und damit das Volumen des Beckens bis auf Höhe der Strasse überschritten würde.

Die besondere Herausforderung besteht darin, dass der wassergetränkte Strassenunterbau nach der Entleerung des Sees nicht abrutscht. Dies könnte aufgrund des fehlenden Wasserdrucks passieren, sagt Ingenieur Peter Bichsel.

Verhindern soll dies neben bereits eingebauten Drainagen eine besondere Bauweise. Damit der Druck der ­Fahrbahn besser verteilt werden kann, basiert das Fundament auf zwei unterschiedlich hohen Niveaus, die leicht dem Hang ­zugeneigt sind. Darauf wird eine etwa 50 Zentimeter starke Kalk-Zement-Stabilisierung mit Erde durchmischt und dann so abgewalzt, dass eine verfestigte Platte entsteht.

Danach wird Material mit einer speziellen Kornzusammensetzung aufgetragen. Erst dann folgt die sogenannte Kofferung (Fundationsschicht) und abschliessend der Bitumenstrassenbelag. «Mit Ausnahme der letzten beiden Monate der zweieinhalbjährigen Bauzeit wird der motorisierte Verkehr stets zirkulieren können», versichert Oberbauleiter Bichsel.

Massiver Erdbau

Gleich mit mehreren Baggern werden derzeit im Bereich der neuen, entlang der nordwestlich Talseite geführten Strasse Tausende Kubikmeter lehmhaltige Erdmasse abgetragen und mit pausenlos verkehrenden Lastwagen den Deponien zugeführt. Vor Ort gelagert werden einzig die obersten Humusschichten, die nach Abschluss der Arbeiten am Damm wieder aufgeschüttet werden, um damit eine erneute landwirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen.

«Für die Arbeiten zum Bau von Strasse und Damm rechnen wir mit Kosten von 9,2 Millio­nen Franken», erklärt Martin Zurflüh, Geschäftsführer der Schwellenkorporation Oberburg und Gemeindeverwalter. Für den gesamten Hochwasserschutz im Luterbachtal sind 14,8 Millionen Franken budgetiert – inklusive Kosten für Landerwerb, Landumlegung und Revitalisierung des Luterbachs unterhalb des Damms.

Bund und Kanton Bern beteiligen sich mit 95 Prozent an den anrechenbaren Kosten. Zurflüh geht davon aus, dass die Oberburger maximal 3 Millio­nen Franken selbst finanzieren müssen. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 30.08.2018, 07:43 Uhr

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