Huttwil

Die «Hunde-Mama» muss vor Gericht

HuttwilEinst schreckte sie mit ihren Hunden in Huttwil die Nachbarn, jetzt kommt es zum Prozess gegen die selbst ernannte «Hunde-Mama» vom Verein Hundehilfe Schweiz.

Der frühere Dorfladen im Huttwiler Nyffel: Von hier aus operierte zeitweise der Verein Hundehilfe Schweiz (Aufnahme vom Mai 2009).

Der frühere Dorfladen im Huttwiler Nyffel: Von hier aus operierte zeitweise der Verein Hundehilfe Schweiz (Aufnahme vom Mai 2009). Bild: Thomas Peter

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Ihre Basis war Huttwil. Von hier aus leitete Ulrike F.* ihren Verein Hundehilfe Schweiz. Als sich die gebürtige Deutsche Anfang 2007 im früheren Dorfladen im Nyffel niederliess, brachte sie denn auch rund 20 Hunde mit. Doch die Tiere verbreiteten Angst und Schrecken. Mehrmals brachen sie aus und bissen Passanten. Unter den Opfern waren vor allem Kinder, wegen der Schule und des Kinderheims in der Nähe.

Die Behörden schalteten sich ein und rückten Ulrike F. zu Leibe. Und plötzlich kehrte im Nyffel wieder Ruhe ein. Anfang 2009 verliess die selbst ernannte Tierfreundin und «Hunde-Mama» Knall auf Fall ihr Refugium – nach rund zwei Jahren. Und ihre Spuren verwischten sich.

Gerichtsprozess steht an

Jetzt taucht die Frau wieder auf: Ende Monat kommt es am Regionalgericht in Langnau zum Prozess gegen sie. Die vorgeworfenen Delikte dürften zum grossen Teil mit ihrer Tätigkeit als Leiterin der Hundehilfe zusammenhängen. So soll sie beispielsweise mehrfach gegen das Tierschutz- und das Tierseuchengesetz verstossen haben. Darüber hinaus soll sie es versäumt haben, die nötigen Vorkehrungen zu treffen, damit der Hund Menschen und Tiere nicht gefährdet.

Mehr noch: Das Gericht wird auch zu beurteilen haben, ob Ulrike F. Veruntreuung, einfache Körperverletzung und Sachentziehung begangen hat.

Vorwand der Tierliebe?

Unbekannt ist, ob es unter dem Anklagepunkt «Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz» auch um illegalen Hundehandel geht. Gerichtsschreiberin Stefanie Jaggi erteilte dazu keine Auskünfte. Wegen dieses möglichen Delikts war die Hundehilfe Schweiz erstmals an den Pranger gestellt worden. 2007 verbreitete der Schweizer Tierschutz eine Medienmitteilung mit dem Titel «Dubioser Hundehandel». Darin wurde der Hundehilfe vorgeworfen, unter dem Vorwand vermeintlicher Tierliebe massenhaft Hunde zu vermitteln, «obwohl die Vorschriften der Hundehaltung als auch des Tierschutzes in höchstem Masse fragwürdig bis gesetzeswidrig umgesetzt werden». 2008 berichtete der «Beobachter», die Hundehilfe importiere jährlich bis zu 450 Strassenhunde aus Rumänien, Ungarn und Südeuropa. Darunter seien auch Kampfhunde. Das Fazit der Zeitschrift: Dieser Handel sei illegal.

Huttwil war indessen nicht die einzige Station der Hundehilfe. Ins Städtli war Ulrike F. nämlich erst gekommen, nachdem ihr die Behörden im thurgauischen Sirnach den Handel mit Hunden verboten hatten. So soll die Frau auch in den aargauischen Ortschaften Mellingen und Magden sowie im Seeland Delikte begangen haben – und zwar von Mai 2006 bis September 2010. Dass der Prozess nun in Langnau stattfindet, hat laut Gerichtsschreiberin Jaggi «verfahrenstechnische Gründe». Unter anderem seien die in Huttwil mutmasslich begangenen Delikte die schwersten.

Neue Meldung im Seeland

Ob die Hundehilfe noch existiert, ist nicht bekannt, aber eher unwahrscheinlich: Die Internetseite www.hundehilfe.ch steht zum Verkauf. Und den Behörden in der Seeländer Gemeinde, wo Ulrike F. heute wohnt, sind keine Aktivitäten bekannt. Die Frau soll aber nach wie vor Hunde besitzen. Und ebendiese Tiere sorgen weiter für Unmut. Beim bernischen Veterinärdienst ist erst im November 2011 eine Meldung einer Privatperson eingegangen: Demnach soll die frühere Hundehilfe-Leiterin die nötigen Vorkehrungen nicht getroffen haben, damit der Hund Menschen und Tiere nicht gefährdet. Monika Bernoulli, Kommunikationsverantwortliche des Veterinärdiensts, bestätigt den Eingang der Meldung, sagt aber auch: Sofortmassnahmen seien, aufgrund der Angaben der Polizei, keine getroffen worden. Bei dem Vorfall mit dem Hund sei niemand verletzt worden. Weitere Abklärungen laufen.

Die angeklagte Ulrike F. wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

*Name von der Redaktion geändert (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.01.2012, 11:02 Uhr

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