Die Fusion der Feuerwehren braucht ein fünffaches Ja

Langnau

Die Feuerwehren von Langnau und Umgebung wollen fusionieren. In einem Monat finden die entscheidenden Abstimmungen statt.

Die Langnauer Feuerwehr ist mit Abstand die grösste im oberen Emmental und verfügt über die meisten Fahrzeuge. Sie erfüllt als einzige der fusionswilligen Feuerwehren bereits heute die strengeren Anforderungen der Gebäudeversicherung Bern.

Die Langnauer Feuerwehr ist mit Abstand die grösste im oberen Emmental und verfügt über die meisten Fahrzeuge. Sie erfüllt als einzige der fusionswilligen Feuerwehren bereits heute die strengeren Anforderungen der Gebäudeversicherung Bern.

(Bild: Hans Wüthrich)

Landauf, landab fusionieren Feuerwehren: Im Emmental schlossen sich zuletzt Trub und Trubschachen zusammen, um die Kräfte zu bündeln. Von 42 Emmentaler Gemeinden haben sich 9 für den Alleingang entschieden – demgegenüber haben 33 Feuerwehren «ennet» der Dorfgrenze Partnerinnen gefunden oder stehen in Verhandlungen.

In der Region Langnau sind die Fusionsgespräche weit fortgeschritten. In knapp einem Monat – am 18.März – stimmen die Einwohner der Gemeinden Signau, Rüderswil, Lauperswil und Bowil an ausserordentlichen Gemeindeversammlungen ab, ob sie sich mit der Langnauer Feuerwehr zusammenschliessen wollen. Gleichentags entscheidet der Grosse Gemeinderat in Langnau über die gleiche Frage. Die fusionierte Feuerwehr hiesse Feuerwehr Region Langnau.

Strengere Auflagen

An einer Pressekonferenz informierten die Verantwortlichen des Projekts gestern über die Fusion. Schnell wurde deutlich: Am Ursprung der Verhandlungen stand wie anderswo die Gebäudeversicherung Bern (GVB): Diese erliess 2011 strengere Auflagen für Feuerwehren und gibt diesen noch bis 2014 Zeit, die Ausrüstungen den heutigen Anforderungen anzupassen, also beispielsweise eine Wärmebildkamera anzuschaffen.

170 statt 500

Der Rüderswiler Feuerwehrkommandant Hans Erhard erklärte, dass die geplante Fusion eine Reduktion der Standorte zur Folge hätte. Anstelle von heute zehn würde sich die Feuerwehr auf vier Standorte konzentrieren. Das bedeute, so Erhard, dass in Langnau, Signau und Bowil jeweils ein Löschzug bliebe, «und Lauperswil und Rüderswil würden in Zollbrück einen gemeinsamen Zug betreiben». In Langnau als eigentlichem Hauptsitz der Feuerwehr wären um die 50 Feuerwehrleute im Dienst, an den anderen drei Standorten jeweils um die 40. Es bestünde also keine Gefahr, dass die Feuerwehrleute mangels Ortskenntnissen zu spät vor Ort erschienen, ergänzte Kurt Ruff, der Langnauer Verantwortliche für die Öffentliche Sicherheit.

Als Folge dieser Konzentration ist ein radikaler Schnitt bei den Feuerwehrleuten vorgesehen. Derzeit leisten in den fünf Gemeinden zusammengenommen über 500 Personen Dienst. «Das sind klar zu viele», macht Erhard klar. Das Problem: «Im Ernstfall sind viele Feuerwehrleute aus verschiedenen Gründen nicht verfügbar – die Ausrüstungen kosten aber trotzdem.» Deshalb wolle man den Bestand auf etwa 170 Personen reduzieren. Das bedeutet, dass in Lauperswil und Rüderswil mehr als die Hälfte aller Feuerwehrleute aus dem Dienst ausscheiden wird. In Langnau hingegen, der künftigen Sitzgemeinde der Feuerwehr, würde ein Kommandant und ein Materialwart angestellt.

Der Signauer Finanzverwalter Matthias Fankhauser strich die finanziellen Vorteile einer Fusion heraus: «Jährlich könnten mehr als 60'000 Franken gespart werden.» Zudem erhielten die Fusionspartner von der GVB zusammen einen einmaligen Beitrag von 650'000 Franken.

Nur Langnau ist parat

In einem Monat fällt also die Entscheidung über die Fusion. Lehnt auch nur eine Gemeinde die Fusion ab, ist das Projekt gescheitert. Die Projektverantwortlichen gaben sich am Medienanlass zwar positiv gestimmt und verwiesen immer wieder auf geglückte Fusionsprojekte im Kanton. Es ist aber nicht ganz auszuschliessen, dass die Befürworter der Fusion kurz vor dem Zieleinlauf noch abgefangen werden. Was dann? Das Scheitern der Fusion hätte unterschiedliche Auswirkungen auf die Gemeinden: Für Langnau, das über die modernste Feuerwehr verfügt, würde sich nichts ändern: «Wir erfüllen bereits heute alle Anforderungen der GVB», bestätigt der zuständige Gemeinderat Hans-Peter Schenk. In den potenziellen Anschlussgemeinden sieht dies jedoch anders aus: Sie müssten ziemlich schnell nachrüsten.

Eine andere Möglichkeit wäre, eine abgespeckte Fusion anzustreben. Rüderswil und Lauperswil könnten zusammengehen. Und Signau und Bowil würden wohl ihr auf Eis gelegtes Fusionsprojekt wieder aus der Schublade hervornehmen. Das liessen die Gemeindevertreter gestern durchblicken.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt