Huttwil/Sumiswald

Die Emmentalbahn macht Dampf

Huttwil/SumiswaldDie Emmentalbahn orientiert sich an grossen Vorbildern: Wie die Wutachtalbahn bei Schaffhausen will sie dereinst 130'000 bis 150'000 Passagiere auf ihre Nostalgiezüge locken.

Künftig gibt es für Kühe und andere Zaungäste häufiger Dampfzüge zu bestaunen. Am 12. April werden die Lokomotiven 
für die Saisoneröffnung eingeheizt.

Künftig gibt es für Kühe und andere Zaungäste häufiger Dampfzüge zu bestaunen. Am 12. April werden die Lokomotiven für die Saisoneröffnung eingeheizt. Bild: Marcel Bieri

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Das Gras im Schotter des Bahntrassees bei Weier ist bereits entfernt; dieses Jahr nimmt sich die Emmentalbahn der Fahrstromanlagen an. Im Dezember wurden sie untersucht und die Mängel erfasst. Gegenwärtig kann man Equipen beobachten, die diese beheben, wie Präsident Adrian Wüthrich an der 10. Generalversammlung der Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (IGöV) Oberaargau in Madiswil erfreut feststellte.

Dass die IGöV die Emmentalbahn zum Thema an ihrer Jubiläumsversammlung machte, ist kein Zufall, stand doch die Bahnstrecke zwischen Huttwil und Sumiswald ihren Gründern Pate: Der Huttwiler Walter Lüthi störte sich daran, dass Huttwil am Bahnhof Bern von den Anzeigetafeln verschwand, weil die S-Bahn-Linie 44 verkürzt und auf ihrem letzten Stück durch Busse ersetzt worden war.

Aus der 1999 ins Leben gerufenen Bewegung Pro Bahn wurde 2005 die IGöV, zwischen Sumiswald und Huttwil verkehren seit 2004 definitiv Busse. Dass die Bahnstrecke trotzdem erhalten blieb, hat mit den Bemühungen der vier Museumsbahnvereine Dampfbahn Bern, Historische Eisenbahn Emmental, Dampffreunde Langenthal und Club Salon Bleu zu tun. Von diesen existieren heute noch die ersten zwei.

Mehr als eine Museumsbahn

Inzwischen sei die Emmentalbahn jedoch mehr als eine Museumsbahn, wie Vizepräsident Anton Achermann in Madiswil berichtete. Denn zwischen Huttwil, Sumiswald und Wasen könnten die Lokomotivfreunde zwar ihre eigenen Probleme lösen, aber nicht nur diese.

Die Dampflokfreunde sehen sich damit konfrontiert, dass sie auf dem normalen Schienennetz kaum mehr Platz für ihre Fahrten finden. Einerseits wegen neuer Zugsicherungssysteme, andererseits wegen der hohen Tempi und der immer dichteren Fahrpläne.

Firma für die Infrastruktur

Mithelfen, den Unterhalt der Bahnstrecke zu finanzieren, sollen jedoch auch Lösungen für Probleme anderer Kreise. Da ist das Interesse der Bahn am Güterverkehr zwischen Sumiswald und Wasen. Dazu kommen Ausbildungsbedürfnisse der Bahn- und Unterhaltsfirmen, die ebenfalls auf dem übrigen Schienennetz kaum mehr Platz finden. Schliesslich erwähnte Achermann das Interesse des Bundesamtes für Verkehr an einer Ausweichroute zur viel befahrenen Ost-West-Achse zwischen den Zentren, das ergänzt wird vom Bedürfnis der BLS, Fahrten in die Werkstätte Oberburg nicht über die Strecke Langenthal–Burgdorf führen zu müssen.

Für diese Infrastrukturfragen hat die Genossenschaft Museumsbahn Emmental Ende 2013 die Emmentalbahn GmbH gegründet.

Gegenwärtig werden ihre Aktivitäten auf der Emmentalbahn allerdings noch von den Bauarbeiten am Bahnhof Huttwil eingeschränkt. Der Fahrplan 2015 beschränkt sich deshalb auf die Saisoneröffnung am 12. April, den Muttertag am 10. Mai, den 14. Juni, den Slow-up am 13. September sowie die Huttwiler Dampftage am 3. und 4. Oktober.

Ziel der Emmentalbahn sind jedoch Fahrten jeweils am dritten Samstag oder Sonntag des Monats. «Dafür sind wir allerdings auch intern noch nicht vorbereitet», gestand Achermann ein: Die nötigen ausgebildeten Lokomotivführer fehlen. Sind sie aber einmal so weit, rechnen die Initianten mit beträchtlichen touristischen Impulsen für die Region: Die Wutachtalbahn in der deutschen Nachbarschaft von Schaffhausen befördere pro Jahr 130'000 bis 150'000 Passagiere, hielt Achermann fest und machte deutlich, dass das die Messlatte für die Emmentalbahn sein soll. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.03.2015, 09:56 Uhr

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IGÖV Oberaargau: Zum «Kindergeburtstag» ein Spätzug

Für Eisenbahnen seien zehn Jahre kein Alter, betonte Regierungspräsidentin Barbara Egger (SP) an der Jubiläumsgeneralversammlung der Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (IGöV) in Madiswil. Sie verglich deren Jubiläum denn auch mit einem Kindergeburtstag. Zu einem solchen gehört ein Geschenk - und dieses macht sich die IGöV gleich selbst.

Präsident Adrian Wüthrich erinnerte an die seit sechs Jahren unerfüllte Forderung nach einer Wiedereinführung des Spätzuges von Bern nach Langenthal. Dass es dafür nach wie vor Platz hat, will die IGöV nun gleich selbst beweisen: Sie lädt am Freitag, 5. Juni, zu einer Fahrt mit dem historischen Mirage-Pendelzug ein, die um 22.39 im Bahnhof Bern beginnt und nach Langenthal sowie voraussichtlich nach Huttwil führt. Für dieses «Geschenk» nimmt die IGöV 2015 im Budget ein Defizit von 3600 Franken in Kauf, für das sie Rückstellungen gebildet hat. Die Rechnung 2014 hingegen schliesst mit einem Gewinn von rund 700 Franken ab. Für die zurücktretende Vizepräsidentin Katrin Zumstein zieht Pierre Masson, Langenthal, neu in den Vorstand ein.

Barbara Egger zeigte in ihrem Referat auf, welchen Herausforderungen der Kanton im Zusammenhang mit dem öffentlichen Verkehr bis zu den runden Erwachsenengeburtstagen der IGöV in zehn, respektive zwanzig Jahren gegenübersteht: Er rechnet gegenüber 2007 mit einem Wachstum von 60 Prozent. Dabei herrschten heute zum Teil bereits «japanische Verhältnisse» in den Bahnhöfen. jr

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