Burgdorf

Die Aussichten sind durchzogen

BurgdorfDie Stadt will künftig weniger investieren und mehr einnehmen. Das Budget 2018 rechnet mit schwarzen Zahlen: einem Plus von 80 000 Franken. Der Schuldenberg indes wächst weiter auf 118 Millionen Franken an.

Schwarze Zahlen sind geplant - aber der Schuldenberg wächst an. Die Finanzplanung der Stadt Burgdorf ist durchzogen.

Schwarze Zahlen sind geplant - aber der Schuldenberg wächst an. Die Finanzplanung der Stadt Burgdorf ist durchzogen.

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Das Fazit des ersten Budgets, das die seit Jahresbeginn amtierende Gemeinderätin Beatrice Kuster Müller (EVP) gestern präsentierte, fällt nicht nur positiv aus. Die Vorgabe des Stadtrates, einen ausgeglichenen Voranschlag zu präsentieren, kann aber eingehalten werden. Der Gesamthaushalt sieht bei einem Aufwand von 107,23 Millionen Franken einen Ertragsüberschuss von gut 80 000 Franken vor, dies bei einer unveränderten Steueranlage von 1,63 Einheiten und einer Liegenschaftssteuer von 1 Promille.

Zu wenig eigene Mittel

Mit 14,6 Millionen Franken fallen die Nettoinvestitionen erneut etwas höher aus als im laufenden Jahr. Erst 2019 sollen diese markant auf 7,3 Millionen zurückgehen. Bei einem Selbstfinanzierungsgrad von 11 Prozent ist 2018 eine Neuverschuldung von 11 Millionen Franken die Folge. Demnach soll der Schuldenberg auf 118 Millionen Franken anwachsen. Ein Abbau ist für 2021 vorgesehen. Die vom Gemeinderat auf 1300 Franken festgesetzte Verschuldung pro Einwohner könne 2018 «voraussichtlich noch eingehalten werden», sagte Kuster Müller.

Beim aktuell tiefen Selbst­finanzierungsgrad soll es aber nicht bleiben. Der Gemeinderat visiere die Marke von 50 Prozent an. Weil auf der Ertragsseite keine deutliche Erhöhung zu erwarten sei, könne dieses Ziel primär durch eine Reduktion der Investitionen erreicht werden, sagte Peter Hofer, Leiter der Burgdorfer Finanzdirektion.

Positiv, das heisst rückläufig im Vergleich zum Budget 2017, sollen sich die Personalkosten entwickeln. Trotz einem Lohnwachstum von 1,5 Prozent dürfte eine Abnahme von 321 000 Franken resultieren. Hierzu trägt bei, dass 2018 die Entschädigung von 176 000 Franken für Elisabeth Zäch – die bis Ende 2016 Stadtpräsidentin war – wegfällt. Diese Pauschale erhalten Stadtoberhäupter während des Jahres nach ihrer Demission.

Stadtrat entscheidet

Erfreulich sollen sich die Steuereinnahmen verändern. Im Vergleich zur Rechnung 2016 wird mit einem Plus von 1,6 Millionen Franken gerechnet. Dies nicht zuletzt als Folge der gestiegenen Bevölkerungszahl. «Wachsen ist schön, aber nicht im falschen Segment», sinnierte Peter Hofer. Will heissen: Neue Einwohner sollen mehr Steuern, nicht zusätzliche Sozialhilfeausgaben generieren.

Am Montag wird das Stadtparlament das vom Gemeinderat vorgelegte Budget 2018 disku­tieren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.10.2017, 21:23 Uhr

«Mit etwas Glück wird der Deckungsgrad 100 Prozent sein»

Peter Hofer, Leiter der Finanzdirektion, gibt Entwarnung: Die Burgdorfer Pensionskasse sei kein Sanierungsfall.

Wie gesund oder krank sind die Finanzen der Stadt Burgdorf?
Peter Hofer: Es geht um die Frage des Gesundbleibens. Betrachtet man den Finanzplan, stellt man fest, dass wir einen ausgeglichenen Finanzhaushalt ausweisen. Das muss erste Priorität einer Gemeinde sein. Dies erreicht Burgdorf.
Die Stadt wächst Jahr für Jahr. Hat sich die höhere Zahl an ­Einwohnern auch finanziell positiv ausgewirkt?
Bei den Steuereinnahmen haben wir bei den natürlichen Personen ein stetiges Wachstum. Bei den juristischen Personen sind wir froh, wenn wir jährlich 3 bis 5 Millionen Franken erwirtschaften können, dann sind wir im Plan. Schade ist nur, dass wir nicht im gleichen Verhältnis wachsen wie die Kantonsabgaben.
Gewachsen sind auch die Schulden. 2018 sollen es 118 Millionen Franken sein. Wer ist für diese kontinuierliche Zunahme verantwortlich?
Das ist eine heikle Frage. Jedes Geschäft, das Geld kostet und Investitionen verursacht, wird von der Politik diskutiert und mit Mehrheitsentscheid bewilligt. Solange Investitionen in Anlagen und nicht Haushaltsdefizite fliessen, ist das Geld sicher und gut angelegt.
Im Jahr 2021 soll der Schuldenberg kleiner werden. Wie erreicht man dies?
Wir investieren weniger, als wir eigene Mittel generieren.
Bei den letzten Gemeindewahlen war die Sanierung der städtischen Pensionskasse ein Thema. Wie prekär ist die Situation?
Als Geschäftsführer der Pensionskasse und Finanzverantwortlicher der Stadt kann ich festhalten, dass es überhaupt nicht um eine Sanierung geht. Wir weisen Ende Jahr mit etwas Glück einen Deckungsgrad von 100 Prozent aus. Fragen stellen sich aber: Haben wir als Arbeitgeber die richtige Pensionskasse? Soll der Arbeitgeber Rentenverluste beim Personal aufgrund des neuen Umwandlungssatzes ausgleichen? Über diese Themen müssen letztlich der Gemeinde- und der Stadtrat entscheiden. ue

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