Der harte Kampf um die Gullideckel

Oberburg

Die Giessereibranche ist ein wahrhaft hartes Pflaster. Das weiss auch Patrick Nottaris des Oberburger Familienbetriebs Nottaris AG. Die Wirtschaftskrise schlägt bei der Giesserei aber nur zur Hälfte zu Buche.

Heisser Arbeitsort: Der Schmelzofen der Giesserei Nottaris in Oberburg.<p class='credit'>(Bild: Thomas Peter)</p>

Heisser Arbeitsort: Der Schmelzofen der Giesserei Nottaris in Oberburg.

(Bild: Thomas Peter)

Michael Bucher@MichuBucher

Funken sprühen, ein grelles Licht durchflutet die Halle, und die Luft riecht etwa so wie an einem späten 1.-August-Abend. Die Schutzbrille schützt zwar vor den Funken, doch ins helle Licht sollte man trotzdem nicht zu lange blicken, rät der erfahrene Produktionsleiter Hans Howald. Auch ein gewisser Abstand ist wichtig, denn hier wird gerade 1500 Grad heisses Flüssigeisen umgegossen. Weil etwas Magnesium hinzugefügt wird, entsteht dieses extrem helle Licht. Das ist nur ein kleiner Schritt im Entstehungsprozess für ein Produkt, das uns auf der Strasse zirka alle 50 Meter begegnet, ohne dass wir es gross wahrnehmen: ein ganz normaler Gullideckel.

«Abertausend» Deckel

Für die Nottaris AG in Oberburg sind diese Gullideckel – oder Schachtabdeckungen, wie es im Fachjargon heisst – überlebenswichtig, denn das 168-jährige Familienunternehmen produziert sie schliesslich. «Abertausend Deckel werden in dieser grossen Produktionsstätte an der Bahnhofstrasse in Oberburg hergestellt», sagt Patrick Nottaris. Er ist der Sohn von François und Helga Nottaris, in deren Besitz die Giesserei ist. Er wird später einmal den Familienbesitz weiterführen.

«Etwas komisch»

Über den Umsatz schweigt sich Patrick Nottaris aus. Nur ein «Über 10 Millionen Franken pro Jahr» lässt er sich entlocken. «Die Giessereibranche ist eben eine etwas komisch Branche», meint Nottaris, «man gibt der Konkurrenz ungern Zahlen preis.» Und diese ist knallhart – vor allem beim Vertrieb von Gullideckeln. «In dieser Sparte sind wir sieben Firmen in der Schweiz, die uns die Köpfe einschlagen», sagt Nottaris etwas überspitzt. Und: «Es gibt keine Verbunde. Schliesslich kämpft jeder für sich.»

Die Krise schlägt zu

Mittlerweile wird das Flüssigeisen in eine vorgefertigte Sandform gegossen. Rund einen Tag dauert die Abkühlphase, bevor es an den Feinschliff geht und schliesslich der fertige Deckel lieferbar ist. In der Produktionshalle lärmt und scheppert es. Es riecht nach stahlharter Arbeit.

Das war und ist immer noch keine Selbstverständlichkeit. Denn vor zwei Jahren traf die Wirtschaftskrise die Nottaris AG heftig. Allerdings nicht auf der ganzen Linie. Während die Gullideckelproduktion bis heute sehr erfolgreich läuft, wurde die Sparte Industrieguss heftig von der Wirtschaftskrise erschüttert. Beim Industrieguss werden auf Kundenaufträge hin Maschinenteile hergestellt, zum Beispiel Turbolader für ABB. In dieser Sparte, die immerhin zwei Drittel des Nottaris-Umsatzes ausmacht, gingen im Oktober 2008 innerhalb von zwei Wochen die Bestellungen um 70 Prozent zurück.

Daraufhin mussten sieben Angestellte – 10 Prozent der Belegschaft – freigestellt werden, und in der Produktion war plötzlich Kurzarbeit angesagt. Unterdessen gibt es zwar seit fünf Monaten keine Kurzarbeit mehr, «aber die Situation bei der Herstellung von Maschinenteilen ist immer noch ungenügend», sagt Patrick Nottaris. Stolz ist er aber darauf, dass trotz widriger Umstände seit zwei Jahren der Personalbestand gehalten werden konnte.

Neue Lagerhalle im Bau

Doch die Gullideckelproduktion floriert. So stark, dass die Nottaris AG nun eine zweite Lagerhalle baut, und zwar neben ihrer bereits bestehenden. Noch vor Weihnachten wird die eine halbe Million Franken teure und 630 Quadratmeter grosse Halle eingeweiht. «Wir brauchen mehr Platz», meint Patrick Nottaris. Und tatsächlich, in der Lagerhalle stapeln sich die fertigen Deckel. «Diese hier», sagt Nottaris und zeigt auf einen Stapel, «kommen an einen prominenten Ort.»

Wohl wahr, denn sie werden in Zukunft das Regenwasser beim Wankdorfkreisel auffangen.

Berner Zeitung

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