Signau

«Der Verdingbub» rührt das Publikum zu Tränen

SignauGrosse Emotionen im Kino: Bei der Vorpremiere zum Film «Der Verdingbub» machen sich unter den Zuschauern Trauer und Unverständnis breit.

An der Vorpremiere zum Film «Der Verdingbub» standen die Besucher an der Kinokasse Schlange.

An der Vorpremiere zum Film «Der Verdingbub» standen die Besucher an der Kinokasse Schlange. Bild: Thomas Peter

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Die Vorpremiere zum Film «Der Verdingbub» wusste über 100 Interessierte in das Kino Roxy in Signau zu locken. Ein Grund für den erfreulichen Publikumsaufmarsch sieht Geschäftsleiterin Molly Wälti darin, dass der Film in Trub gedreht wurde. Bereits von Beginn an herrscht eine spannungsgeladene Stille. Bei der Ohrfeige, welche Max aus dem Nichts heraus im Kinderheim verpasst wird, geht ein Raunen durch die Reihen. Wieder herrscht Totenstille. Max wird vom Pfarrer im Kinderheim abgeholt und zur Familie Bösiger in die Dunkelmatt gebracht. Die Aussage: «Schaut dazu, dass dieser Bub es nun etwas länger hält», lässt manchen Anwesenden erschaudern, und dass sich der Pfarrer mit Würsten bestechen lässt, macht ihn nicht sympathischer.

Schicksal geht zu Herzen

Die Ohrfeigen, die Prügel und das schwere Arbeiten nehmen ihren Lauf. Die einzigen glücklichen Momente darf Max mit Berteli, dem zweiten Pflegekind, und beim Handorgelspiel erleben. Schon in der Pause ist man überzeugt, es kommt noch schlimmer.

Dem ist so. Im zweiten Teil kommen Ausbeutung, Erniedrigung und Vergewaltigung an den Tag. Als Max mitbekommt, was der von Beginn weg unsympathische Sohn von Bösigers mit Berteli treibt, spricht er sich bei der Lehrerin aus. Als sich diese für die Kinder einsetzt, wird alles noch schlimmer. Dies drückt auch auf die Stimmung im Saal: Dort tuscheln zwei zusammen, hier werden Tränen abgeputzt, und plötzlich ist ein «dä dumm Siech» zu hören. Das Schicksal von Max und Berteli geht zu Herzen. Dazu trägt auch bei, dass es den Schauspielerinnen und Schauspielern, allen voran Max Hubacher als Verdingbuben, gelingt, mit treffenden Worten, aber vor allem mit eindrücklicher Mimik und Gestik das Elend aufzuzeigen. Nach dem doch noch hoffnungsvollen Ausgang des Filmes verlassen alle eiligst den Saal. Wohl um betroffen in der Dunkelheit weiter darüber zu sinnieren, was es für Verdingkinder wohl bedeutet haben muss, eine Kindheit ohne Geborgenheit und Liebe zu verbringen? «Ich hoffe einfach, dass es nicht allen Verdingkindern so schlecht ergangen ist», hält Theres Aeschbacher aus Arni fest.

Kennt einen Verdingbuben

Monika Blaser aus Schüpbach erzählt, dass sie einen 54-jährigen Freund habe, der heute in Zürich lebe und hier im Emmental als Verdingbub aufgewachsen sei: «Das Einzige, was er erzählt, ist, dass er oft nicht zur Schule durfte und auch nicht schreiben lernte. Weiteres verschweigt er aber.» Auch zu schaffen mache ihr, dass im Film Pfarrer und Behörden unter einer Decke steckten, und zwar nicht zum Wohle der Pflegekinder. Und Markus Leuenberger aus Arni meint zum Film: «Schwer verdauliche Kost. Ich finde, dass das Vorgehen der Behörden, wie es aufgezeigt wird, auch in der heutigen Gesellschaft oft noch so gelebt wird: lieber möglichst lange wegschauen.» Gekommen sei er eigentlich, weil ihn die Schwingfestszene, wo sein Göttibub mitwirkte, inter-essiert habe. Hans Peter Blaser aus Schüpbach findet es wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Film eindrücklich aufzeige, wie schlecht es den Menschen damals ging: «Dieses Elend ist für uns sehr schwer fassbar, stimmt aber etwas versöhnlich.» Genau diese Tatsache zeigt der Film auch auf: nämlich, dass die Bauernfamilien nicht einfach von Natur aus schlecht waren, sondern sehr oft auch Existenzängste dazu führten, dass die Probleme im Alkohol ertränkt wurden. Durch das schwierige Leben sind sie einfach hart, zum Teil auch unmenschlich geworden, was vor allem die Verdingkinder zu spüren bekamen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 04.11.2011, 07:37 Uhr

Der Verdingbub

Ab heute Freitag im Kino Roxy, Signau. Max Hubacher und Lisa Brand sind am Samstag, 5.November, bei der Abendvorstellung vor Ort. Ab Sonntag ist der Film ebenfalls in der Kupferschmiede in Langnau zu sehen.

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