Burgdorf

Der Umzug ins historische Kornhaus war keine Bieridee

BurgdorfSeit einem Jahr wird im Kornhaus Bier gebraut. Die Burgdorfer Gasthausbrauerei hat gut 10 Prozent mehr Bier als im Vorjahr produziert.

Das Ramser-Bier ist das jüngste Projekt der Gastbrauerei: Braumeister Oliver Honsel (links) und Verwaltungsratspräsident Stefan Aebi.

Das Ramser-Bier ist das jüngste Projekt der Gastbrauerei: Braumeister Oliver Honsel (links) und Verwaltungsratspräsident Stefan Aebi. Bild: Thomas Peter

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«Aktuell liegen wir bei gegen 6000 Hektolitern Jahresproduktion», sagt Braumeister Oliver Honsel. Der Deutsche, der seit zweieinhalb Jahren für die Burgdorfer Gasthausbrauerei AG als Betriebsleiter verantwortlich zeichnet und Biere kreiert, ist mit ein Garant für den Erfolg des «Burgdorfers». In diesem Herbst ist sein Weizen von einem internationalen Expertengremium in München zum weltweit drittbesten Weizenbier erkoren worden. 2010 wurde das Burgdorfer Aemme zum Schweizer Bier des Jahres gewählt.

Solche Preise verfehlen ihre Werbewirkung nicht und kurbeln den Konsum an. «Es ist Genugtuung und Anerkennung zugleich und zudem ein Beweis für die hohe Qualität unserer Biere», betont Honsel. Dies ist mit ein Grund, warum sich der ausgezeichnete Braumeister in der Burgdorfer Kleinbrauerei wohl fühlt: «Gerade weil diese Brauerei diese Grösse hat, können wir solche Preise gewinnen. Dies ist nur mit individuellen, sehr charakterstarken Bieren möglich.» Industriebiere würden kaum mehr solche Auszeichnungen gewinnen. Oliver Honsels letzter Streich wird dies nicht gewesen sein, sagt er doch: «In dieser Brauerei kann ich mich verwirklichen.»

Bald 3,3-Deziliter-Flaschen

Damit setzt die Burgdorfer Gasthausbrauerei, die heute sechs Mitarbeiter beschäftigt, ihre vor vierzehn Jahren begonnene Erfolgsgeschichte fort. Vor der Solätte 1999 wurde «Burgdorfer» zum ersten Mal ausgeschenkt. 700 Hektoliter Bier wurden im ersten Betriebsjahr produziert. Die Brauerei im Schützenhaus, die auf eine Jahreskapazität von 1500 Hektolitern ausgelegt ist, steigerte ihre Produktion bis im Jahr 2012 allerdings auf 5211 Hektoliter. Seit just einem Jahr wird der Gerstensaft im 1770 erbauten Kornhaus gebraut. Die maximale Jahreskapazität liegt hier bei etwa 10'000 Hektolitern.

Die genauen Zahlen zur Bierproduktion will Verwaltungsratspräsident Stefan Aebi erst im April mit der Einladung zur Generalversammlung bekannt geben. Aber: «Was man sagen kann, ist, dass wir im Braujahr Oktober 2012 bis September 2013 die Bierproduktion um gut 10 Prozent steigern konnten.» 60 Prozent des Bieres werden in 0,5-Liter-Flaschen abgesetzt, der Rest in Fässern zu 20 und zu 50 Litern sowie in kleinen Partyfässchen. Man plant, dereinst auch 3,3-Deziliter-Flaschen abzufüllen. Zwei Drittel des Absatzes entfallen auf das helle Bier, der Rest auf das dunklere Aemme sowie die Saisonbiere. In den Sommermonaten wird das Weizenbier gebraut, in den kalten Wintertagen jeweils ein Winterbier, aktuell das 7,5 Prozent starke Ramser-Bier.

Bis jetzt keine Reklametafeln

«Ja», antwortet Stefan Aebi, ohne zu überlegen, «unsere Brauerei im Kornhaus zu errichten, war der richtige Entscheid.» Zwar hätten die internen Produktionsabläufe optimaler umgesetzt werden können, wenn die Brauerei auf der grünen Wiese gebaut worden wäre, meint Braumeister Honsel: «Nur passt das Kornhaus viel besser zu unserer Philosophie, und wir beweisen damit auch unsere Verbundenheit mit der Stadt Burgdorf. Wir fühlen uns wohl in diesem historischen Gebäude, und es macht Spass, hier zu arbeiten.» Noch sieht man dem Kornhaus von aussen nicht an, dass hier Bier gebraut wird. Aebi ist zuversichtlich, dass sich dies – trotz denkmalgeschütztem Kornhaus – bald ändern wird: «Im Moment läuft unser Baugesuch ‹Neubau von Reklame- und Signalisationsanlagen›».

Moderates Wachstum

Welches Ziel haben sich die Burgdorfer für 2014 gesetzt? «Wir wollen moderat im einstelligen Prozentbereich wachsen», verrät der Verwaltungsratspräsident. Sorgte in diesem Sommer das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest für einen stark erhöhten Bierkonsum, erhofft sich Aebi wegen der Fussball-WM im Juni einen ähnlichen Effekt.

Übrigens: Dass Feldschlösschen das Schwingfest als exklusiver Partner beliefert hat, störte Oliver Honsel nicht. Nur eine Grossbrauerei könne einen solchen Megaanlass logistisch und bezüglich Kapazität bewältigen. An diesem dreitägigen Sportfest wurde ungefähr ein Drittel der Jahresproduktion des Burgdorfer Biers getrunken.

Wenig beeindruckt ist Aebi von der Tatsache, dass im Braujahr 2012/2013 der Schweizer Biermarkt um 0,9 Prozent abgenommen und sich die inländische Bierproduktion gar um 4,1 Prozent verringert hat. Die Schweizer gingen wohl etwas auf Distanz zum einheimischen Massenbier und sagten sich: Wenn ein Massenbier, dann ein billigeres aus dem Ausland. «Wer Bier als Teil der Kultur versteht, entscheidet sich zunehmend für Produkte von lokalen Brauereien, auch wenn unsere Biere etwas teurer sind», erklärt Ökonom Aebi.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 20.12.2013, 07:46 Uhr

Heimlieferdienst BringBee

Der Brauereishop im Burgdorfer Kornhaus hat für Privatkunden nur am Freitagnachmittag von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Doch wer das Burgdorfer Bier nicht bei einem Detailhändler kaufen will, kann neu den Mitbringdienst BringBee nutzen.

So funktioniert es: Das gewünschte Produkt wird im Internet auf die Einkaufsliste gesetzt. Diese gelangt dann in eine Mitbringbörse. Andere Kunden aus der Region oder der Schweiz (die sogenannten BringBees), die ohnehin unterwegs sind und die Brauerei besuchen, bringen die bestellten Artikel direkt ab Brauereirampe zu den Bestellern nach Hause. BringBees erhalten pro Einkauf eine Belohnung von 10 Prozent des Einkaufspreises vergütet.

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