Der Siegermuni hat «enorm viel Sonntag»

Langnau

Dass der Schwingermuni Fors vo dr Lueg unter seinesgleichen etwas darstellt, war am Donnerstag am Zuchtstiermarkt in Langnau auch für Laien augenfällig.

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Ein Stier ist noch lange kein guter Stier, nur weil er Kühe bespringt und Kälblein zeugt. Ob er das überhaupt jemals darf, entscheidet sich an Veranstaltungen, wie gestern eine in Langnau stattgefunden hat. Der Emmentalische Fleckviehzuchtverband führte zum 10.Mal einen Zuchtstiermarkt durch.

Zuerst sind harmlose Stierkälber an der Reihe.Sie machen nicht so viel her, verglichen mit Kalibern, wie Schwingerkönig Matthias Sempach am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest eines als Siegermuni überreicht wurde. Aber nur Laien zeigen sich unbeeindruckt ob der Ware, die die Bauern am Halfter führend ihre Runden drehen lassen. Das Publikum, das den Vorführplatz säumt, begutachtet die Exemplare durchaus interessiert.

Spätestens als die weiss bemäntelten Experten ihr Urteil abgeben, ist klar: In den gezeigten Kälbern schlummert Potenzial für spätere Zuchterfolge. «Ein eleganter Muni mit einem sehr starken Fundament, sei das vorne im Knie oder in der Hinterbeinstellung», lobt der Experte zum Beispiel und sagt: «In dieser Gruppe bekommen alle ein H.» Ein H? Walter Lüthi, Präsident des Emmentalischen Fleckviehzuchtverbandes erklärt: «Das H steht für Herdenbuchberechtigung.» Stierkälber mit einem H auf dem Rücken dürfen in der Zucht eingesetzt werden, ihre Kälber werden über eine registrierte Abstammung verfügen.

Doch es gibt auch die anderen. Bei einem Tier verweigern die Experten das ersehnte H, weil sie «im Sprunggelenk eine leichte Verstellung» ausmachen, die «leicht Richtung O-Beine» tendiere. Diesem Muni dürfte der Gang zum Metzger blühen. «Man will schliesslich keine schlechten Beine vererben», erklärt der Züchter Hans Bichsel aus Ranflüh, der dem Treiben noch als Zuschauer beiwohnt. «Diese Schau ist wichtig für die Zuchtentwicklung», fügt der Mann neben ihm hinzu.

Es ist der Schwingerkönig Matthias Sempach. Auch er will seinen Stier zur Begutachtung in den Ring schicken. Vor genau einem Jahr sei Fors vo dr Lueg als späterer Siegermuni gekauft worden, berichtet Bichsel, in dessen Obhut der Muni auf seinen wichtigen Auftritt vorbereitet wurde. Am grossen Thuner Zuchtstiermarkt ist er im Herbst 2012 schon einmal punktiert und mit der höchstmöglichen Zahl ausgezeichnet worden. Sempach ist gespannt, von den Experten zu hören, ob es Fors noch immer aufnehmen kann mit seinesgleichen.

Die aufgeführte Konkurrenz wird stärker,im wahrsten Sinne des Wortes. Die jetzt präsentierten Tiere werden an Nasenringen geführt. Ab 16 Monaten sei das Pflicht, sagt Walter Lüthi. Das ist beruhigend. Denn es hat ab und zu ein Exemplar darunter, dem die stoische Geduld eines Fors vo dr Lueg abgeht. Was, wenn plötzlich einer dieser 1000-Kilo-Kolosse ausbricht und durchs Publikum rennt? Solche Befürchtungen scheinen hier aber auch nur Laien zu plagen. Die Fachwelt bleibt ungerührt. «Tue ir Ordnig loufe, gäu» ist alles, womit ein Besitzer sein Tier zurechtweist, das ein bisschen gar bockig unterwegs ist.

Nachdem Experten alle 120 aufgeführten Tiere bewertet und punktiert haben, kommen die Schönsten jeder Kategorie noch einmal in den Ring. Jetzt wird von jeder Rasse ein Mister erkoren. Auch Sempach und «Fors vo dr Lueg» sind dabei. Und tatsächlich gewinnt der Schwingermuni den Mistertitel in der Rasse Swiss Fleckvieh. Denn die Experten sind beeindruckt: «Das ist ein Stier, der enorm viel Sonntag präsentiert», lautet ihr Urteil. – Viel Sonntag? Er meine damit die gesamte Erscheinung, die über alles gesehen «viel Schönes» präsentiere, erklärt der Fachmann am Schluss der Vorführung.

Kaum ist die Schau zu Ende, greifen Helfer zu Besen und wischen auf dem Platz hinter dem Ilfisstadion das Sägemehl zusammen. Damit dieser wieder sauber ist, wenn der nächste Hockeymatch stattfindet. Die Bauern machen sich auf, ihre Stiere in die Transportfahrzeuge zu verladen. Dabei kreischen ein paar Schulkinder, die sich vor dem Ilfisstadion versammelt haben, auf einmal. «Wäh, wäh! Eine Kuh hat da was», schreit ein Mädchen und zeigt, sich die Nase zuhaltend, auf den Boden. – Laien, halt.

Berner Zeitung

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