Der Mann, der Liz Taylor auffing

Lyssach

Es gibt wenige Länder, die er noch nie angeflogen ist, und Bundesräte gehörten ebenso zu seinen Gästen wie bekannte Leute aus dem Showbusiness: Paul Keller schaut auf ein abwechslungsreiches Leben als Berufspilot zurück.

Fliegen ist seine Leidenschaft – noch heute: Der Lyssacher Paul Keller mit dem Modell «seiner» Falcon 900 auf dem Flughafen Belpmoos.

Fliegen ist seine Leidenschaft – noch heute: Der Lyssacher Paul Keller mit dem Modell «seiner» Falcon 900 auf dem Flughafen Belpmoos.

(Bild: Andreas Blatter)

Er ist 75-jährig, und fliegen ist seine Leidenschaft. Auch heute noch. Doch zu grossen Flügen hebt der Segel- und Motorflugzeuglehrer Paul Keller nicht mehr ab. Wegen der Gesundheit sei es nicht, er unterziehe sich alle sechs Monate einem Check. Heute gelte seine Leidenschaft aber mehr dem Segelfliegerlager. Flüge in fremde Länder würden ihn nicht mehr interessieren, diese Zeit sei vorbei.

Das war nicht immer so. Paul Keller war Berufspilot und flog für die Aero Leasing SA Gäste in alle Welt. Sein damaliger Auftrag – «Waren und Personen» zu transportieren –, tönt simpel. Dahinter verbergen sich aber abenteuerliche Geschichten. Etwa die vom Sturz der bekannten Filmschauspielerin Liz Taylor. Sie hätten Liz Taylor und ihren Mann Richard Burton nach Malaga geflogen, erinnert sich Keller. «Es war ein turbulenter Flug, aber nicht vom Wetter her», erzählt er. Alkohol sei reichlich geflossen, und als die Filmschauspielerin aus dem Flugzeug aussteigen wollte, sei es passiert: «Sie blieb mit einem ihrer hohen Absätze auf der Treppe stecken, stürzte und flog mir entgegen.» Pilot Keller öffnete seine Arme und fing die Frau auf. «Für eine Minute war Lizi die Meine, aber einen Skandal gab es deswegen nie», sagt er und lacht.

Immer Münz dabei

An der Lyssacher Gemeindeversammlung ist Paul Keller nun für seine Verdienste geehrt worden. Er, der nebst Stars aus dem Showbusiness auch immer wieder Wirtschaftsvertreter und Bundesräte pilotierte. Da seien gute Umgangsformen und Diskretion wichtig gewesen, berichtet er. «Sobald der Kunde auf dem Rollfeld eintraf, standen der Pilot und eine Stewardess zur Begrüssung an der Treppe. Daran gab es nichts zu rütteln.» Die ganze vorausgehende Hektik habe man zu diesem Zeitpunkt abschütteln müssen.

Dafür konnte es für den Piloten während des Aufenthaltes am Bestimmungsort wieder ganz schön stressig werden. «Damals gab es noch keine Handys, wir konnten nur mit einem Pager erreicht werden», erklärt Paul Keller. Sobald er über den Pager gesucht wurde, machte sich Keller jeweils zur nächsten Telefonkabine auf. Eine Handvoll Münz habe zu dieser Zeit in jede Jackentasche eines Berufspiloten gehört. Um die Kommunikationswege zu vereinfachen, habe er auch regelmässig im gleichen Hotel oder Haus wie seine Kunden übernachtet. Manchmal habe er innert kurzer Zeit das Flugzeug startklar machen müssen.

Unter Beschuss

Nicht ganz «Business as usual» war für Keller ein Auftrag in Beirut. Es herrschten unruhige Zeiten im vom Bürgerkrieg geschüttelten Libanon, und Keller musste zusammen mit seiner Co-Pilotin einen Geschäftsmann in den Nahen Osten begleiten. «Uns wurde empfohlen, das Flugzeug während der Nacht nicht in Beirut zu lassen.» So seien sie vor Einbruch der Dunkelheit nach Zypern geflogen. «Als wir am nächsten Mittag unseren Passagier in Beirut holen wollten, endete dies beinahe tödlich», erzählt der pensionierte Pilot. Beim Anflug seien sie auf der Nordschlaufe plötzlich beschossen worden. «Ich sah Mündungsfeuer und wusste, dass das uns galt.» Später zählte er fünf Einschusslöcher von Flabgeschossen. Die Kaffeemaschine sei zerstört gewesen, das Flugzeug beschädigt, erinnert er sich. Zuerst habe die Co-Pilotin die Maschine geflogen, nachdem die Steuerung durch die Einschüsse schwerer geworden sei, habe er übernommen. «Auf der Landebahn erwarteten uns bereits eine Ambulanz und Löschfahrzeuge, um das Kerosin aufzufangen.» Kurze Zeit später sei er von Journalisten umringt worden, erzählt Keller. Noch heute schaut sich der Lyssacher ab und zu die Bilder des beschädigten Jets an.

Blumiger sind seine Erinnerungen an einen Flug von Griechenland nach Saudiarabien. «Wir hatten den Passagierjet mit Blumen für eine Hochzeit vollgeladen. Es war das Geschenk eines Redners ans Brautpaar.» Die Zeiten dieser speziellen Flüge sind für Paul Keller aber vorbei. Er ist häuslich geworden und pflegt in seiner Garage seinen Oldtimerwagen. Und wenn er etwas aus der weiten Welt vernehmen will, frönt er seinem Hobby, dem Funken.

Berner Zeitung

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