Kaltacker

Der Luegarena droht der Abriss

KaltackerFür die Metallträgerkonstruktion und deren Dach über dem Schwingplatz vor den Landgasthof Lueg fehlt die Bewilligung: Das hat das Verwaltungsgericht entschieden.

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Der Blick geht von der Lueg in die Weite – grüne Hügel, so weit das Auge reicht. Den Ausblick der Landgasthof-Aussichtsterrasse beschränken jedoch seit ein paar Jahren massive Metallträger.

Die Konstruktion besteht aus 22 Pfosten und trägt ein Storendach, das die Besucherinnen und Besucher von Schwinget oder kulturellen Anlässen vor Wetterkapriolen schützt.Das Gesuch für die Arena reichte das Architektur- und Ingenieurbüro von Jörg Moser, Mitinhaber der Seminarhotelbetreiberin Emmentaltop GmbH, im Januar 2013 ein.

In diesem Gesuch ging es um den Bau der Tribüne und des Schwingplatzes in der Landwirtschaftszone sowie das Vordach, das saniert werden sollte. Ende März vor vier Jahren bewilligte die Gemeinde Heimiswil das Baugesuch. Die Luegarena wurde gebaut und ist seither in Betrieb.

Auf Eis gelegt und aufgetaut

Doch dann stellte die Gemeinde Abweichungen fest: Das Metallgestell sei nicht Teil der Baubewilligung gewesen, monierte sie. Anfang Juni 2013 forderte sie daher die Bauherrin auf, für diese Projektänderung nachträglich ein Gesuch einzureichen.

Ende desselben Monats wurde das Gesuch sistiert, nachdem die Moser + Partner AG weitere Unterlagen zugestellt hatte. In der Hoffnung, dass das Baugrundstück in die Hotelzone eingezont und damit andere Auflagen gelten werden, wurde das ­Gesuch auf Eis gelegt. Erst im Januar letzten Jahres kam es doch wieder aufs Tapet.

Kanton: Nicht in dieser Zone

Der Kanton schaltete sich ein. Überdachung und Storen seien nicht zonenkonform, entschied das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung daraufhin. Eine Ausnahmebewilligung, wie sie für eine Baute in der Landwirtschaftszone nötig ist, verweigerte die Behörde daher. Die Gemeinde zog nach, verhängte den Bauabschlag und entschied: Der metallene Überbau mitsamt der Markisen muss entfernt werden.

Durch mehrere Instanzen

Die Bauherrin wehrte sich gegen diesen Entscheid erst bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE). Als die Beschwerde abgewiesen wurde, gelangte sie ans Verwaltungsgericht. Die letzte kantonale Instanz hat den Fall inzwischen beurteilt – allerdings nicht wesentlich anders als die BVE zuvor.

Der umstrittene Punkt: Die Überdachung, so argumentierte das Büro Moser, sei Teil der ursprünglichen Baubewilligung gewesen und somit rechtens erbaut worden. Dafür spreche, dass auf den abgesegneten Plänen ein Storensymbol zu sehen sei und eine Strichpunktlinie eine Überdachung vermuten lasse, wie die BVE festhält.

Doch weder die Überdachung noch die Unterkonstruktion seien vermasst und genauer beschrieben worden. Auch habe sich die Gemeinde nach detaillierten Angaben erkundigt, diese aber nicht erhalten.

Daher seien die Bauten nicht bewilligt worden, zeichnet das Verwaltungsgericht den Werdegang nach. «Nur was aus den Plänen mit hinreichender Klarheit hervorgeht, kann von der Behörde bewilligt und rechtskräftig werden», halten die Verwaltungsrichter fest. «Schematische Darstellungen genügen nicht.»

«Fachleute müssen es wissen»

Bei unklaren oder missverständlichen Plänen trage die Bauherrschaft die Folgen und könne ­später nichts zu ihren Gunsten ableiten. «Baufachleute müssen Bescheid wissen über Hindernisse, die einem Bauvorhaben aus­serhalb der Bauzone entgegenstehen.»

Kurz: Die Dachkonstruktion ist also nie bewilligt worden. Und ein Ausnahmegesuch für das umstrittene Projekt ist auch nachträglich nicht mehr zu bekommen, weil es nicht zonenkonform ist.

Das Dach ist keine Bedingung

Dass die Überdachung für den Schwingbetrieb auf der Lueg zwingend sein soll, lassen die Verwaltungsrichter mit Verweis auf das Amt für Gemeinden und Raumordnung nicht gelten: Auch andere regionale und kantonale Schwingfeste würden traditionell zwischen Frühsommer bis Herbst im Freien abgehalten, widersprechen sie dem Beschwerdeführer.

Nicht entscheidend sei in dieser Angelegenheit auch, dass die Tribüne mit Schwingplatz seit über drei Jahren bestehe und regelmässig für verschiedene Anlässe genutzt werde – und für den Tourismus in der Region von grosser Bedeutung sei.

Ein widersprüchliches Verhalten der Behörden machen die Verwaltungsrichter im Vorgehen von Gemeinde und Kanton nicht aus. Einen Rüffel kassiert Heimiswil dennoch: Die Gemeinde hätte bei der Führung des Baubewilligungsverfahrens klarer sein dürfen.

Abbrechen in sechs Monaten

Schliesslich verlangt das Verwaltungsgericht die sogenannte Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands. Will heissen: Wird das Urteil des Verwaltungsgerichts rechtskräftig, muss Jörg Moser innert sechs Monaten die Trägerkonstruktion und das Storendach – für die er Investitionen in Höhe von 500'000 Franken geltend macht – abreissen lassen. Was er dazu sagt?

Man weiss es nicht. Er war für eine Stellungnahme über längere Zeit nicht erreichbar. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.06.2017, 14:52 Uhr

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