Grünenmatt

Der «Löwen» soll weiter brüllen

GrünenmattKürzlich sorgte eine Baupublikation für Aufsehen: Der Löwen soll umgebaut werden. Das Lokal ist jedoch nicht wie viele andere vom Beizensterben betroffen. Die Besitzer wollen, dass das Restaurant ein Treffpunkt im Dorf bleibt.

Verena Ramseier (links) steht in der urchigen Gaststube des Löwen Grünenmatt.

Verena Ramseier (links) steht in der urchigen Gaststube des Löwen Grünenmatt. Bild: Thomas Peter

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Der «Löie» an der Hauptstrasse in Grünenmatt ist das Paradebeispiel einer Beiz. In einem Körbchen auf dem Tisch liegen Schokoriegel und Pommes-Chips-Päckchen, an der Wand hängt ein Bildnis des letzten Melkers aus dem Dorf, und neben dem Eingang sind blaue Bierharassen (Preis pro Flasche Fr. 5.30) aufgetürmt. Die Ländlermusik aus dem Radio und die Kuhglocken tragen das Übrige zum hemdsärmligen Ambiente bei.

Stolz auf die Beiz

Häufig reagieren Gastronomen etwas verschnupft, wenn man ihr Lokal als Beiz bezeichnet. Doch hier im Löwen Grünenmatt ist das nicht so. Der Begriff Beiz mache ihr nichts aus, sagt Verena Ramseier, die den Gasthof 2003 zusammen mit ihrem Mann gekauft hat. «Es ist ein Ort für alle.»

Der Zahn der Zeit hat aber unübersehbar am Lokal aus dem 19. Jahrhundert genagt – davon zeugen etwa Kratzspuren am Holz. Nun stehen grössere Änderungen an im Gasthof an der Hauptstrasse in Grünenmatt: Das hat unlängst eine Baupublikation im Anzeiger angekündigt. Der Löwen soll umgebaut werden.

Das hat zunächst nichts Gutes erahnen lassen: In Landbeizen wurde in den letzten Jahren erst investiert, wenn es darum ging, die Gaststube herauszureissen und Wohnungen einzubauen. Der Löwen Grünenmatt: ein weiteres Opfer des Beizensterbens?

Nein. Verena und Alfred Ramseier wollen das Restaurant am Leben erhalten. Sie planen für nächstes Jahr einen grossen Umbau: Zwischenwände sollen, so es denn der Denkmalschutz erlaubt, herausgerissen werden. «Die Räume sollen heller, weniger schummrig werden», sagt Verena Ramseier.

Die Küche, in der noch mit Holz eingefeuert wird, soll ebenfalls modernisiert werden. Die bestehende Terrasse wird vergrössert und mit einem zusätzlichen Eingang erschlossen. Auch die alten WCs werden ersetzt, das Säli wird aufgefrischt. Das vom Rauch geschwärzte Holz soll so weit wie möglich wieder verwendet werden.

Grosse Investitionen

Änderungen wird es auch bei der Pacht geben. Die bisherige Wirtin Anna Katharina Aeschbacher wird Ende Jahr aufhören. Verena Ramseier verhehlt nicht, dass Aeschbacher gerne weitergemacht hätte. «Aber unsere Wirtin kommt ins Pensionsalter», daher sei es Zeit für einen Wechsel. Die Nachfolge sei noch nicht geregelt, aber man stehe mit Interessenten in Kontakt.

Wie viel die Rundumerneuerung des Löwen kosten wird, kann Verena Ramseier noch nicht beziffern – es wird jedoch sicher ein sechsstelliger Betrag sein. Das Ehepaar hat bereits viel Geld – über eine Million Franken – in den Löwen gesteckt, seit es die Liegenschaft im Jahr 2003 gekauft hat. Die oberen Stockwerke sind denn auch alle modernisiert. Der bereits renovierte Saal im Obergeschoss und die Büroräumlichkeiten sind an die Glaubensgemeinschaft Neues Land Emmental vermietet.

Wohnungen wären rentabler

Eine Goldgrube wird der verjüngte Löwen nicht werden. «Der Pachtzins wird um die 2000 Franken pro Monat betragen.» Das klingt nach wenig. Verena Ramseier pflichtet bei. Aber: «Schon das wird sehr viel Einsatz brauchen, damit das Lokal rentabel betrieben werden kann.» Früher habe das Restaurant die restliche Liegenschaft finanziert, «heute ist es genau andersrum».

Da stellt sich die Frage, weshalb sie sich das überhaupt antut. Wäre es nicht viel lohnender, Wohnungen einzubauen? «Natürlich», gibt Verena Ramseier unumwunden zu. Doch Ramseiers sind nicht nur Unternehmer, die in unmittelbarer Nachbarschaft ein Sanitärgeschäft führen. Sie treibt auch das Soziale an. «Uns geht es darum, einen wichtigen Treffpunkt im Dorf zu erhalten.» Zumal das Restaurant Bahnhof ein paar Steinwürfe entfernt 2013 dichtmachte.

Verena Ramseier ist ehemalige Sozialvorsteherin von Lützelflüh und präsidierte bis Ende 2015 den regionalen Sozialdienst. Sie setzte sich auch für den Erhalt des Dorfladens ein. Dass jemand mit einer sozialen Ader zum Löwen schaut, ist dessen Glück. Es zeigt aber deutlich, was es dafür braucht, in diesen Tagen eine Landbeiz zu betreiben: Geld. Und ganz viel Idealismus. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.06.2016, 21:35 Uhr

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