Kirchberg

Der Kreisel, der klein begann

KirchbergWo früher grüne Felder waren, sind in den letzten zwei Jahrzehnten Einkaufscenter und Strassen entstanden. Die neue Autobahnausfahrt sorgte für ziemlich viel Ärger.

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In der Berner Zeitung vom Freitag, 2. Oktober 1998, war zu lesen: «Ein Kreisel soll den Knoten lösen; demnächst beginnen die Arbeiten». Es ging um die Autobahnausfahrt in Kirchberg respektive, wie unterdessen allseits bekannt sein dürfte, in Rüdtligen-Alchenflüh. Aber darum geht es hier nicht. Vielmehr ist die Rede davon, wie vor 20 Jahren die Verkehrs­probleme auf und neben der Autobahn bei der Einkaufsmeile gelöst werden sollten.

Die bis dahin neu zugezogenen Firmen, unter anderem Ikea, sorgten für mehr Verkehr. Zudem machte es die geplante Linienführung der Bahn 2000 nötig, dass die Autobahnausfahrt um 500 Meter in Richtung Lyssach verlegt wurde. Also plante der Kanton und informierte im Oktober 1998, wie es nun weitergehe. Als Erstes wurde ein provisorischer Kreisel gebaut, in dessen Mitte dann später, im Frühling, der effektive, dauerhafte Kreisverkehr entstehen sollte. Die beiden Kreisel waren aber nicht die einzigen Verkehrsbauten, die in dieser Zeit im Gebiet rund um die Autobahn entstanden: Da war einerseits die Bahn 2000, anderseits aber auch die Umfahrung von Kirchberg.

Bauern waren unzufrieden

Zurück zum Kreisel. Mit der Information im Oktober 1998 war nicht das Ende der Geschichte erreicht, sondern vielmehr erst der Anfang gemacht. Ein Jahr später, im Oktober 1999, berichtete diese Zeitung, dass die Arbeiten beim Autobahnanschluss mehr oder weniger fertig seien. Der Verkehr rollte bereits seit einer Woche über den neuen – definitiven – Kreisel.

Doch o weh! Statt eitel Freude herrschte weitherum Ärger. Der nigelnagelneue Kreisverkehr war zu klein, Lastwagen überrollten mit der Hinterachse immer wieder dessen grünes Innenleben, das sich bald in ein braungraues Schlachtfeld verwandelte. Kam dazu, dass die Zufahrt zum Kreisel doppelspurig war, er selber aber keine Mittellinie hatte. Nicht wenige Autolenker waren überfordert, wussten nicht, wie sie sich zu verhalten hatten.

Daran, dass das Bauwerk so ­gering ausgefallen war, hatte eigentlich die Eisenbahn schuld. So jedenfalls argumentierte man beim Kanton. Als nämlich der Autobahnanschluss geplant worden war – 10 Jahre zuvor –, gingen in der Region die Emotionen rund um die Bahn 2000 gerade besonders hoch.

Die Bauern wollten weder Feld noch Wald für das Jahrhundertprojekt hergeben, geschweige denn für einen schlichten einfachen Kreisel. Also plante man diesen kleiner als gedacht; zuerst sollte er gar nur einspurig werden. Doch die Verantwortlichen sahen ein, dass das nicht funktionieren würde. Schliesslich musste der Knoten schon damals 2700 Autos pro Stunde schlucken.

Unklare Signalisation

Und es wurden nicht weniger. Die Einkaufsmeile wuchs kontinuierlich, der Verkehr rund um die Autobahnausfahrt nahm ebenso kontinuierlich zu. Als dann im Jahr 2001 die neue Umfahrung von Kirchberg eröffnet wurde, die notabene auch über den Kreisel angefahren wird, war es endgültig vorbei mit der Ruhe. Lenkerinnen und Lenker berichteten davon, dass sie die Ausfahrt auf die neue Strasse nicht gefunden hätten. Schuld daran sei die total unklare Signalisation. Und überhaupt, die ganze Situation sei untragbar. Der Kreisel zu klein, die Mittellinie immer noch nicht aufgezeichnet, die Verkehrsschilder unübersichtlich.

Man ahnt: So konnte es nicht weitergehen. Und tatsächlich geschah bald etwas. Im Juni 2002 berichtete die BZ, dass der Kanton einlenke, die Signalisation verbessern und den Kreisel verbreitern wolle. Nicht nur, weil die Autofahrer nicht wussten, wie er zu befahren war. Unterdessen hatte sich die Situation rund um die Autobahnausfahrt nämlich grundlegend verändert. Die Einkaufsmeile war endgültig zum Hotspot für Möbelhäuser und andere Anbieter geworden. Mehrere Firmen wollten bauen, durften das aber noch nicht, weil die Verkehrssituation nicht geklärt war. Und so fuhren die Baumaschinen wieder auf.

Eine eigene Zufahrt

Heute haben die Lenkerinnen und Lenker von der Autobahn her eine eigene Zufahrt zur Shoppingmeile, den sogenannten Bypass. Er verläuft neben der Hauptstrasse und nimmt den Verkehr zwischen den grossen Warenhäusern auf.

Der Kreisel bei der Ausfahrt ist breit, mit Mittellinie versehen, die Signalisation ist klar. Trotzdem komme es immer wieder zu brenzligen Situationen, sagen jene, die ihn regelmässig passieren. Woran es liegt? Am Ende an den Autofahrerinnen und -fahrern.


Was geschah vor 20 Jahren?In loser Folge werfen wir einen Blick zurück, erinnern an kleinere und grössere Geschichten, die in dieser Zeitung standen, und schauen, was aus ihnen geworden ist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.10.2018, 07:27 Uhr

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