Langenthal

Der Händeschüttler der Weltprominenz

LangenthalKommt der Dalai Lama oder Fifa-Boss Blatter – ein Mann mit Turban ist stets schon da: der Langenthaler Karan Singh.

Auf Augenhöhe: Karan Singh  im Gespräch mit Fifa-Präsident Joseph Blatter.

Auf Augenhöhe: Karan Singh im Gespräch mit Fifa-Präsident Joseph Blatter. Bild: Flavio Fuoli/LZ

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erade erst hatte Karan Singh wieder einen seiner Auftritte. Als Ende September Johann Schneider-Ammann zum neuen Bundesrat gewählt wurde, gehörte der kleine Mann mit dem grossen Turban zu den ersten Gratulanten. Ein Bild, das die meisten Schweizer Zeitungen abdruckten.

Keine Berührungsängste...

Dabei ist ein Bundesrat für den Prominentenjäger fast schon ein kleiner Fisch. Im Frühling hatte er in Zürich den Dalai Lama getroffen – und dem geistigen Oberhaupt der Tibeter natürlich die Hand geschüttelt. «Eine faszinierende Persönlichkeit», erinnert er sich noch heute. «Und so bescheiden.»

...und keine Schranken

Nach der Fussball-WM 2006 kam es ebenfalls bei Zürich zu einer kurzen Audienz bei Joseph Blatter, dem Chef des Weltfussballverbandes. «Und dabei mag ich Cricket lieber», sagt Karan Singh schalkhaft. Wie schafft es dieser auffällig gekleidete Mann mit dem angegrauten Heilandbart, immer wieder zu den prominentesten Zeitgenossen vorzudringen und alle Sicherheitsleute zu überlisten? «Ich weiss es auch nicht», zuckt der die Schultern. «Die glauben vermutlich immer, ich gehöre auch dazu.»

Selbst ein kleiner Promi

Ein bisschen stimmt das ja auch. Karan Singh ist mittlerweile selbst ein kleiner Promi. Allerdings nicht wegen seiner Jagd nach berühmten Leuten, die hat sich eher zufällig ergeben. Sein wahrer Lebensinhalt ist ein anderer: Er hat das Sikh-Zentrum in Langenthal aufgebaut, leitet das im Volksmund nur «Tempel» genannte Zentrum seit seiner Eröffnung 2006. Zudem ist er Präsident der Schweizer Sikhs. Das sind Angehörige einer Religionsgemeinschaft, die aus Nordindien stammt und hierzulande rund 500 Anhänger zählt. Als Sikh-Präsident hat Karan Singh auch viele Kontakte zu Behörden und Politikern geknüpft. «Ich habe Freunde in allen Parteien», sagt er nicht ohne Stolz. «Die Schweiz hat ein wunderbares politisches System.» Der 49-jährige Inder weiss, wovon er spricht. Einst hatte er sein Land aus politischen Gründen verlassen.

Lob für Glückskette-Mann

Dass Singh viele Schweizer Politiker kennt, mag erklären, dass ihm viele Türen offen stehen. Ein echter Prominentenjäger will er aber nicht sein. So möchte er als nächsten nicht etwa Barack Obama oder sonst eine Weltgrösse treffen, sondern Roland Jeanneret von der Stiftung Glückskette. «Der setzt sich für eine wirklich gute Sache ein.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.10.2010, 10:52 Uhr

Asylbewerber: Ein Härtefall

Karan Singh, Jahrgang 1961, hat ein bewegtes Leben hinter sich. Als Sikh gehörte er in seiner Heimat, in der nordindischen Kaschmir-Region, zu einer unterdrückten Minderheit. Als junger Mann wollten er und Gesinnungsgenossen mit einer Flugzeugentführung auf ihre Lage aufmerksam machen. Der Coup misslang, Singh wanderte ins Gefängnis.
Nach der Entlassung kam er 1995 in die Schweiz. Hier beantragte er Asyl. Weil sich die Lage in Indien entspannt hat, wurde sein Gesuch abgelehnt. Dagegen rekurrierte er, unterstützt von Schweizer Politikern und Kulturschaffenden. Das Härtefallgesuch ist noch hängig. sae

Glaube verbindet: Karan Singh mit Pfarrer Ernst Sieber. (Bild: zvg)

Kleiner Mann, was nun? Karan Singh mit alt Bundesrat Pascal Couchepin. (Bild: zvg)

Zwei Langenthaler in Bern: Karan Singh mit dem neuen Bundesrat Johann Schneider-Ammann.
(Bild: Keystone )

Ähnliche Wurzeln: Karan Singh mit dem Dalai Lama.
(Bild: zvg)

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