Rüderswil

Der Bus bleibt in Fahrt

RüderswilDie Gemeinde will den Bürgerbus im Sommer 2018 definitiv einführen. Ein Rückweisungsantrag ­wurde an der Gemeindeversammlung abgeschmettert.

Rüderswil führt nächstes Jahr den Bürgerbus definitiv ein.

Rüderswil führt nächstes Jahr den Bürgerbus definitiv ein. Bild: Thomas Peter

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«Jetzt hatten wir wieder einmal eine Gemeindeversammlung mit Fleisch am Knochen», sagte Gemeindepräsident Roland Ro­thenbühler. 86 Stimmberechtigte der Gemeinde Rüderswil nahmen an der Versammlung vom Donnerstagabend teil. Wobei bereits für das erste Geschäft ein Rückweisungsantrag gestellt wurde: Der Gemeinderat wollte den Bürgerbus definitiv einführen.

Dieser soll ab Anfang August 2018 nach der zweijährigen Pilotphase zwischen den Bahnhöfen Lützelflüh und Zollbrück verkehren. «Der Bus ist sehr beliebt, vor allem bei Schülern, aber auch bei Pendlern und älteren Leuten», erklärte Roland Rothenbühler.

Mit den Ergebnissen der Fahrgasterhebungen vom März und vom November 2017 seien sie sehr zufrieden: Durchschnittlich über fünf Personen würden pro Kurs im Bus mitfahren, und dies während der Pilotphase gratis.

Ab Sommer 2018 sollen sich die Fahrgäste aber an den Kosten beteiligen: Eine Jahreskarte kostet 100 Franken pro Kind und ein Einzelbillett 1 bis 2 Franken. «Hat ein Schüler einen unzumutbaren Schulweg, dann beteiligt sich die Schulkommission an diesen ­Kosten», ergänzte Gemeinderat Christof Bärtschi (BDP). Doch nicht etwa die neuen Tarife gaben am meisten zu reden.

Der FDP-Präsident Rüderswil-Zollbrück, Franz Urs Schmid, wies den Gemeinderat darauf hin, dass sich das Geschäft nur knapp unter der finanziellen Grenze bewege, die eine Abstimmung an der Urne ­voraussetzen würde. Zudem habe die Gemeinde in der Nettokredit-Berechnung Abzüge gemacht, die rechtlich (noch) nicht zulässig seien und somit handle es sich um ein Geschäft, das zwingend an die Urne müsse.

Er plädierte auf den Rückzug dieses Geschäfts und auf eine Urnenabstimmung im neuen Jahr, damit man einer möglichen Beschwerde entgehen könne. «Wir verunmöglichen dem Bürger sonst, im grossen Kreis an dieser Abstimmung teilzunehmen», führte er aus. Zumal der Kantonsbeitrag von 62'320 Franken noch nicht definitiv genehmigt sei.

«Wenn der Kanton nicht zahlen will, dann will ich diesen Bus auch nicht», erwiderte Roland Ro­thenbühler. Doch die vorliegende Korrespondenz mit dem Kanton verstehe er als definitive Zusage. Der von Schmid gestellte Rückweisungsantrag wurde von der Versammlung mit 71 Nein-Stimmen abgeschmettert.

Kinder nicht gratis

Der nächste Antrag folgte prompt. Er kam von besorgten Eltern: Kinder bis zur 6. Klasse sollten den Bus gratis nützen dürfen. Nach einem vom Gemeinderat veranlassten Sitzungsunterbruch wurde aber auch dieser Antrag abgelehnt. Schliesslich nahm die Gemeinde den ursprünglichen Antrag des Gemeinderats mit 71 Ja-Stimmen an und genehmigte damit den Verpflichtungskredit von 97 100 Franken für den Bürgerbus.

Container statt Pausenraum

Danach erläuterte Christof Bärtschi das Vorhaben, den ersten Stock des Gemeindehauses Rüderswil in provisorischen Schulraum umzubauen (wir berichteten). Nebst steigenden Schülerzahlen in den nächsten zwei Jahren würde auch der Lehrplan 21 mehr Platz erfordern. «Für kooperative Lernformen benötigen wir mehr Gruppenräume», sagte Bärtschi. Zudem müssten heute Oberstufenschüler an Pulten der Unterstufe Fremdsprachen lernen. «Ergonomie, Körperhaltung und Konzentration werden dadurch sicher nicht gefördert.» Dass die Schule mehr Platz braucht, steht deshalb fest.

Die bereits erstellten drei Wohnungen im Gemeindehaus seien noch nicht vermietet, weshalb sich das erste Obergeschoss als Schulraum anbiete. Als Alternative habe der Gemeinderat auch einen zweistöckigen Container geprüft, der auf dem Vorplatz der Schule errichtet und damit den Pausenraum verkleinern würde. Der Container hätte Kosten von rund 250'000 Franken zur Folge.

In der amtlichen Mitteilung der Gemeinde fehlte das Wort «provisorisch» vor dem Schulraum im ersten Obergeschoss des Gemeindehauses, was zu einem weiteren Rückweisungsantrag führte. Die Gemeindeversammlung lehnte diesen aber eindeutig ab.

Doch der Votant vom ersten Traktandum wollte eine Garantie des ­Gemeindepräsidenten, dass das Geschäft nach gesetzlichen Vorgaben an die Urne kommt, wenn der Schulraum später doch in Wohnungen umgebaut werden sollte und das Geschäft somit die finanzielle Grenze überschreiten würde. «Ich bin ein Bauer», konstatierte Roland Rothenbühler. Er wolle sich nicht so weit zum Fenster hinauslehnen und das Geschäft zu gegebenem Zeitpunkt beurteilen lassen. Die Versammlung genehmigte den provisorischen Schulraum mit 76 Ja- und 0 Gegenstimmen.

Auch der Rahmenkredit über 436'000 Franken für die periodische Wiederinstandstellung drei­er Strassenabschnitte wurde einstimmig angenommen. Auf den Strecken Strickgraben–Marlenberg, Schlössli–Längholz und Bodenweis wird während der nächsten drei Jahre ein neuer Deck­belag eingebaut. Im Budget 2018 präsentierte Gemeinderätin Susanne Aeschlimann inklusive Spezialfinanzierungen einen Aufwandüberschuss von 271'700 Franken.

«Ein systembedingtes Minus», nannte es der Gemeindepräsident mit Blick auf die Rechnungslegung nach HRM2. Die unveränderten Steueranlagen und Feuerwehr-dienst-Ersatzabgaben sowie das Budget wurden einstimmig genehmigt.

Schulung der Sprache

Nach der Wiederwahl der ROD Treuhand und der Genehmigung der Teilrevision des Personalreglements informierten die Schulinspektorin Therese de Bruin und Christian Trepp vom Pädagogischen Zentrum für Hören und Sprache Münchenbuchsee über den künftigen Betrieb im Niederbach-Schulhaus. Ab Sommer 2018 werden dort bis zu 24 Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen unterrichtet.

Und so endete die Versammlung nach zweieinhalb Stunden mit Vorfreude: «Wir sind stolz, dass wir den Kindern jetzt auch im Emmental die richtige Schulung in angemessener Distanz anbieten können», sagte Therese de Bruin. Tamara Graf (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.12.2017, 15:51 Uhr

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