Der Biber hat eine Geliebte gefunden

Dürrenroth

Nun sind alle Zweifel ausgeräumt: Die Gemeinde zählt – wohl schon seit einiger Zeit – zwei «Einwohner» mehr. Unten am Rotbach haben zwei Biber ihr Domizil gefunden.

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Allerlei Tierspuren finden sich auf den weissen Matten rund um Dürrenroth. Sie zeugen davon, dass etwa Marder unterwegs sind und auch Wiesel. In der Zwischenzeit hat sich bestätigt, dass am Rotbach weitere Kostgänger unterwegs sind, wohl zwei an der Zahl: Meister Bockert, wie Johann Wolfgang von Goethe den Biber in seiner Tierfabel «Reineke Fuchs» nannte. Seit Dezember wurden hier hin und wieder Biberspuren gesichtet, die Experten gingen damals von nur einem Tier aus.

Bei einem Augenschein mit David Gerke, Projektleiter beim Programm «Hallo Biber! Mittelland» von Pro Natura Schweiz, muss der ungeübte Beobachter gut Ausschau halten, um die Hinweise auf den Biber nicht zu übersehen.

Denn Fussspuren hinterlässt der Biber auch im Schnee keine. Mit seinem von kurzen Beinen getragenen massigen Körper formt er den Schnee vielmehr zu einer Rinne. Die meiste Zeit ist er ohnehin im Wasser unterwegs. Entsprechend lassen sich auch entlang des Rotbachs Spuren entdecken. Stauden und Büsche, von denen nur noch kurze Stummel aus dem Wurzelstock ragen, und im Wasser liegende, entrindete Hölzer. Ein grosser Kahlschlag hat aber nicht stattgefunden.

Noch kein Nachwuchs

Vor zwei Wochen hat Gerke die verschiedenen Spuren in eine Karte eingetragen. Nagespuren und Fällplätze, Ein- und Ausstiegsstellen an der Uferböschung, den Bau, wo sich die Biber sich niedergelassen haben, und einen Wintervorrat, der aus im Wasser liegenden und noch nicht entrindeten Ästen besteht.

Die Spuren in der Nähe des Regenbeckens bei der ARA Dürrenroth sind älter. Der Lebensmittelpunkt scheint sich rund einen Kilometer bachabwärts zu befinden. «Ich nehme an, dass sich ein Bibermännchen eine Zeit lang bei der ARA aufgehalten hat. Dann ist er weitergezogen und jetzt, wohl mit einer Begleiterin, zurückgekehrt.»

Nachwuchs scheint das Paar noch nicht zu haben. Nagespuren von Jungtieren konnte Gerke jedenfalls bisher keine entdecken. Diese hinterlassen mit ihren kleineren Zähnen am entrindeten Geäst feinere Rillen als ausgewachsene Tiere. Was entlang des Rotbachs fehlt, sind die grossen Bauwerke, welche Biber sonst errichten.

Etwa Dämme aus Gehölz, mit denen sie Bachläufe stauen, und Burgen, in denen sie hausen können. Der Bau einer Burg ist notwendig, wenn der Biber keine andere Behausung findet, welche er unter Wasser erreichen kann.

Am Rotbach jedoch wurde das Paar fündig: Entlang der Uferböschung haben die Tiere eine passende Höhle gefunden. Dämme baut der Biber in der Regel, um im Gewässer den Wasserstand zu heben, damit er die Höhle unterirdisch betreten kann.

Gemeinde wartet ab

Abwartend verhält sich Gemeindepräsident Martin Wüthrich in Bezug auf die beiden Zuzüger. «Mal schauen», lautet seine Devise, «meist hört man ja nicht nur Gutes, wenn sich Biber irgendwo niederlassen.» Bis jetzt habe es aber weder Gründe gegeben, im Gemeinderat darüber zu reden, noch etwas zu unternehmen.

Für David Gerke besteht dazu auch kein Anlass. «Das Nebeneinander von Mensch und Biber ist unproblematisch», sagt er. Gäbe es Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen, hielten sich diese in Grenzen, und die Landwirte würden dafür grundsätzlich entschädigt. Zum Beispiel dann, wenn sich Biber in einem Maisfeld gütlich tun. Problematischer ist es für Gerke, wenn die Infrastruktur in Mitleidenschaft gezogen wird.

Wenn Biber durch ihr Graben entlang eines Gewässers beispielsweise einen Weg zum Einbrechen bringen. Was in Dürrenroth aktuell kein Thema ist. Für Gerke ist es trotz Anwesenheit des Bibers unproblematisch, sich am Rotbach aufzuhalten. Nur den Hundebesitzern rät er, ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen. Zum Schutz des Hundes.

Eine regelrechte Biberinvasion sei im Übrigen nicht zu erwarten, so der Experte. Auch wenn eintreffen könne, dass die Population wachse und der Nachwuchs neue Reviere in Anspruch nehme. Je nach Qualität des Futters beanspruche eine Biberfamilie entlang eines Fliessgewässers einen Abschnitt von einem bis fünf Kilometern.

Berner Zeitung

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