Burgdorf

Den Richtern auf den Zahn fühlen

BurgdorfDas Regional­gericht Emmental-Oberaargau lässt die Bevölkerung hinter die Fassade gucken. Es sei wichtig, dass sich die Justiz der Öffentlichkeit stelle, begründet Gerichtspräsident Peter Urech den Tag der offenen Tür.

«Es ist wichtig, dass sich die Justiz als dritte Gewalt der Öffentlichkeit stellt», sagt Gerichtspräsident Peter Urech.

«Es ist wichtig, dass sich die Justiz als dritte Gewalt der Öffentlichkeit stellt», sagt Gerichtspräsident Peter Urech. Bild: Olaf Nörrenberg

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Am liebsten möchte man mit ihnen ein Leben lang nichts zu tun haben, mit den Richtern. Denn hat man mit ihnen zu tun, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Man wird verurteilt oder eben freigesprochen. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung weiss also nicht genau, wie der Gerichtsalltag aussieht.

Mit einem Tag der offenen Tür will das Regional­gericht Emmental-Oberaargau dies am 26. Mai ein Stück weit ändern. «Es ist wichtig, dass sich die Justiz als dritte Gewalt im Staat der Öffentlichkeit stellt», betont der geschäftsleitende Gerichtspräsident Peter Urech.

Denn: «Wir sind nicht eine abgehobene Stelle, quasi eine Kabinettsjustiz, die sich fernab des Volks im ­Elfenbeinturm bewegt.» Die bernische Justiz sei transparent und nah bei den Leuten, ohne dabei ihre eigentliche Aufgabe ausser Acht zu lassen, sagt Urech.

Damals im Schloss

Ganz neu ist die Idee eines Tages der offenen Tür in Burgdorf nicht. Im Jahr 2000 – damals noch auf dem Schloss – luden Urech und seine Kollegen das Volk ein, einen Blick hinter den Vorhang zu werfen. Mehr als 600 Personen machten von diesem Angebot Gebrauch.

Allerdings konnte bei dieser Gelegenheit auch noch das Gefängnis besichtigt werden. Dies ist nun am neuen Sitz des Gerichts in der Neumatt nicht mehr möglich. Nach dem Regionalgericht Bern ist jenes des Emmental-Oberaargaus erst das zweite Gericht im Kanton, das dem Wunsch des Obergerichts und der Schweizerischen Richtervereinigung nachkommt, an die Öffentlichkeit geht und einen Tag der offenen Tür durchführt.

Prozesse sind meist öffentlich

Was die Besucherinnen und Besucher zu sehen und zu hören bekommen werden, ist tatsächlich nicht alltäglich. Um 10.30 und 13.30 Uhr finden fiktive Gerichtsverhandlungen im Strafrecht statt.

Maximal 60 Personen finden im Saal Platz. Eine halbe Stunde vor Beginn können Tickets am Empfang gelöst werden. Eine Reservation ist nicht möglich. Will heissen: «First come, first served».

Was viele Leute nicht wissen: Gerichtsverhandlungen sind grundsätzlich öffentlich. Dass die meisten Prozesse ohne Zuschauer stattfinden, liegt wohl weniger an Desinteresse, als vielmehr daran, dass die wenigsten Leute wissen, welche Fälle an einem bestimmten Tag behandelt werden.

Dazu sagt Peter Urech: «Bei Kleinkriminalität oder wenn ein betrunkener Autofahrer sich verantworten muss, sitzt kein Zuschauer im Gerichtssaal. Doch wenn das Medieninteresse gross ist, wie etwa im Fall des Vierfachmordes von Rupperswil, müssen Verhandlungen auch mal in einer Turnhalle stattfinden.»

Interessant sei, ergänzt der leitende Gerichtspräsident, dass in der Öffentlichkeit nur das Strafrecht wahrgenommen werde. Die Realität sei jedoch eine andere: Nur etwa 25 Prozent seien Straffälle, drei Viertel beträfen Zivilfälle – Familienrecht, Erb­schaften, Scheidungen, arbeitsrechtliche Streitigkeiten und Haftpflichtprozesse. Auch Zivilfälle seien meist öffentlich, «wobei auch hier so gut wie nie Externe im Gerichtssaal sitzen».

Moderneren Anstrich geben

Die Gerichtsverhandlungen am Tag der offenen Tür mögen die Leckerbissen sein. Das Programm, das den Interessierten von 10 bis 16 Uhr präsentiert wird, ist jedoch umfassend: Gespräche mit Richterinnen und Richtern; Zeugenbefragung und Protokollierungsübung; Gratisrechtsberatung; Gespräche mit der Schlichtungsbehörde; Präsentationen des Obergerichts.

Zudem lockern die Burgdorfer Krimitage die Veranstaltung mit dem Slam-Poeten Peter Heiniger auf. Und an einem Podium werden Krimiautorin Christine Brand, Anwalt Valentin Landmann und Oberrichter Stephan Stucki die Klingen kreuzen.

Bleibt die Frage: Was will das Regionalgericht Emmental-Oberaargau mit dem Gang an die Öffentlichkeit erreichen? «Wir möchten dem Gericht einen moderneren Anstrich geben und das Bild einer lebendigen Justiz vermitteln, die sich nicht hinter den Gesetzen versteckt», antwortet Peter Urech. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.05.2018, 15:12 Uhr

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