Deep Purple: «Huttwil? In meinem Hinterkopf klingelt etwas»

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Wer Mitte November durch Huttwil spaziert und auf einmal die Musiker von Deep Purple vor sich hat, braucht sich nicht zu wundern: «Wir bummeln gerne durch die Orte, in denen wir auftreten», sagt Sänger Ian Gillan im Gespräch.

Altmeister mit Temperament: Deep-Purple-Sänger Ian Gillan kommt mit seiner Band nach Huttwil.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Altmeister mit Temperament: Deep-Purple-Sänger Ian Gillan kommt mit seiner Band nach Huttwil.

(Bild: Keystone)

Haben Sie je von einem Ort namens Huttwil gehört?Ian Gillan: Huttwil? (überlegt). In meinem Hinterkopf klingelt etwas. Irgendwie kommt mir dieser Name bekannt vor. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, schon in Huttwil gewesen zu sein.

In Huttwil sind in den letzten Jahren prominente Kollegen von Ihnen aufgetreten: Billy Idol, Nazareth, Twisted Sister, Judas Priest, Europe(lacht) dann sind wir ja in bester Gesellschaft. Aber ich weiss trotzdem nicht, was für ein Glöcklein da läutet.

Am 12. November spielen Sie mit Deep Purple in dem Dorf an der Grenze zum Emmental. Sagt Ihnen der Begriff «Emmental» etwas?Oh ja!

Mögen Sie Käse?Natürlich! Alle Bandmitglieder mögen Käse sehr gerne!

Ist es für Sie ein Unterschied, ob Sie in London in einem Stadion vor zigtausend Leuten auftreten oder in der viel kleineren Sporthalle von Huttwil?Die Grösse der Arena ist gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass die Fans zu uns kommen. Als wir noch sehr, sehr jung waren, hatten wir einen Auftritt pro Woche und waren froh, wenn sich überhaupt jemand für uns interessierte. Heute sind wir jeden Tag woanders. Und an jedem dieser Tage gibt es irgendwo eine Menge Menschen, die uns zum ersten Mal oder zum zwanzigsten Mal in ihrem Leben sehen und hören wollen. Das ist es, was zählt.

Wie verbringen Sie den Tag vor dem Konzert?Normalerweise landen wir mit unserem Flugzeug um die Mittagszeit in der Nähe des Auftrittsortes. Wir beziehen unsere Hotelzimmer, geben Interviews und absolvieren Werbeauftritte. Nach dem Soundcheck ziehe ich mich für eine Siesta in mein Zimmer zurück.

Rockstars in Hotelzimmern: Das kommt nicht immer gut.In meinem Fall ist das ganz harmlos: Ich meditiere, löse Kreuzworträtsel, lese in einem Buch oder surfe im Internet. Das Meditieren ist mir wichtig; immerhin habe ich am Abend noch einen ziemlich anstrengenden Job zu erledigen.

Ab wann sind Sie im Stadion?Das hängt davon ab, wann das Konzert beginnt. Meist bin ich um halb acht in meiner Garderobe. Ich singe mich ein und mache Konzentrationsübungen. Oft höre ich, wie sich die anderen Jungs nebenan einspielen. Dann treffen wir uns und gehen gemeinsam auf die Bühne.

Werden Sie sich vom 12. auf den 13. November in Huttwil einquartieren? Ich weiss nicht. Darum kümmert sich unser Management.

Sehr viel sehen Sie von den Orten, in denen Sie spielen, wohl kaum.Das kommt auf die Lage des Hotels an. Wenn wir ausserhalb einer Stadt einquartiert sind, wo nichts los ist, bleiben wir im Hotel. Aber wenn die Unterkunft im Ort liegt, bummeln wir oft miteinander durch die Gegend.

Für die Huttwilerinnen und Huttwiler besteht also die Wahrscheinlichkeit, beim Einkaufen auf Deep Purple zu treffen.Am 12. November eher nicht. Dann sind wir mit den Vorbereitungen für das Konzert beschäftigt und abends am Spielen. Aber vielleicht sitzen einige von uns am nächsten Morgen in einem Café, während die anderen shoppen.

Deep Purple haben im Verlauf ihrer rund 40-jährigen Karriere Hunderte von Songs geschrieben. Live spielen Sie jedoch immer die gleichen 20, 30 Lieder.Es gibt einen Stock von Songs, die die Fans von uns erwarten

«Highway star», «Perfect strangers», «Smoke on the water»zum Beispiel, ja. Und dann gibt es neuere Sachen, die wir ebenfalls vorstellen wollen. Also versuchen wir, die bekannten und weniger bekannten Stücke zu mischen, dass alle Beteiligten einen interessanten Abend verbringen können.

An der Abfolge der Songs ändern Deep Purple auf Ihren Tourneen wenig. Das ist auch nicht unbedingt nötig, weil wir ja immer wieder vor anderen Menschen auftreten. Und wenn die Songs dieselben sind, heisst das noch lange nicht, dass auch die Konzerte dieselben sind. Letztes Jahr spielten wir in London zweimal hintereinander das gleiche Programm. Einmal dauerte es 1 Stunde und 45 Minuten, am nächsten Tag waren wir erst nach 2 Stunden fertig, weil wir so viel improvisiert hatten. Genau das ist für uns die Faszination der Liveauftritte: miteinander etwas zu probieren und dann einfach einmal zu schauen, was mit der Band und im Publikum passiert.

Haben Sie sich schon überlegt, ein Konzert mit lauter Songs zu bestreiten, die nur wenige kennen?Das wäre eine schlechte Idee. Wenn wir das tun, machen wir vielleicht 20 Prozent der Zuschauer eine Freude. Die anderen 80 Prozent schimpfen und sagen, dass sie zu Hause geblieben wären, wenn sie gewusst hätten, dass sie lauter fremde Stücke zu hören bekommen.

Berner Zeitung

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