Oberbipp

«Das habe ich nicht verdient»

OberbippEnde dieser Woche schliesst Veronika Hasler ihren Dorfladen in Oberbipp. Im Mai eröffnet an gleicher Stelle der Detailhändler Volg sein Geschäft – mit integrierter Poststelle. Es ist ein Abschied mit Nebengeräuschen.

Bis Ende Monat muss alles ausgeräumt sein: Veronika Hasler und ihr Mann Ruedi Wälchli im Dorfladen. Im Mai eröffnet hier Volg sein Geschäft.

Bis Ende Monat muss alles ausgeräumt sein: Veronika Hasler und ihr Mann Ruedi Wälchli im Dorfladen. Im Mai eröffnet hier Volg sein Geschäft. Bild: Thomas Peter

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Die Regale im Dorfladen in Oberbipp sind deutlich gelichtet. Da noch einige Lebensmitteldosen, dort noch einige Toilettenartikel – das Sortiment ist stark abgespeckt. «Schon seit zwei Wochen sind wir dabei, das Angebot herunterzufahren», erklärt Veronika Hasler. Neue Bestellungen bei ihrem Lieferanten habe sie seither keine mehr gemacht. Kürzlich lud sie ihre Stammkunden zu einem Schlussverkauf ein – alle Produkte zum halben Preis.

Bereits Ende dieser Woche ist aber ganz Schluss. Veronika Hasler schliesst ihren Dorfladen an der Obisgasse. Bis Ende Monat muss sie diesen komplett geräumt haben. Sie macht dem Detailhändler Volg Platz, der an gleicher Stelle im Mai seine Türen öffnet. Im künftigen Dorfladen soll wenig später der Start der neuen Postagentur erfolgen – anstelle der bisherigen Postfiliale an der Mettlenstrasse. Es handle sich dabei nicht zuletzt aus Kostengründen um die «sinnvollste Lösung», liess der Gemeinderat letzten November an einem Informationsabend wissen.

«Nicht so richtig glücklich»

Wenige Wochen zuvor hatte Veronika Hasler zugestimmt, für den neuen Volg-Laden das Feld zu räumen. Für ihre getätigten Investitionen und die Geschäftsauflösung erhielt sie eine Entschädigung in Höhe von 100'000 Franken. Eine gütliche Lösung für beide Seiten also? Nein, findet Veronika Hasler. Sie habe dieser Abmachung zwar aus freien Stücken zugestimmt. Trotzdem bleibe ein fader Beigeschmack zurück. «So richtig glücklich bin ich damit jedenfalls nicht», stellt sie klar.

In den letzten rund drei Jahre sei vonseiten der Gemeinde und von Volg immer wieder gestichelt worden, wann sie denn nun ihren Laden aufgeben wolle. «Es wurde mir deutlich zu spüren gegeben, dass man mich raushaben möchte», sagt sie. Das habe ihr schwer zu schaffen gemacht. Sie sei deswegen auch psychisch angeschlagen gewesen, verrät sie. «Verdient habe ich eine solche Behandlung nicht.» Zumal sie eigentlich gerne noch fünf bis sechs Jahre weitergemacht hätte. «Um mich pensionieren zu lassen, bin ich noch zu jung.»

Viele regionale Produkte

Die 62-Jährige hatte ihren Dorfladen 2007 eröffnet. Zuvor hatte sie zusammen mit ihrem Mann Ruedi Wälchli und ihrer Tochter Barbara für drei Jahre den «Chäs-Lade» in Wiedlisbach geführt. In Oberbipp, wo sie eingemietet ist, investierte sie am Anfang rund 150'000 Franken in die Infrastruktur und setzte in erster Linie auf regionale Produkte. Zu ihrem Sortiment gehörten unter anderem Käse von der Käserei Bürki vis-à-vis, Gemüse von den lokalen Landwirten und Fleisch aus der Solothurner Metzgerei Wälchli, die ihrem Mann gehört.

Zusätzlich zum Dorfladen hat Veronika Hasler in den gleichen Räumlichkeiten auch ein Bistro betrieben. Neben täglich einem warmen Mittagessen bot sie ihren Gästen dort regelmässig auch verschiedene Events an wie etwa Grill- oder Racletteabende.

In den letzten acht Jahren sei ihr Laden zu einem beliebten Treffpunkt im Dorf geworden, sagt Veronika Hasler. Viele ihrer Kunden würden es denn auch bedauern, dass sie ihren Laden nun schliesse. Von ihren treusten Kunden hat sie sich kürzlich mit einem Brief verabschiedet. Der Abschied falle ihr nicht leicht, schreibt sie darin. Mit viel Herzblut, Engagement und Arbeit habe sie sich in den letzten acht Jahren in Oberbipp etwas aufgebaut. «Umso mehr stimmt es mich traurig, dass ich sozusagen gezwungen werde, nun das Feld so sang- und klanglos zu räumen.»

Veronika Hasler hat den Dorfladen zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Heidi Marti geführt. Unterstützung erhielt sie von ihrem Mann und lange Zeit auch von ihrer Tochter. Diese hat den Betrieb allerdings vor anderthalb Jahren verlassen.

Blick nach vorne

Nach ihrem Abschied aus Oberbipp einfach in den Ruhestand treten will Veronika Hasler aber nicht. Ihr Blick richtet sich bereits nach vorne. «Ich habe vor, etwas Neues zu eröffnen. Ein kleines Tearoom würde mir gefallen», sagt sie. Spruchreif sei jedoch noch nichts. Als zweites Standbein betreibt sie gemeinsam mit ihrem Mann einen Partyservice.

Nun aber freue sie sich erst einmal darauf, einen ganzen Monat nichts machen zu müssen, sagt sie. «Das ist eine schöne Abwechslung.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.03.2015, 08:25 Uhr

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