Burgdorf

Das geheimnisvolle Tor zum Schloss

BurgdorfSeit zwei Wochen graben die Archäologen beim Schloss nach geschichtsträchtigen Schätzen. Sie hoffen, ein grosses Rätsel aus mittelalterlichen Zeiten lösen zu können.

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Auf einer Baustelle wird normalerweise gebaggert, gebohrt, betoniert. Grobe und lärmige Arbeiten. Nach ersten Abbruch- und Abrissarbeiten geht es beim Schloss derzeit hingegen fein, sorgfältig und leise zu und her.

Ein Archäologe ist mit zwei Spachteln am Werk, lockert behutsam die Erdschicht. Dann nimmt er den Staubsauger zur Hand, putzt fein säuberlich. Zum Vorschein kommen Pflastersteine. Der Boden des Kornhauses, das 1749 gebaut wurde.

Rekonstruieren, wie diese Räume einst aussahen, will das Team rund um den leitenden Archäologen Armand Baeriswyl. Dunkelgraue Windjacke, festes Schuhwerk, Brille mit dünnem Rand. Zumindest äusserlich ist er kein Abenteurer wie einst Indiana ­Jones, sondern ein Wissenschaftler mit trockenem Humor.

«Sie müssen sich das vorstellen wie eine Cremeschnitte, die man Schicht für Schicht verspeist.»Armand Baeriswyl, Leiter Mittelalterarchäologie

Wie die Archäologen vorgehen, weiss er aber ganz bildhaft zu erläutern. Schliesslich doziert Baeriswyl an der Fachhochschule in Burgdorf, an den Universitäten in Bern, Basel und Heidelberg. Er ist es gewohnt, komplexe Zusammenhänge aufs Wesentliche zu reduzieren. «Sie müssen sich das vorstellen wie eine Cremeschnitte, die man Schicht für Schicht verspeist.»

Zuckerguss und Cremefüllung wurden unter den Bögen des alten Kornhauses bereits abgetragen. Wobei der Betonboden des Gefängnisses weit weniger schmackhaft gewesen sein dürfte. Dort, wo einst das Getreide gelagert wurde, kamen nämlich später die Gefängniszellen hin. Darunter kommen nun Reste des Kornhauses zum Vorschein.

Tiefer graben, weiter im Geschichtsbuch zurückblättern werden die Archäologen zumindest an dieser Stelle nicht mehr. «Verlockend wäre es schon, aber wir graben nur so tief, wie es für den Neubau nötig ist.» Die älteren Schichten lassen die Wissenschaftler ruhen, bis vielleicht irgendwann bei einem anderen Bauprojekt in tieferes Gelände vorgedrungen wird.

Scherben und Münzen

Ist man bei einer älteren Schicht angelangt, wird diese fotografiert, gezeichnet, in Plänen skizziert. Wie merken die Archäologen, dass sie in einer anderen zeitlichen Phase angelangt sind? Fundstücke wie Münzen oder Scherben würden die chronologische Einordnung ermöglichen, so Baeriswyl. Scherben, die einst Teile eines Kachelofens waren, kamen bereits zum Vorschein.

Spektakuläre Funde erwartet er hingegen nicht. «Für mich ist das Schloss schon spektakulär genug.» Eine solch alte und gut erhaltene Burg gebe es in der ganzen Schweiz nirgends. Auch wenn er seinen deutschen Kollegen davon erzähle, würden diese nur staunen.

War es ein Eingang?

Obwohl Baeriswyl keine grossen Funde erwartet, will er ein grosses Rätsel lösen. Und zwar jenes des zweiten Torturms, zu dem heute nur der Katzensteg führt. Vom Fusse des Schlosshügels erschliesst das eiserne Tor hingegen keinen Weg. Das könnte aber im Mittelalter anders gewesen sein.

Zwischen 1218 und 1383 herrschten die Kiburger über Burgdorf. Immer wieder gab es Auseinandersetzungen mit der Bevölkerung. «Durch den nördlichen Zugang konnten sie ins Schloss gelangen, ohne dass sie durch die Stadt mussten», sagt Baeriswyl. Ob das Tor tatsächlich einst als Eingang genutzt wurde, versuchen die Archäologen nun im Laufe der Untersuchungen zu ergründen.

«Wenn wir hinter dem Tor Reste einer Zugangsrampe finden, war es wohl einst ein Eingang. Vielleicht gab es davor gar eine Zugbrücke.» Würde das Tor an den Felsen grenzen, sei es hingegen nur gebaut und nie genutzt worden.

Viel mehr als für die Kiburger interessieren sich die Archäologen aber für die Zähringer. Genau genommen für den letzten Zähringer, Berchtold den Fünften, der das Schloss in seiner heutigen Form 1200 bauen liess. Eine Residenz, ein Ort, an dem Macht demonstriert wurde. Davon zeugt so einiges.

Etwa die Grösse des Schlosses und der Stadtkirche im Vergleich zum Städtchen. Hier wurden die Ritter empfangen, hier feierte man Feste, taufte die Kinder. Keinen Tagesritt entfernt war die Stadt Bern, um einiges grösser, doch mit viel kleinerer Kirche und Burg. «In Burgdorf wurde repräsentiert, in Bern Geld verdient», sagt Baeriswyl. Wehrturm, Wohnturm und Halle stammen aus dieser Zeit.

Die Bruchstücke

Anderes ist hingegen nur noch in Bruchstücken erkennbar. Etwa eine Kapelle, die sich einst links vom Eingang befand. Im ersten Obergeschoss wurden kleine Teile einer Wandmalerei gefunden.

Die Archäologen hoffen nun auf weitere Funde wie Teile des Fundaments oder Steine, die einst die Wände bildeten. Bruchstücke, die zusammengesetzt Geschichten erzählen «Archäologie ist stets ein Puzzlespiel.» Bis Ende Monat sind die Wissenschaftler nun noch auf Spurensuche. Ab Juni fahren dann wieder die gröberen Baumaschinen auf. Dann werden voraussichtlich die eigentlichen Bauarbeiten starten.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 05.05.2018, 20:51 Uhr

Die Bauarbeiten

Nach den Vorarbeiten stehen schon bald die eigentlichen Bauarbeiten an.«Wir sind zeitlich auf Kurs», sagt Geschäftsführer Urs Weber. Im Juni sollte der Spatenstich erfolgen, so Weber. Zumindest wenn der Stiftungsrat nächste Woche grünes Licht gebe. Denn die finanziellen Mittel konnten noch nicht ganz alle beschafft werden. 16,5 Millionen Franken soll der Umbau kosten. 1,2 Millionen Franken würden noch fehlen, hält Weber fest. Er gehe aber davon aus, dass diese Mittel im Laufe des Umbauprojekts noch beschafft würden. Verläuft alles wie geplant, wird das Schloss im Frühling 2020 seine Tore öffnen. Jugendherberge, Restaurant, Museum und städtisches Trauzimmer sollen dann dort Platz finden.

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