Das digitale Baugesuch wird getestet

Viel Papier und einige Postsendungen sind heute meist nötig, bis ein Bauvorhaben bewilligt ist. Der Kanton Bern will das ändern – mit einem elektronischen Verfahren. Im Verwaltungskreis Emmental wird das System dieses Jahr ausprobiert.

Wer bauen will, braucht nicht nur Profile, sondern muss vorher ein umfassendes Dossier einreichen. Schon bald ist das online möglich.

Wer bauen will, braucht nicht nur Profile, sondern muss vorher ein umfassendes Dossier einreichen. Schon bald ist das online möglich. Bild: Thomas Peter

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Wer im Kanton Bern ein Baugesuch einreichen will, muss sich durch einige Formulare kämpfen. Denn beim Bauen müssen diverse Vorschriften beachtet werden. Nun ist aber geplant, den Prozess der Baueingabe zu vereinfachen. Der Kanton arbeitet an einem Projekt zur Digitalisierung der Baugesuche. Das Ziel ist, durch den Pilotbetrieb E-Bau das Baubewilligungsverfahren für die Gesuchsteller erheblich zu vereinfachen.

Dreimonatiger Test

Der Verwaltungskreis Emmental wurde als Testregion für E-Bau bestimmt. Im Dezember fand eine Kick-off-Sitzung mit Vertretern der Gemeindebehörden sowie von kantonalen Amts- und Fachstellen statt, um den Pilot­betrieb vorzubereiten. Diesen Sommer werden zehn Emmentaler Gemeinden mit dem elektronischen Bau­bewilligungsverfahren starten.

«Der Pilotbetrieb wird mindestens drei Monate dauern, und die Erkenntnisse daraus werden laufend einfliessen», erklärt Bruno Mohr, Vorsteher der Abteilung Bauen im kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung und Gesamtprojektleiter. Ab Herbst soll E-Bau dann in Etappen in allen Berner Gemeinden eingeführt werden.

«Das Ziel des Kantons Bern ist aber, die digitale Signatur einzuführen, sodass Baugesuche von A bis Z online abgewickelt werden können.»Bruno Mohr, Amt für Gemeinden und Raumordnung

Laut Mohr macht die Vielzahl an Formularen und involvier­ten Stellen den heutigen Prozess der Baueingabe für viele unüberschaubar. Es gebe im Kanton Bern 32 Formulare, die das gesamte Baubewilligungsverfahren abdeckten. «Die Digitalisierung soll eine effizientere Zusammenarbeit und bessere Vernetzung zwischen Bauherren, Planern, Bewilligungsbehörden sowie Amts- und Fachstellen ermöglichen», so Mohr.

Ähnlich wie bei Tax Me

E-Bau solle zudem eine rasche Bereinigung von formellen und inhaltlichen Mängeln in den Gesuchen erlauben. «Wir wollen die Abläufe schneller und die Qualität der eingereichten Unterlagen besser machen.» Gemäss Mohr wird das Erfassen der Angaben vereinfacht, weil sich der Gesuchsteller nicht mehr durch die Papierformulare durchkämpfen muss, sondern online durch das System geführt wird. Ähnlich wie beim Ausfüllen der Steuererklärung mit dem System Tax Me.

Hat ein Gesuchsteller seine Angaben online eingegeben, werden sie von der Gemeinde bearbeitet. Diese eröffnet ein Leitverfahren oder gibt die Daten ans Regierungsstatthalteramt weiter, wenn sie nicht selber zuständig ist. Die Amtsstellen können dann im System auf die Baugesuche zurückgreifen und dort auch ihre Fachberichte hinterlegen.

«Wir wollen die Abläufe schneller und die Qualität der eingereichten Unterlagen besser machen.»Bruno Mohr, Amt für Gemeinden und Raumordnung

Die Unterlagen müssen also nicht mehr per Post hin und her geschickt werden. Der Gesuchsteller werde zudem über Termine oder Änderungen im Verfahren informiert und benachrichtigt, wenn etwas fehle. Das sei für alle Beteiligten eine grosse Erleichterung, sagt Mohr.

Bis zur Einführung der digitalen Unterschrift müssen lediglich Baupläne und Formulare unterschrieben auf Papier bei den Bewilligungsbehörden eingereicht werden. Derzeit sind es ganze Dossiers.

Die digitale Signatur sei im Gesetz noch nicht verankert, deshalb müssten die Formulare mit den Unterschriften respektive die Bescheide der Bewilligungsbehörden noch per Post zugestellt werden, erklärt Mohr. «Das Ziel des Kantons Bern ist aber, die digitale Signatur einzuführen, sodass Baugesuche von A bis Z online abgewickelt werden können», sagt der Projektleiter.

Durchmischung ist wichtig

Für den Pilotbetrieb E-Bau wurde eine Projektgruppe gegründet. Ihr gehören Architekten, Direktions- und Behördenmitglieder, IT-Spezialisten, Vertreter des Verbands Bernischer Gemeinden, der Wirtschaft, der kantonalen Fachstellen sowie von Firmen, die den Zuschlag für die Projektabwicklung beziehungsweise die Software erhalten haben, an. Damit will der Kanton eine möglichst breite Abstützung des Pilotbetriebs erreichen.

«Das Ziel ist, dass das System automatisch eine Publikation vorbereitet, wenn das Gesuch eingereicht wird.»Max Gerber, Regierungsstatthalteramt Emmental

Max Gerber, Abteilungsleiter Bauwesen beim Regierungsstatthalteramt Emmental, ist ebenfalls Mitglied der Projektgruppe. Er habe sich aktiv darum bemüht, damit das Emmental zur Testregion werde, sagt Gerber. Dabei wurden zehn Gemeinden ausgewählt. «Diese haben wir nach geografischen Kriterien ausgesucht, aber auch anhand der Grösse. Wir wollen kleinere Gemeinden dabeihaben, aber auch die grossen Burgdorf und Langnau. Eine gute Durchmischung ist für den Test wichtig.»

Einfachere Archivierung

Der Pilotbetrieb werde eine grosse Herausforderung, so Gerber. «Aber es ist auch spannend, diesen Prozess von Anfang zu begleiten.» So könne man noch reagieren, wenn es nicht so gut funktioniere. Er hofft, dass das elektronische System möglichst realitäts­nah getestet werden kann. «Wir wollen die digitalen Daten der Gesuche, die während der Testphase eingehen, natürlich auch darüber hinaus nutzen können.»

Vorteile bei der Digitalisierung der Baugesuchsunterlagen sieht Gerber auch bei der Publikation. Baugesuche müssen in den amt­lichen Anzeigern veröffentlicht werden. «Das Ziel ist, dass das System automatisch eine Publikation vorbereitet, wenn das Gesuch eingereicht wird.» Der Text könne dann nach einer Kontrolle durch das Amt direkt online an den Anzeiger gesendet werden.

Auch die Archivierung werde einfacher. «Die elektronische Speicherung bedeutet auch, dass man einen schnelleren Zugang zum Archiv hat. Längerfristig braucht es hoffentlich keine grossen Papierarchive mehr», sagt Gerber. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.01.2018, 07:28 Uhr

Baugesuche in Zahlen

«Etwa 20'000 Baugesuche werden im Kanton Bern pro Jahr ­eingereicht», sagt Bruno Mohr, Vorsteher Abteilung Bauen im Amt für Gemeinden und Raumordnung sowie Gesamtprojektleiter E-Bau. Damit verbunden seien etwa 350'000 Postsendungen. Etwa 28 Millionen Seiten A4-Papier würden dafür pro Jahr gedruckt. «Das fiele weg, wenn die Baubewilligungsverfahren digitalisiert würden», so Mohr. Es gebe also durchaus ökonomische und ökologische Gründe für das Projekt E-Bau.

Heute wird gemäss Mohr zudem etwa jedes dritte Gesuch zurückgewiesen, weil Ergänzungen notwendig sind. Auch das sei künftig nicht mehr nötig. Denn das System werde grösstenteils erkennen, wenn beim Gesuch etwas fehlt. Insgesamt könnten im ganzen Kanton nach Berechnungen der Projektverantwortlichen durch E-Bau ­etwa 4,5 Millionen Franken pro Jahr eingespart werden. Davon würden sowohl die Gesuchsteller, die Gemeinden als auch der Kanton profitieren, sagt er. tg

Testgemeinden

Aus dem oberen Emmental sind Langnau, Eggiwil, Trubschachen und Rüderswil in den ­Pilotbetrieb E-Bau eingebunden. Aus dem unteren Teil des Verwaltungskreises sind es Burgdorf, Hasle, Oberburg, Wynigen, Utzenstorf und Lyssach. Für Heidi Stalder, Gemeindeschreiberin und Bauverwalterin von Trubschachen, ist das Projekt «ein logischer Schritt in der heutigen Zeit der Digitalisierung». Es sei von Bauherren und Planern immer öfter gefordert worden. Eines der Probleme sei vor allem, dass es im Kanton Bern viele Formulare brauche für ein Baugesuch. «Künftig wird deren Eingabe vereinfacht», so Stalder. Das elektronische Baubewilligungsverfahren werde für viele auch eine Umstellung bedeuten. Aber da werde die Gemeinde Unterstützung anbieten.

Wynigens Gemeindeschreiber Christian Liechti erhofft sich durch E-Bau vor allem zwei Dinge: weniger Administration für die Gemeinde und weniger Aufwand für den Bürger beim Erstellen von Baugesuchen. tg

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