Das «Tüü-taa-too» wird im Emmental hergestellt

Sumiswald

Dieser Dreiklang steht für Heimat. Und erinnert auch ein bisschen ans Emmental, derweil das Postauto mit seinem «Tüü-taa-too» weiter durch die Berge kurvt. Denn das Posthorn stammt von Moser-Baer aus Sumiswald.

Präsident Albert Augstburger (Mitte), Geschäftsführer Jürg Lutz (links) und Mobatec-Chef Reto Reist erklären das Posthorn.

Präsident Albert Augstburger (Mitte), Geschäftsführer Jürg Lutz (links) und Mobatec-Chef Reto Reist erklären das Posthorn.

(Bild: Walter Pfäffli)

Alles beginnt mit einem flachen Messingblech. Aus ihm werden in einem ersten Schritt trompetenförmige Stücke gestanzt, diese wiederum werden in einem zweiten Schritt von Hand gewalzt und in die gewünschte runde Form gedrückt, schliesslich wird in einem dritten Schritt am vorderen Ende eine Trichteröffnung angelötet – und fertig ist das kleine Posthorn.

Nicht mehr nur Warnsignal

«Der Schallbecher», korrigiert Albert Augstburger und lächelt. Gleich drei solcher Schallbecher seien für ein komplettes Posthorn notwendig, erklärt der Präsident in einer Produktionshalle der Moser-Baer AG in Sumiswald. Durch Sandstrahlen und Vernickeln würden die Becher noch wetterfest gemacht – dazu komme, natürlich, der mechanische Unterbau, in dem die einströmende Luft reihum über Membranen gepresst und von dort weiter in die drei Becher geschickt werde.

Aha. So also entsteht der berühmte Dreiklang, mit dem die Postautos auf den Schweizer Berglinien auf sich aufmerksam machen. Schon fast ein Jahrhundert lang ist das so, mittlerweile hat das eingängige «Tüü-taa-too» nicht mehr bloss die Funktion eines Warnsignals, sondern vor allem auch die eines Sympathieträgers für die gelben Busse.

Eine Tonfolge in A-Dur

«Cis-e-a.» Seit den ersten Stunden der motorisierten Bergpost in den frühen 1920er-Jahren sei das Posthorn auf diese Töne gestimmt, fährt Augstburger fort. Die Post habe die Melodie in der Oper «Wilhelm Tell» von Gioachino Rossini gefunden – und wirklich: Wer sich in die Ouvertüre des aus dem Jahr 1829 stammenden Werks vertieft, hört die in A-Dur gehaltene Tonfolge unschwer heraus.

Wobei Augstburger auf Nachfrage gleich noch anfügt: Bei der Produktion der Posthörner ist in erster Linie präzises mechanisches Können gefragt. Für den musikalischen Teil der Arbeit gilt das ganz besonders. «Wir justieren die drei Töne nicht nach Gehör, sondern messen ihre Frequenzen.»

Erst in der Nachbarschaft

Angefangen hat für Moser-Baer die Geschichte mit den Posthörnern 1940. Schon zuvor habe die Post für ihren Dreiklang in der Sumiswalder Nachbarschaft eingekauft, erzählt Augstburger. «In den ersten Jahren bezog sie die Schallbecher in der Blasinstrumentenfabrik Hirsbrunner.» Die Mechanik habe sie anderweitig beschafft.

Die Moser-Baer AG konnte nun die beiden Teile aus einer Hand liefern. Augstburger erinnert sich gut an die älteren Modelle, die den für das Horn benötigten Luftdruck noch mit einem eigenen Kompressor produzierten. In den 1980er-Jahren habe man die Konstruktion vereinfachen können: «Heute beziehen wir die Luft aus dem Pressluftbehälter, wie er in allen modernen Fahrzeugen bereits vorhanden ist.»

Nur ein Nebengeschäft

Obwohl die Moser-Baer AG noch heute die einzige Lieferantin der Posthörner ist, sagt Augstburger offen, dass dieses Geschäft nur nebenherläuft. Der aktuelle Auftrag über 50 Stück sei auf jeden Fall nicht Alltag: «In der Regel bestellt die Post so alle drei, vier Jahre eine 100er-Serie.» Deshalb, so der Präsident weiter, gehe in der Produktion auch so viel von Hand. «Maschinen lohnen sich bei so kleinen Serien gar nicht.»

Haupttätigkeitsfeld der Firma mit ihren weltweit 250 Mitarbeitern sind nach wie vor die Zeitsysteme und insbesondere die bekannten Bahnhofsuhren, die die Moser-Baer AG unter dem Label Mobatime produziert und vertreibt. Dieser Bereich trägt den Hauptteil zum Jahresumsatz bei. Der Rest fällt in den Bereich Mobatec, in dem die Firma unter anderem Medizinalinstrumente herstellt. Und eben auch Posthörner.

Berner Zeitung

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