Vor 20 Jahren

Das Spital Sumiswald blieb auf der Strecke

Vor 20 JahrenEigentlich wollten sie gemeinsam in die Zukunft gehen, die Spitäler von Burgdorf, Sumiswald und Langnau. Doch es kam anders.

Ende März 2000 war im Spital Sumiswald Schluss mit Akutmedizin.

Ende März 2000 war im Spital Sumiswald Schluss mit Akutmedizin. Bild: Andreas Marbot (Archiv)

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In der Berner Zeitung vom Samstag, 29. August 1998, war zu lesen: «Fusion im Jahr 2000 geplant». Es ging um die Spitäler Burgdorf, Langnau und Sumiswald, die beabsichtigten, sich bis ins Jahr 2000 zum Regionalspital Emmental zusammenzuschliessen.

Alle drei Standorte würden erhalten bleiben, so der Plan. Das Angebot allerdings sollte angepasst werden. Es war angedacht, dass Sumiswald die Psychiatrie, die Station für Chronischkranke sowie jene für Nachbehandlungen bekommen sollte. Burgdorf werde Zentrum für spezialärzt­liche Disziplinen und behalte die Intensivpflege, war von den Verantwortlichen zu erfahren.

Weniger Stellen

Der Zusammenschluss der Spitäler werde einen Stellenabbau zur Folge haben, wurde weiter informiert. Alles in allem rechnete man mit Einsparungen in Höhe von je 4 Millionen Franken für die Jahre 1999 und 2000. Bevor es aber so weit war, musste jede der damals noch über vierzig Gemeinden im Emmental zu den Plänen Ja sagen.

Was folgte, war eine lange Geschichte mit vielen Kapiteln, an deren Ende heute die Regionalspital Emmental AG steht. Ihr Slogan lautet «Ein Spital, zwei Standorte». Und damit ist auch klar, dass eines der Spitäler auf der Strecke blieb: Es war Sumiswald.

Denn es kam das Jahr 1999, und es kam vor allem der Entscheid des Kantons, Krankenhäuser zu schliessen, respektive, um genau zu bleiben, nicht mehr auf die Spitalliste zu nehmen. Damit würden sie keine Aufgaben mehr zugewiesen und auch keine Subventionen mehr bekommen. Sumiswald drohte nun genau dieses Schicksal.

Es sei, so liess sich der zuständige Regierungsrat ­Samuel Bhend vernehmen, «auf halbem Weg zwischen Burgdorf und Langnau», und es habe zu hohe Fallkosten.

Keiner wehrte sich

Als nur ein paar Tage später der Grosse Rat über die Schliessung von fünf Spitälern (ausser Sumiswald traf es auch Wattenwil, Herzogenbuchsee, Grosshöchstetten und Jegenstorf) befand, meldete sich kein einziger Vertreter aus dem Emmental zu Wort, um sich für Sumiswald einzusetzen.

Im Gegenteil: Alle Fraktionen lobten Bhend für sein Vorgehen und hiessen das Ende der Krankenhäuser gut.

Vertrag wurde aufgelöst

Wiederum nur ein paar Tage später beschlossen die Delegierten des Regionalspitals Burgdorf, den Gesellschaftsvertrag zwischen den Spitälern Burgdorf, Langnau und Sumiswald aufzulösen. Nach dem Schliessungsentscheid war er sowieso nicht mehr aktuell.

Diesen Schritt vollzogen daraufhin auch die Abgeordneten in Sumiswald sowie die Delegierten in Langnau. In Sumiswald war die Angst gross, dass die Partner oben und unten im Emmental nun ihren Weg ohne das Spital in der Mitte gehen würden. Zumindest aus Langnau kamen aber aufmunternde Worte.

Man werde den Partner ganz bestimmt nicht hängen lassen und gemeinsame Wege aus der Misere suchen. Ironie des Schicksals: Just in dieser Zeit war der neue Operationssaal in Sumiswald fertig geworden; 2,5 Millionen Franken waren dafür investiert worden.

Ein solchermassen intaktes Krankenhaus schliessen? Das konnte nicht sein. In Sumiswald setzten sie nun alles daran, das Spital zu privatisieren. Über diese Pläne war man in der kantonalen Gesundheitsdirektion nicht glücklich.

Und auch in Burgdorf und Langnau fielen die Reaktionen pikiert aus: Da hatte man, trotz des regierungsrätlichen Entscheides, immer zu Sumiswald gehalten, und nun das: Die Sumiswalder offenbarten nicht nur, dass sie vorhatten, ihr Spital zu privatisieren, sondern auch, dass eine Projektgruppe schon seit ein paar Monaten daran sei, dieses Ziel zu verfolgen.

Ein paar Monate? Das hiess, dass die Sumiswalder zweigleisig gefahren waren, einerseits auf der Schiene Regionalspital Emmental AG, anderseits auf derjenigen der Privatisierung. Oben und unten war man enttäuscht und wandte sich vom bisherigen Partner ab.

Erfolgloser Weg

Die Sumiswalder gingen den Weg allein, liefen mit ihren Plänen aber zuerst beim Kanton und dann auch beim Bundesrat auf. Die Sache war definitiv, Ende März 2000 war Schluss mit der Akutmedizin.

Was hier recht nüchtern erzählt ist, löste selbstverständlich grosse Emotionen aus. Die Menschen waren verunsichert, sie fragten sich, wie es mit der me­dizinischen Versorgung weitergehen sollte. Ganz zu schweigen von den Angestellten. Es wurde ja nicht «nur» ein Spital geschlossen, es verschwanden auch Arbeitsstellen.

Und heute? Ist aus dem Spital Sumiswald längst das DLZ Sumiswald geworden, ein Dienstleistungszentrum, das den verschiedensten Organisationen ein Dach über dem Kopf bietet. So zum Beispiel seit kurzem einer Kita.


Was geschah vor 20 Jahren? In loser Folge werfen wir einen Blick zurück, erinnern an kleinere und grössere Geschichten, die in dieser Zeitung standen, und schauen, was aus ­ihnen geworden ist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.08.2018, 17:11 Uhr

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