Das KV ist nur der Anfang

Der kaufmännischen Grundausbildung wurde schon oft der Untergang prophezeit. Trotz den Unkenrufen wollen heute immer noch etliche junge Emmentaler das KV machen.

Plattform Lehrstellenmarkt: Betriebe stellen ihre Firma vor, und Schüler, die noch keine Lehrstelle haben, informieren sich – wie hier im Gebäude der ­KV-Schule in Langenthal vor drei Jahren.

Plattform Lehrstellenmarkt: Betriebe stellen ihre Firma vor, und Schüler, die noch keine Lehrstelle haben, informieren sich – wie hier im Gebäude der ­KV-Schule in Langenthal vor drei Jahren. Bild: Thomas Peter

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Sie ist so etwas wie der Leuchtturm des hiesigen dualen Bildungssystems: die KV-Lehre, die kaufmännische Grundausbildung also. Sie kurbelt die Wirtschaft an. Sie hält die Arbeits­losenquoten tief. Sie gibt vielen jungen Menschen eine Perspektive. Auch im Jahr 2017 ist das KV immer noch erste Wahl bei Schulabgängern, die nicht einen akademischen Weg einschlagen. Laut dem Kaufmännischen Verband Bern ist das KV mit jährlich über 10 000 neuen Lernenden im dualen System und rund 4000 in der vollschulischen Ausbildung die mit Abstand beliebteste Grundbildung der Schweiz.

Klare regionale Erhebungen gibt es nicht. Im Emmental zeigt sich das gleiche Bild. Das bestätigt eine Anfrage beim Berufsinformationszentrum in Burgdorf. Laut Regionalleiter Ruedi Gugger kommt das KV an erster Stelle, dicht gefolgt von Jobs im Detailhandel und im Pflegebereich. Für Gugger ist klar, weshalb die kaufmännische Ausbildung auch weiterhin so beliebt ist: Das Büroleben ist mit dem bereits bekannten schulischen Alltag vergleichbar. Die Arbeitszeiten sind angenehm. Man friert nicht. Zudem erführen Dienstleistungsaufgaben in der heutigen Gesellschaft eine hohe Wertschätzung. Und das Wichtigste: Ein KV-Abschluss bietet sehr viele Möglichkeiten.

In alle Himmelsrichtungen

Das zeigt auch ein Besuch im Bildungszentrum Emme (BZE) in Burgdorf. Rund hundert angehende Kaufmänner und -frauen gehen hier jedes Jahr in die Schule. Laut Direktor Thomas Wullimann arbeiten von den je fünf ­Abgängerklassen später vielleicht noch zwei im ursprüng­lich gelernten Beruf. Der Rest sei in alle Himmelsrichtungen verstreut. Wullimann sagt es so: «Heute lernt man nicht mehr den Beruf fürs Leben. Das ist vorbei.»

Was nicht vorbei ist: Das KV ist auch heute noch eine gute Alternative für die Unentschlossenen, für jene, die erst einmal Geld verdienen wollen und noch nicht wissen, wohin die Reise gehen soll. Mit einem Unterschied zu früher: Die Zeiten des Abwartens und Teetrinkens im Büro sind passé. Denn entgegen den Unkenrufen wird der Berufsstand des Kaufmanns zwar nicht aussterben, aber er verändert sich. Und das stetig und rasant. Die ­Digitalisierung hält Einzug. Routinearbeiten werden nach und nach von Computern übernommen. Wullimann sagt es seinen Schulabgängern immer wieder: «Geniesst den Abschluss, aber denkt daran, lebenslanges Lernen ist das Motto. Sonst seid ihr bald weg vom Fenster.»

Alles ist möglich

Deshalb ist auch Weiterbildung schon fast Pflicht. Spezialisierungen sind notwendig. Nach der Lehre folgt die Berufsmatur, danach vielleicht ein Betriebswirtschaftsstudium, Bachelor und Master. Heutzutage ist es so, dass es eigentlich kaum einen kaufmännischen Beruf gibt, den man nicht über eine Weiterbildung via Fachhochschule oder höhere Fachschule erreichen kann oder eben muss. Das durchlässige System macht es möglich. Und wer dann doch noch an die Universität gehen will, kann dies via Passerelle tun.

Alles scheint möglich, sofern man Lust dazu hat. Ohne die Bereitschaft aber, wirklich ein Leben lang lernen zu wollen, kann man als Kaufmann schnell auf dem Abstellgleis landen.

Nicht jeder, der eine kaufmännische Ausbildung startet, ist sich dessen bewusst. Gerade auch im Emmental. Viele Auszubildende hätten zwar eine klare Vorstellung, was sie wollten, das seien aber oft traditionelle Wege, beobachtet Direktor Wullimann. Viele wollten lieber eine Stelle an ihrem Wohnort. Und auch die steile, internationale Karriere werde selten angestrebt. Sowieso ist die Bereitschaft zur Mobilität laut Wullimann eher nicht vorhanden. Viele hätten schon Mühe, eine Stelle in Bern annehmen zu müssen.

Da kommt den Jungen die Si­tuation in der Region entgegen. In ländlichen Gebieten gibt es derzeit laut Wullimann eher noch lokal ausgerichtete KMU, die weniger auf hoch spezialisierte Globetrotter setzen als auf treue Mitarbeitende mit einem soliden kaufmännischen Verständnis. Aber auch das wird sich künftig wohl ändern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.09.2017, 08:01 Uhr

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