Das Bangen um den Standort

Burgdorf

Verlagert die Ypsomed AG nach dem Nein des Kantons Bern zur Steuersenkung für Unternehmen Arbeitsplätze nach Solothurn? Stadtpräsident Stefan Berger ist beunruhigt.

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Vom Emmentaler und vom kantonalbernischen Stimmvolk ist die Steuergesetzrevision 2019 am letzten Wochenende mit deutlichem Mehr bachabgeschickt worden. Das Nein bedeutet, dass die Unternehmenssteuern nicht gesenkt werden und damit im Kanton Bern weiterhin über dem Schweizer Mittel liegen.

Dies könnte sich auf den Wirtschaftsstandort Burgdorf negativ auswirken. Denn kurz nachdem das Resultat feststand, verkündete Simon Michel, Chef der Medizinaltechnikfirma Ypsomed, auf Twitter, dass «die Verschiebung der ersten 50 bis 100 Stellen von Burgdorf nach Solothurn» vorbereitet werde. Die Teilverlagerung in den steuergünstigeren Kanton Solothurn werde von der Firmenleitung «sehr ernsthaft» geprüft, erklärte der Unternehmenssprecher.

Mehr Platz in Solothurn

Keine Freude an solchen Aussagen hat der Burgdorfer Stadtpräsident Stefan Berger: «Ich finde es schade, in erster Linie natürlich für den Standort hier, wenn Simon Michel in Erwägung zieht, Arbeitsplätze von Burgdorf in den Kanton Solothurn zu verlegen.» Aktuell beschäftigt Ypsomed in der Emmestadt 601 Personen, an den Standorten Solothurn und Grenchen sind es 427.

Dass sich das Unternehmen zunehmend auf den Nachbarkanton fokussiert, hat allerdings nicht nur steuerliche Gründe. In Solothurn gibt es genügend Platzreserven, die einen Personalausbau möglich machen. Am Hauptsitz unmittelbar neben dem Bahnhof Oberburg ist die Landreserve dagegen begrenzt.

Auch Bürgerliche dagegen

Trotzdem hofft Berger, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Bis der definitive Entscheid im nächsten Frühjahr feststehe, werde er mit Simon Michel das Gespräch suchen: «Ich werde versuchen, für unsere Stadt das Bestmögliche herauszuholen.»

Ist es vor diesem Hintergrund für den Burgdorfer Stadtpräsidenten nicht eine Hypothek, als SP-Mitglied jener Partei anzugehören, die sich gegen die Senkung der Unternehmenssteuern ausgesprochen hat? «Nicht unbedingt», sagt Stefan Berger, «abgelehnt wurde das Begehren nicht allein von den Linken, sondern bis tief in das bürgerliche Lager hinein.

Denn weder im Emmental noch im ganzen Kanton haben SP und Grüne zusammen eine Mehrheit. Und der Kanton Bern macht mit seiner Standortförderung viel für bestehende wie auch für neue Firmen. Das wird leider oft ausgeblendet. Diese Tatsache müsste auch der Ypsomed-Chef erkennen.» Übrigens: Simon Michel wohnt mit seiner Familie bereits in Solothurn.

Geht der Lack ab?

Aufhorchen liesse ein in Etappen erfolgender Auszug von Ypsomed aus dem Emmental auch darum, weil Simon Michel Präsident des Vereins B. for Health ist. Dieser verfolgt das Ziel, Burgdorf als Standort für Gesundheitswirtschaft und Lifesciences (Lebenswissenschaften) zu profilieren und der lokalen Industrie und Zuzügern aus dem In- und Ausland ein attraktives Umfeld für den Auf- und Ausbau ihrer Aktivitäten zu bieten. Neben dem Spital Emmental ist Ypsomed das gewichtigste Vereinsmitglied aus dem Bereich Gesundheit. Eine zunehmende Verlagerung der Aktivitäten von der Emme an die Aare liesse den Lack des Brand B. for Health abblättern.

Berger übt Zurückhaltung

Zur Frage, ob sich eine Verschiebung von Stellen nach Solothurn negativ auf die Bedeutung von B. for Health auswirken würde, will der Burgdorfer Stadtpräsident, der Mitglied des Vereinsvorstands ist, nichts sagen. Mitte Dezember treffe sich der Vorstand zu einer Sitzung. «Dort werden wir die Aussagen von Simon Michel unter Umständen noch thematisieren», betont Stefan Berger.

Berner Zeitung

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