«Das Angebot für Vereine ist zu knapp»

In den letzten 25 bis 30 Jahren wurden im Emmental mindestens 35 Restaurant-Säle geschlossen, die den Vereinen vorher für ihre Aufführungen gedient hatten. Nicht nur in Röthenbach mangelt es an Alternativen.

<b>Ein Ort mit Bühne</b> und Platz fürs Publikum: Was die Schüpbach-Jodler im Kreuz nutzen können, wird langsam, aber sicher Mangelware.

Ein Ort mit Bühne und Platz fürs Publikum: Was die Schüpbach-Jodler im Kreuz nutzen können, wird langsam, aber sicher Mangelware. Bild: Daniel Fuchs

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es werden noch mehr Säle verschwinden. Davon sind die Behörden in Röthenbach überzeugt. Der Gemeinderat geht davon aus, dass viele Wirte renovationsbedürftige Säle stilllegen werden, «weil sich die feuerpolizeilichen Vorgaben nicht innerhalb eines tragbaren finanziellen Rahmens erfüllen lassen».

Das schreibt die Röthenbacher Exekutive im Businessplan, den sie im Zusammenhang mit dem Wunsch nach einem Saalbau mitten im Dorf erstellen liess. Tatsächlich sind in den letzten 25 bis 30 Jahren im ganzen Emmental mindestens 35 Säle geschlossen worden. Das zeigt eine Umfrage bei den 40 Gemeinden des Verwaltungskreises. Da nicht ganz alle geantwortet haben, dürfte die effektive Zahl noch höher liegen.

Ein Dauerthema

Im gleichen Zeitraum haben aber mindestens 16 Gemeinden in die Infrastruktur investiert, sodass den Vereinen nun alternative Lokalitäten zur Verfügung stehen. Weit mehr als die Hälfte der an­geschriebenen Gemeindeverwaltungen geben denn auch an, bei ihnen bestehe kein Mangel an Veranstaltungslokalen. Trotzdem ist der Gemeinderat von Röthenbach bei weitem nicht der einzige, der sich mit der Frage beschäftigt, wie er Vereinen aus ihrer Platznot helfen könnte.

In Affoltern zum Beispiel befasse sich die Exekutive «laufend mit dieser Thematik». Nachdem vor einem Jahr das Restaurant Sonne geschlossen worden ist und der dazugehörende Saal nicht mehr zur Verfügung steht, weichen die Vereine etwa in den Mehrzweckraum im Schulhaus aus.

Doch weil dort auch Militär einquartiert werde, komme es ­zuweilen zu Terminkollisionen, schildert Anina Burkhalter von der Gemeindeverwaltung das Problem. Davon betroffen ist zum Beispiel die Trachtengruppe, die deshalb ihren Trachtenabend dieses Jahr nicht traditionsgemäss Ende Oktober, sondern erst Ende November durchführen kann.

Sie klären ab

In Alchenstorf werde das Thema Vereinslokale auch «immer wieder diskutiert», schreibt die Sachbearbeiterin Franziska Hardiman. Mangels Alternativen hätten sich die Vereine in anderen Gemeinden nach Probelokalen umgesehen.

Nicht überversorgt mit Veranstaltungslokalen ist man offenbar auch in der Gemeinde Koppigen. Laut Gemeindeverwalter Peter Kindler weichen Vereine für grössere Veranstaltungen in die Räume der Gartenbauschule aus. Doch müssten die Anlässe wegen des Schul­betriebs jeweils lange im Voraus geplant werden.

Der Koppiger Gemeinderat legt nun aber seine Hände nicht in den Schoss. Vereinslokalitäten seien Teil eines Projekts, «das in der Abklärungsphase und noch lange nicht spruchreif ist», verrät Kindler. Ähnlich tönt es in Hasle. Hier sei das Angebot für die Vereine «zu knapp», macht Gemeindeschreiber Manfred Arzner deutlich. Abklärungen im Zusammenhang mit einem konkreten Projekt seien hängig. Mehr gibt er zu den Plänen des Gemeinderates nicht bekannt.

In der Nachbargemeinde Rüegsau, wo insbesondere die Schliessung des Sonnensaals zu reden gegeben hat, bezeichnet Gemeindeschreiber Bernhard Liechti das Angebot als «knapp genügend». Aber der Gemeinderat verfolge «die weitere Entwicklung bezüglich der Verfügbarkeit der vorhandenen Säle aufmerksam».

Auch in Trub behält der Gemeinderat die Bedürfnisse der Vereine im Auge. Dort trägt man sich mit dem Gedanken, eine neue, grössere Turnhalle zu bauen. Aktuell läuft die Standort­abklärung. In diesem Zusammenhang werde zudem geprüft, ob eine solche Halle «auch Bedürfnisse im Sinne von Vereinsanlässen abdecken sollte», teilt Gemeindeschreiber Ernst Kohler mit.

Gäbig, wenn der Wirt wirtet

Dass die Vereine zuweilen durchaus froh wären, wenn ihnen grössere Lokale zur Verfügung stünden, zeigt sich am Beispiel des Jodlerklubs Trub. Er feiert am 26. Mai sein 50-Jahr-Jubiläum und muss dafür in die Mehrzweckhalle nach Trubschachen ausweichen. Normalerweise führen die Jodler ihr jährliches Konzert mit Theater jeweils im Löwensaal auf. Dort finden laut Präsident Hans Reber 200 bis 230 Personen Platz.

Für die Jubiläumsfeier ist das den Trubern nun aber zu wenig, diesen Anlass wollen sie vor grösserem Publikum begehen. Deshalb haben sie das grosse Lokal im Nachbardorf gemietet, werden im Gegenzug dafür selber wirten. «Aber sonst ist es für uns eine gute Lösung, wenn wir den Löwensaal gratis nutzen können und mit dem Wirten nichts zu tun haben. So haben wir mehr Zeit für die Gäste», sagt Hans Reber.

Der Jodlerklub Schüpbach hat am Wochenende im altehrwürdigen Kreuzsaal sein Jahreskonzert mit Theater aufgeführt. Doch auch der Gemeinderat von Signau denkt darüber nach, ob die Vereine auf lange Sicht genügend Lokale zur Verfügung haben. Laut Gemeindeschreiber Rudolf Wolf werde das Thema im Rahmen der aktuellen Schulraumplanung jedenfalls «im Auge behalten». (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.02.2018, 09:05 Uhr

Brandschutz

Wenn der Gemeinderat von Röthenbach davon ausgeht, dass in Zukunft weitere Säle in den Emmentaler Restaurants nicht mehr zur Verfügung stehen werden, dürfte er damit nicht unrecht haben. Denn mancher dieser grossen Räume kann nur noch in der heutigen Form betrieben werden, weil sich der Wirt auf die feuerpolizeiliche Besitzstandsgarantie berufen kann.

Will er aber renovieren, «müssen die umgebauten Bereiche des Betriebes den heutigen Brandschutzvorschriften entsprechen», erklärt die Gebäudeversicherung auf Anfrage. Gleiches gilt bei einem Besitzerwechsel. Alle vier Jahre würden die Gastgewerbebetriebe zudem einer Feuerschutzkontrolle unterzogen.

«Wird festgestellt, dass die Brandschutzvorschriften hinsichtlich Personensicherheit nicht erfüllt sind, beantragt die GVB beim Regierungsstatthalter eine Einschränkung oder einen Entzug der Betriebsbewilligung.» Doch aktuell sind im Emmental keine solchen Anträge hängig.

Artikel zum Thema

Der Bären ist wieder geschlossen

Signau Gerade mal vierzehn Monate dauerte das Gastspiel der Wirtsleute Maja Gäggeler und Peter Gäumann im Restaurant Bären. Der Abgang geschah nicht freiwillig; die Liegenschaftsverwaltung hat ihnen gekündigt. Mehr...

Endlich kehrt im Gasthof Löwen Leben ein

Oberburg Acht Jahre lang stand er leer, jetzt hat der Gasthof Löwen einen neuen Besitzer. Das Haus wird nun saniert und umgebaut. Im April soll das Restaurant eröffnet werden – falls bis dann ein Wirt gefunden ist. Mehr...

Nur das Restaurant darf bleiben

Burgdorf Alles wird neu beim Bahnhof Steinhof: Was vielversprechend klingt, erfreut die Mieter der alten Liegenschaften nicht. Schliesslich werden die jetzigen Gebäude fast alle abgerissen. Mehr...

Paid Post

Freizeit und Reisen

Viele Ausflugsziele für den «goldenen Herbst» finden Sie in der aktuellen SBB Zeitungsbeilage «Freizeit und Reisen».

Kommentare

Blogs

History Reloaded Es geht um Respect, Mann!

Sweet Home Es bleibt noch eine Weile grün

Die Welt in Bildern

Letzte Zuflucht: Gartenmaschinen stehen zusammengepfercht auf einem Fleckchen Golfplatz-Rasen, das vom Flutwasser in Longs, South Carolina, noch nicht überdeckt wird. (24. September 2018)
(Bild: Jason Lee/Sun News) Mehr...