Lyssach

Damit niemand ins Dorf ausweicht

LyssachDie Mitwirkungseingaben zur geplanten Sanierung der Schachenstrasse in Lyssach sind ausgewertet. Sorge bereitet vor allem der Ausweichverkehr, der durchs Dorf rollen könnte.

Eine Option: Lerchenweg und Storretenstrasse würden für den Durchgangsverkehr gesperrt; so würde das betroffene Quartier entlastet.

Eine Option: Lerchenweg und Storretenstrasse würden für den Durchgangsverkehr gesperrt; so würde das betroffene Quartier entlastet. Bild: Thomas Peter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Verkehr ist in Lyssach ein wunder Punkt. So ist es kaum verwunderlich, dass die vom Kanton geplante Sanierung der Schachenstrasse auf grosses Interesse und zugleich Kritik stösst. Viele Einwohner packten die Gelegenheit beim Schopf und beteiligten sich im Frühling an der Mitwirkung: Nicht weniger als 57 Rückmeldungen trafen beim Ober­ingenieurkreis IV des kantonalen Tiefbauamtes in Burgdorf ein.

Nun sind diese im Detail gesichtet und ausgewertet worden, wie Projektleiter Jürgen Seeber bestätigt. Die Stossrichtung sei klar: So werden vor allem Bedenken laut, dass die Sanierung der Schachenstrasse Mehrverkehr im Dorf erzeugt. Genau das beanstandet auch der Lyssacher Gemeinderat, der die Mitwirkung ebenfalls nutzte. Der Rat sieht auf der Kirchbergstrasse, der Storretenstrasse sowie der Dorf-/Burgdorfstrasse Handlungsbedarf und fordert flankierende Massnahmen.

Ein umstrittener Punkt ist die Signalanlage, die bei der Zufahrt zum Fenaco-Areal aufgestellt werden soll. Die Ampel ist nötig, weil dort ein Landi-Laden mit Tankstelle gebaut werden soll. Die Lyssacher befürchten, dass das Lichtsignal wie eine Bremse wirkt. Um die Warterei zu um­gehen, könnten viele Autofahrer ausweichen und eben durchs Dorf fahren.

Tempo 30 und Zubringer

Der Kanton schlägt nun laut Jürgen Seeber zwei Massnahmen vor, damit die Gemeindestrassen als Schleichwege unattraktiv gemacht werden können. Eine Idee ist, die Kirchbergstrasse mit einer Tempo-30-Limite zu versehen, heute sind dort 50 Stundenkilometer erlaubt. «Eine 30er-Zone würde den Verkehr von den Wohnquartieren fernhalten und auf die Kantonsstrasse drücken», sagt der Projektleiter.

Weiter könnte die Abzweigung Lerchenweg beim Autohändler Vogel’s Offroads für den Durchgangsverkehr gesperrt werden, damit das Quartier an der Storreten­strasse entlastet wird. Es würde ein Fahrverbotsschild angebracht, und künftig würden nur noch Zubringerdienste gestattet sein.

Im Kontakt mit der Gemeinde

«Wie gesagt, es handelt sich um Vorschläge», sagt Jürgen Seeber. Die Massnahmen habe er dem Gemeinderat kürzlich vorgestellt. Bedingung sei, dass der Rat sie auch unterstütze. Dieser hat sich bis jetzt noch nicht konkret zu den Ideen des Kantons geäussert. Der Rat hält in einer Mitteilung lediglich nochmals fest, dass er zwar nicht grundsätzlich gegen die Verkehrssanierung sei.

Allerdings habe er dem Oberingenieurkreis klar dargelegt, dass er den Mehrverkehr im Dorf nicht akzeptieren werde. Er behalte sich «die Ergreifung der mög­lichen Rechtsmittel im Rahmen des weiteren Verfahrens ausdrücklich vor», steht in der Mitteilung weiter. Will heissen, der Gemeinderat könnte während der öffentlichen Auflage Einsprache erheben.

Auf der Kirchbergstrasse Richtung Lyssach sind heute 50 Stundenkilometer erlaubt. Angedacht ist, eine 30er-Zone einzuführen. Bild: Thomas Peter

Mehr könne er im Moment nicht dazu sagen, hält Gemeindepräsident Andreas Eggimann fest. «Wir sind auch noch an der Ortsplanung und dem Baureglement dran. Danach werden wir das Verkehrskonzept unter die Lupe nehmen.»

Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr: «Ziel wäre, die Sanierung Schachenstrasse im November oder Dezember öffentlich aufzulegen», sagt Projektleiter Seeber.

Keine neue Lösung fürs Stöckli

Nichts geändert hat sich indes bei der Engstelle des Bauernhofes der Familie Lüthi an der Schachenstrasse. Der beidseitige Radstreifen bleibt weiterhin Teil des Projektes. Das bereitet Lüthis Sorgen: Denn das Stöckli, in dem Elisabeth Lüthi wohnt, befindet sich jetzt schon ziemlich nahe an der viel befahrenen Strasse. Würde der Velostreifen realisiert, würde es für seine Mutter «lebensgefährlich», erklärte Andres Lüthi im Mai gegenüber dieser Zeitung.

Wenn sie das Stöckli verliesse, stünde sie direkt auf der Strasse. Es bliebe ihm nichts anderes übrig, als es abreissen zu lassen. Eine andere Lösung habe sich auch in der Zwischenzeit nicht ergeben, sagen Lüthis auf Anfrage. Sie wüssten nicht, ob ihre Mitwirkung etwas gebracht habe. Lärmschutzwände oder ein Verkauf kämen aber nicht in­frage. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.09.2017, 06:09 Uhr

Das Projekt

Der Kanton will die viel befahrene Schachenstrasse in Lyssach, die von Burgdorf zur Autobahn führt, umfassend sanieren und ausbauen. Ziel ist, die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhen sowie die Situation für den ÖV und die Anschlüsse zu den Gewerbebetrieben zu verbessern. Geplant ist unter anderem:


  • ein weiterer Kreisel bei der Kreuzung Lerchenweg/Schachenstrasse;

  • eine Lichtsignalanlage bei der Zufahrt zum Fenaco-Areal;

  • ein Trottoir vom McDonald’s-Kreisel Richtung Autobahn entlang der Wohnhäuser;

  • ein Radstreifen auf beiden Seiten der Schachenstrasse;

  • auf einem Teil der Strecke eine Busspur.


Die Gesamtkosten werden auf etwa vier Millionen Franken geschätzt. nnh

Artikel zum Thema

Dieses Projekt wird viel zu reden geben

Lyssach Der Kanton will in Lyssach die Schachenstrasse Richtung Burgdorf umfassend sanieren und ausbauen. Vor allem zwei Punkte dürften für rege Diskussionen sorgen: Ein weiterer Kreisel sowie eine Lichtsignalanlage. Mehr...

Keine Schleichwege durchs Dorf

Lyssach Wie erwartet hat es Dutzende Rückmeldungen zur geplanten Sanierung der Schachenstrasse gegeben. Der Lyssacher Gemeinderat hat Bedenken wegen eines Trottoirs. Zudem soll das Dorf von Mehrverkehr verschont bleiben. Mehr...

Tröpfchenweise auf die Autobahn

Lyssach Am Morgen geht es beim Autobahnanschluss Kirchberg nur stockend voran. Seit einem halben Jahr sind Ampeln in Betrieb, die den Verkehr verflüssigen sollen. Das Dosiersystem habe etwas gebracht, heisst es beim Astra. Mehr...

Service

Schnelle Info für zwischendurch

Lesen Sie die Nachrichten aus der Region in Echtzeit.

Kommentare

Blogs

Schlagerette Aller Anfang ist schwer

Michèle & Friends Drogen konsumieren für Fortgeschrittene

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Explosive Abrüstung: An der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea werden die Bewachungsposten abgebaut. (15. November 2018)
(Bild: Jung Yeon-je/Getty Images) Mehr...