Brunch? Gerne, aber wo noch?

Oberaargau

Immer weniger Bauernfamilien wollen am 1.August einen Brunch anbieten. Heuer sind es im Oberaargau noch drei. Jene, die aussteigen, haben gute Gründe.

Platte mit Aufschnitt: Auch bei Brunches isst das Auge mit.

Platte mit Aufschnitt: Auch bei Brunches isst das Auge mit.

(Bild: zvg)

Patrick Jordi@jordipatrick

Der Brunch am 1. August, ein Auslaufmodell? Keineswegs. Die Nachfrage nach dem Frühstück am Nationalfeiertag ist riesig. So auch im Oberaargau.

Erstaunlich darum, dass heuer nur noch drei Bauernfamilien aus der Region offiziell einen Brunch anbieten. Zwei grössere Anbieter aus der Region Huttwil haben aufgehört. Und bereits seit einigen Jahren ist im Oberaargau die Zahl der Bauernfamilien mit Brunch rückläufig. Was sind die Gründe dafür?

Nach acht Jahren ist Schluss

Gegen einen 1.-August-Brunch hat sich die Familie Andreas und Regula Schüpbach aus Huttwil entschieden. Bei ihnen ist nach acht Jahren Schluss. Und das, obschon am Nationalfeiertag jeweils über 350 Menschen ihren Hof auf der Nyffenegg bevölkert hatten. Bäuerin Regula Schüpbach musste aus Platzmangel sogar vielen interessierten Gästen absagen.

Schüpbachs haben aufgehört, weil ihnen der Aufwand zu gross wurde. Für sie und ihre Helfer aus dem Freundes- und Bekanntenkreis sei vor allem die ganze Vorbereitungsphase belastend gewesen: Esswaren herstellen, Tische und Stühle schleppen, Stromversorgung sicherstellen – der 1.-August-Brunch als Projekt, das alle Beteiligten bereits vierzehn Tage im Voraus in Atem gehalten habe.

Ähnlich tönt es bei Familie Neuenschwander aus Dürrenroth. Die Bauern vom Hof Horn führten den Brunch bis im letzten Jahr jeweils mit der Viehzuchtgenossenschaft Sumiswald durch. Doch auch ihnen wurde der Aufwand zu gross. Bäuerin Rosmarie Neuenschwander spricht von einem «Monsteranlass». Gegen 700 Verköstigungen hätten sie jeweils gehabt. Man habe fast nicht mehr gewusst, wo wehren. Die Viehzuchtgenossenschaft habe schliesslich abgestimmt und entschieden: Man möchte nicht mehr. Der Aufwand ist das eine, der Ertrag das andere: Sowohl Schüpbachs als auch Neuenschwanders bestätigen, dass sich der 1.-August-Brunch nur unter besonderen Voraussetzungen gelohnt habe. Beide Familien verfügen über einen Restaurationsbetrieb und veranstalten Feste auf ihrem Hof, verfügen also über die entsprechende Infrastruktur. Ausserdem konnten beide Familien auf Helfer zählen, deren Arbeit sie gar nicht oder kaum zu entschädigen hatten. Rosmarie Neuenschwander ist darum überzeugt: «Ohne Unterstützung, zum Beispiel durch einen Verein, geht es nicht mehr.»

Musikanten packen mit an

Und tatsächlich: Zwei der drei verbleibenden Anbieter von 1.-August-Brunches im Oberaargau sind auf die Unterstützung eines Vereins angewiesen. Bei Familie Günter in Herzogenbuchsee packt die Musikgesellschaft mit an, und in Roggwil bei Familie Hegi geht die Trachtengruppe Langenthal und Umgebung ans Werk. Rund 360 Personen werden so in der Farmer Rock Schüür in Roggwil am Nationalfeiertag verköstigt.

Auch in Roggwil bald Schluss?

Bäuerin Hedwig Hegi ortet dennoch Schwierigkeiten: «Unsere Helfer werden immer älter.» Neue zu finden, sei schwierig. Sie wisse deshalb nicht, ob die Trachtengruppe den Brunch in Roggwil im kommenden Jahr nochmals durchführen werde. Ein Ende der langjährigen Brunchtradition würde sie aber bedauern.

Vollkommen zufrieden sind hingegen Susanne und Michael Zbinden aus Seeberg. Sie sind die letzten Bauern im Oberaargau, die am 1.August einen Brunch aus eigener Kraft auf die Beine stellen. Zwar können auch Zbindens auf zahlreiche Helfer aus dem Freundeskreis zählen, einen Verein oder anderweitige Unterstützung brauchen sie aber nicht.

Berner Zeitung

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