Biber erobern die kleinen Bäche zurück

Oberaargau

Immer mehr Biber bevölkern den Oberaargau. Sie stauen kleine Bäche, was öfters zu Problemen führt.

Scheu und gefrässig: Ein Biber-Weibchen deckt sich am Ufer mit frischem Grünzeug ein.

Scheu und gefrässig: Ein Biber-Weibchen deckt sich am Ufer mit frischem Grünzeug ein.

(Bild: Urs Troesch)

Dem Biber gefällt es bestens im Oberaargau. Vor vier Jahren wurde der Bestand der putzigen Pelzträger im Rahmen eines nationalen Inventars erfasst. 12 Reviere mit rund 40 Tieren wurden damals in der Region gezählt. Heute sind es schon 17 Reviere und circa 55 Tiere. «Diese Entwicklung ist beachtlich. Immerhin galt der Biber noch vor fünfzig Jahren als ausgestorben», freut sich Peter Lakerveld, Biologe und Leiter des Projekts «Hallo Biber Mittelland» von Pro Natura.

Etwa die Hälfte der Tiere ist am Aarelauf heimisch. Weil der Platz dort immer knapper wird, müssen die Jungtiere zwei Jahre nach der Geburt ausschwärmen und flussaufwärts neue Gebiete finden. Sogar kleine Seitenbäche sind kein Tabu mehr. Beträgt die Wassertiefe weniger als sechzig Zentimeter, beginnen die Biber Staudämme zu bauen, damit sie bei Gefahren rasch abtauchen und ihren schützenden Bau erreichen können. Für die Natur sind solche Stauseen Gold wert: «Hier explodiert innert kürzester Zeit die Artenvielfalt», weiss Lakerveld. «Fische, Kaulquappen, Wildbienen und andere Insekten fühlen sich schnell zu Hause.»

Fälle in Lotzwil und Bleienbach

Weniger glücklich ist mancher Bauer, wenn neben seinen Feldern Dämme gebaut und Bäume gefällt werden. «Grundsätzlich sind Biber im Oberaargau gern gesehene Gäste – Konflikte gibt es aber schon», sagt Lakerveld. Ein aktuelles Beispiel stammt aus der Gemeinde Thörigen: Dort hat eine Biberfamilie an der Altache so stark gestaut, dass die Drainageleitung eines Landwirten nicht mehr funktioniert und seine Felder bei starken Regenfällen vernässt werden.

Ein anderes Beispiel stammt aus Lotzwil. Dort haben Biber Löcher in einen Hochwasserdamm gegraben, womit der schützende Erdwall bei starken Regenfällen zu einem Unsicherheitsfaktor werden könnte. Vertreter von Gemeinde und Kanton haben deswegen sogar eine Arbeitsgruppe gegründet.

Drahtgeflecht als Baumschutz

«Wichtig ist, dass die betroffenen Landbesitzer bei Problemen nicht allein gelassen werden», sagt Lakerveld. Eine zufriedenstellende Lösung lasse sich nämlich fast immer finden. Auch dann, wenn der Biber einen Heisshunger verspürt und die Bäume in Ufernähe gleich reihenweise fällt. «Mit einem feinmaschigen Drahtgeflecht können wertvolle Einzelbäume relativ einfach geschützt werden», sagt Lakerveld.

Zu den Holzfällern zählt der Biber vor allem im Winter. Während der Sommermonate ernährt er sich hauptsächlich von Kräutern und holt sich ab und zu eine Zuckerrübe von einem Feld. «Diese Pflanze übt eine ganz besondere Faszination auf ihn aus», sagt Peter Lakerveld. «Wenn es sein muss, entfernt er sich dafür bis zu hundert Meter vom schützenden Ufer weg.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt