Beobachterin mit Sinn für Sprache

Langenthal

Barbara Schibli ist die neue Stipendiatin der Lydia-Eymann-Stiftung in Langenthal. Die Zürcher Autorin will die Zeit nutzen, um in die Geschichten und Figuren ihres neuen Romans einzutauchen – und sich dabei auch von ihrer neuen Umgebung inspirieren lassen.

Angekommen: Anfang April ist die Zürcher Autorin Barbara Schibli im Haus der Lydia-Eymann-Stiftung eingezogen. In Langenthal will sie intensiv an ihrem zweiten Roman arbeiten und die Stadt und ihre Menschen entdecken.

Angekommen: Anfang April ist die Zürcher Autorin Barbara Schibli im Haus der Lydia-Eymann-Stiftung eingezogen. In Langenthal will sie intensiv an ihrem zweiten Roman arbeiten und die Stadt und ihre Menschen entdecken.

(Bild: Thomas Peter)

Nein, eine Kaffeehausliteratin sei sie nie gewesen, sagt Barbara Schibli und lacht ein herzhaftes Lachen. Nicht etwa, dass sie nicht gerne unter Leuten wäre. Im Gegenteil: «Ich bin jemand, der sehr stark beobachtet und wahrnimmt – erst recht an einem neuen Ort.»

Mit dem Bären, dem Wuhrplatz oder der Regionalbibliothek hat sie in der kurzen Zeit seit ihrer Ankunft in Langenthal Anfang April denn auch schon erste Orte gefunden, die sie sicher wieder aufsuchen wird. Auch das Kino Scala und ein Konzert im Chrämerhuus hat die 39-Jährige bereits besucht – sichtlich angetan vom ersten Eindruck eines vielseitigen Kulturlebens, das sie in Langenthal offenbar erwarte.

«Mehr als nur Notizen machen könnte ich inmitten eines solchen Treibens aber nicht.» Gerade sie, die sich nicht nur mit Inhalten, sondern intensiv auch mit der Sprache auseinandersetze, brauche für das Schreiben Ruhe und Konzentration. Umso gelegener kommt der Autorin aus Zürich da das Stipendium der Lydia-Eymann-Stiftung, durch das sie nun vorübergehend in Langenthal leben und arbeiten kann.

Luft fürs Schreiben

«Es ist die Chance, die Luft zu haben fürs Schreiben», freut sich Barbara Schibli, die neben dem Schreiben noch an der Kantonsschule Baden Deutsch unterrichtet. Für ihr Langenthaler Halbjahr – das Stipendium 2015/2016 ist zweigeteilt worden (siehe Kasten) – hat sie sich denn auch klare Ziele gesteckt: In der Ruhe ihrer geräumigen Zweizimmerwohnung will sie «einfach eintauchen in die Figuren und Geschichten» ihres zweiten Romans.

Zahlreiche Recherchen hat sie dafür bereits getätigt, hat sich in so manche historische Situation und für sie fremde Rolle versetzt. «In Langenthal möchte ich die Zeit nutzen, um nun auch in den Text und die Sprache hineinzukommen.»

Langenthaler Gedichte

Ist Barbara Schiblis erster Roman «Wir an einem Ort», dessen Manuskript sie 2014 fertiggestellt hat, noch eher zufällig aus zahlreichen kürzeren Textfragmenten entstanden, liege dem Zweitling bereits eine konkrete Idee zugrunde, erklärt sie. Dennoch werde sie sich weiterhin treiben lassen – von der Geschichte selber ebenso wie von der Lektüre der Zeitung, der zufälligen Begegnung auf der Strasse oder eben der Beobachtung.

Gut möglich also, dass am Ende auch Langenthal und seine Menschen ihren Teil beitragen zum neuen Roman der Zürcher Schriftstellerin. Sicher werde einiges in Gedichte einfliessen, sagt sie. «Lyrik ist ein gutes Mittel dafür, neue Eindrücke aufzunehmen und zu verarbeiten.» Gedichte werden denn auch einen Teil ihrer ersten Langenthaler Lesung Ende Mai im Haus Urs Hug bilden.

Erste Besuche angekündigt

Doch, sie freue sich sehr auf dieses Semester – erst recht jetzt im Sommer. Kontakte eines früheren Stipendiums in Berlin seien bis heute geblieben. Ob ähnliche Begegnungen auch in Langenthal zustande kämen, werde sich erst zeigen, erzwingen könne man das nicht. «Ich habe aber den Eindruck, dass man hier sehr leicht ins Gespräch kommt.»

Auch hätten Bekannte bereits ihren Besuch in Langenthal angekündigt, darunter mit der befreundeten Autorin Ulrike Ulrich auch eine frühere Stipendiatin der Lydia-Eymann-Stiftung oder jene Lesegruppe älterer Frauen, die Barbara Schibli normalerweise in Zürich leitet. Wieder dieses herzhafte Lachen. «Angst, zu vereinsamen, habe ich jedenfalls nicht.»

Lesung Barbara Schibli: Freitag, 29.Mai, 18 Uhr, Haus Urs Hug, Mühleweg 15, Langenthal.

Berner Zeitung

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