Dürrenroth

Bankraub: Die Spuren führen nach Österreich

Dürrenroth Nach dem Überfall auf die Bernerlandbank verschwanden die Täter spurlos. Bis jetzt: Ein DNA-Treffer deutet auf zwei Brüder aus Österreich hin. Dort sind die beiden kein unbeschriebenes Blatt.

Diese Bank wurde am 15. Mai 2015 ausgeraubt. Heute gibt es die Geschäftsstelle nicht mehr. Sie wurde sechs Monate später geschlossen.

Diese Bank wurde am 15. Mai 2015 ausgeraubt. Heute gibt es die Geschäftsstelle nicht mehr. Sie wurde sechs Monate später geschlossen. Bild: Olaf Nörrenberg

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Es ist ein bewölkter Tag, der letzte der Eisheiligen – die kalte Sophie. Schnee bis in die Niede­rungen. Das Thermometer zeigt kaum 10 Grad. Es ist der 15. Mai 2015. Sechs Monate später wird die Bernerlandbank in Dürrenroth schliessen. Die Mitarbeiter werden nach Huttwil zügeln. Um 14.45 betreten zwei Männer in Motorradkombi und mit einem schwarzen Helm auf dem Kopf die Filiale.

Sie sind gross und von schlanker Statur. In den Händen halten sie Pistolen. Sie bedrohen die Bankangestellten und wollen Geld. Sie stecken ihre Beute ein und verlassen die Bank. Danach flüchten sie mit einem Motorrad in Richtung Sumiswald – und verschwinden spurlos. Bis vor ein paar Wochen.

Verfahren bereits eingestellt

Dann spukte die DNA-Datenbank einen Hinweis aus. Die Spur führte nach Österreich, genauer: nach Graz in die Steiermark. Mehr kann die Staatsanwaltschaft Kanton Bern nicht ver­raten. Das Dossier sei den Grazer Behörden übergeben worden. Damit ende die Berner Zuständigkeit. Auch in der Steiermark geben sich die Verantwortlichen eher zugeknöpft. Die Grazer Staatsanwaltschaft bestätigt lediglich, dass DNA-Spuren zu einer Untersuchungshaft eines Verdächtigen geführt hätten.

Das Gericht habe diese inzwischen aber wieder annulliert, weil die DNA nicht zweifelsfrei dem Verdächtigen zugeordnet werden konnte. Deshalb sei auch das Verfahren eingestellt worden.

Mehr ist dafür aus der österreichischen «Kronenzeitung» zu erfahren. Sie titelte am 5. November 2015: «Steirische Zwillinge unter Verdacht.» Das Boulevard-blatt berichtet von zwei 49-jährigen Brüdern, die in Graz aufgewachsen seien und dort «Kriminalgeschichte» geschrieben hätten. Die «Kronenzeitung» nennt sie Erich und Kurt V. Wie es weiter heisst, wurde Erich am 3. November 2015 in Graz verhaftet. Der Verdacht: Überfall auf die Bernerlandbank in Dürrenroth.

700 000 Franken erbeutet

Nicht weniger als 14 Überfälle werden den Zwillingen gemäss der «Kronenzeitung» angelastet. Je 7 in Österreich und in der Schweiz. Zwischen 1998 und 2001 sollen sie mit ihren Raubzügen rund 700 000 Euro erbeutet haben. Im Oktober 2001 wurden sie verhaftet. Erich wurde 2013 aus der Haft entlassen, bis ihn die Behörden letzten November erneut stellten. Kurt konnte das Gefängnis 2014 verlassen. Von ihm fehlt bis heute jede Spur. Die «Kronenzeitung» vermutet, dass er sich im Ausland aufhält. Und nun, da beide auf freiem Fuss sind? Nichts.

Christof Scheurer, Informationsbeauftragter der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, sagt es so: «Die Einstellung eines Verfahrens kommt, jedenfalls in der Schweiz, einem freisprechenden Endentscheid gleich.» In anderen Worten: Falls wirklich die Zwillinge die Bankräuber von Dürrenroth sind, können sie für diese Tat nicht mehr belangt werden. «Für die Schweiz ist der Fall ohnehin erledigt», sagt Scheuer weiter, «da er an die Österreicher abgetreten wurde.» Aus Österreich tönt es ähnlich. Wie Staatsanwalt Christian Kroschl sagt, könne das Verfahren höchstens dann wieder aufgenommen werden, wenn neue Beweise auftauchten.

«Die Zeit heilt Wunden»

Peter Ritter, Geschäftsführer der Bernerlandbank, blickt ungern auf diesen 15. Mai zurück. Er sagt aber: «Die Zeit heilt Wunden.» Den betroffenen Mitarbeitern gehe es den Umständen entsprechend gut. Psychologische Betreuung und verschieden Kurse hätten geholfen, diesen Tag zu verarbeiten. «Es hat sicher auch geholfen, dass die Mitarbeitenden wenige Monate später nach Huttwil zügeln konnten», sagt Ritter, «um nicht jeden Tag daran erinnert zu werden.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.03.2016, 20:54 Uhr

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