Langnau

Bären: Neuer Pächter gesucht

Langnau Obwohl der Gasthof Bären in Langnau gut läuft, sucht die Genossenschaft einen neuen Be­treiber. Denn die Pächterin, die ­Essen-und-Kunst-Gruppe, steckt mit ihren inzwischen sieben Betrieben in ziemlichen Schwierigkeiten.

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Dass Kevin Wüthrich seine Sache gut macht, steht ausser Frage. Der 27-jährige Küchenchef im Langnauer Gasthof Bären wurde letztes Jahr im Gastroführer «Gault Millau» mit 13 Punkten ausgezeichnet. «Der Bären läuft gut», sagt denn auch Sam Brechbühl, Sprecher der Genossenschaft, der das vor 585 Jahren erstmals urkundliche erwähnte Lokal gehört.

Trotzdem sind die Besitzer des Gasthofs nicht restlos zufrieden. Sie hatten sich das Engagement der Essen und Kunst by Adam & Co. GmbH etwas anders vorgestellt. Jedenfalls von Simon Adam selber hatten sie in Langnau mehr erwartet. Der Solothurner, der Jungkoch des Jahres 2007, war zusammen mit dem Künstler und Co-Geschäftsführer Oliver Malicdem angetreten, um etwas «mit Pfiff» für den Gaumen und Kunst fürs Gemüt in den Bären zu bringen.

Adam tauchte unter

Kevin Wüthrich hat seinen Teil dazu beigetragen, dass das Versprechen eingelöst wurde. Aber Simon Adam sei selten in Langnau zu sehen gewesen, sagt Sam Brechbühl. Das erstaunt wenig, wenn man weiss, dass die von ihm und Malicdem geführte Essen-und-Kunst-Gruppe kurz vor der Pachtübernahme in Langnau bereits in Schaffhausen die Wirtschaft zur Beckenburg übernommen hatte und danach sukzessive weiter expandierte, bis ein Konglomerat mit sieben Restaurants und Cateringbetrieben entstanden war.

Damit hat sich der Jungunternehmer offenbar übernommen. Im Juni wurde bekannt, dass der 30-Jährige von all seinen Funktionen zurückgetreten sei. Für ein paar Tage war Simon Adam gar abgetaucht und auch für die Vertreter der Genossenschaft Bären nicht erreichbar. In einer Stellungnahme in den «Schaffhauser Nachrichten» erklärte er kurz darauf, dass er seine Ämter in den letzten Monaten nicht mehr ehrlich, korrekt und nach Vorschrift erfüllt habe.

Er habe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen und die Kontrolle total verloren. «Ich schäme mich zutiefst», wurde er in den «Schaffhauser Nachrichten» zitiert. Er habe sein Lebenswerk zerstört. Adam übernimmt in der Stellungnahme die volle Verantwortung für die schwierige Situation, in der sich die Essen-und-Kunst-Gruppe mit ihren etwa 150 Mitarbeitern befinde.

Die Genossenschaft kann nicht

Offenbar gilt es dort nun einiges aufzuräumen. Jedenfalls seien die neuen Verantwortungsträger beim Verwaltungsrat der Genossenschaft Bären vorstellig geworden mit der Bitte um vorzeitige Auflösung des Pachtvertrags, sagt Sam Brechbühl. Dieser sei für fünf Jahre abgeschlossen worden. Eröffnet wurde der Bären unter der jungen Crew im Oktober 2014. Die Besitzer haben also über zwei Jahre Zeit, einen neuen Betreiber zu finden.

Angesichts des bisherigen Erfolges wäre dem Verwaltungsrat der Genossenschaft am liebsten, wenn der neue Vertragspartner mit dem bestehenden Personal weiterfahren würde. Selber als Betreiberin des Gasthofes aufzutreten, sei der Genossenschaft nicht möglich, das werde in den Statuten ausdrücklich ausgeschlossen, sagt Brechbühl. «Den Leuten, die Anteilscheine zeichneten, ging es damals nicht darum, eine Wirtschaft zu führen, sondern das Haus als solches zu erhalten», erklärt er.

Erst eine Statutenänderung könnte eine neue Ausgangslage schaffen. Doch das brauchte Zeit. «Wir sind daran, eine Lösung zu suchen, damit wir im Bären unterbruchslos weiterfahren können», sagt Sam Brechbühl.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 19.07.2017, 07:44 Uhr

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