Bachab geschickt

Das 16,5-Millionen-Franken-Projekt Hochwasserschutz Grüene wird nicht realisiert. Die Mitglieder der Schwellenkorporation Lützelflüh sprachen sich deutlich gegen den Baukredit aus.

Alles bleibt, wie es ist: Angedacht war, die Grüene mit Maueraufbauten und Sohlenabsenkungen zu zähmen.

Alles bleibt, wie es ist: Angedacht war, die Grüene mit Maueraufbauten und Sohlenabsenkungen zu zähmen. Bild: Thomas Peter

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«Wir respektieren diesen Entscheid, wie es jetzt weitergeht, wissen wir nicht.» Alfred Bärtschi, Präsident der Schwellenkorporation Lützelflüh, hatte am Montagabend keinen leichten Stand, als er das Ergebnis der ­geheim durchgeführten Abstimmung verkünden musste.

Mit 58 Ja- gegen 75 Nein-Stimmen stoppte die Mitgliederversammlung quasi auf der Zielgeraden das von langer Hand vorbereitete Hochwasserschutzprojekt an der Grüene. Da halfen auch die grünen Abstimmungszettel nichts.

Damit spülte die Versammlung den Baukredit von 13,5 Millionen Franken ziemlich deutlich vom Tisch. Was nach 14-jähriger Planung bleibt, ist ein Papiertiger für die Schublade und 690'000 Franken Planungskosten für die Schwellenkorporation.

Doch der Reihe nach: Die Versammlung lockte rekordverdächtige 136 Stimmberechtigte in die Mehrzweckhalle Emmenschachen in Lützelflüh. Und weil der Vorstand der Korporation diese auch akribisch vorbereitet hatte, wurde jedes stimmberechtigte Mitglied ebenso akribisch am Eingang auf einer Liste erfasst. Dies dauerte, und Präsident Bärtschi eröffnete die Veranstaltung mit einer halben Stunde Verspätung.

«Schämt euch»

Dem Entscheid, den Baukredit bachab zu schicken, ging eine ­intensive Diskussion voraus. In einer ersten Runde meldeten sich vorab die Gegner zu Wort. Von Erpressung, Unverschämtheit und fragwürdiger Planung war die Rede. «Schämt euch», sagte ein Votant in Richtung Vorstandstisch.

Die Gegner störten sich vorab an den hohen Kosten und dem überdimensionierten Bauprojekt. «Ich bin nicht gegen Hochwasserschutz, aber mit weniger ginge es auch», sagte Hans Flückiger, Initiant einer Kollektiveinsprache, die 68 Grundeigentümer aus Grünenmatt unterzeichnet hatten. Sie konnte im Vorfeld ebenso wie drei weitere Einsprachen nicht bereinigt werden.

An den Einspracheverhandlungen habe sich rasch gezeigt, dass es nichts anderes gebe, als das Projekt abzulehnen. Flückiger kritisierte insbesondere die im Projekt vorgesehenen Maueraufbauten in Grünenmatt sowie die damit verbundenen Anpassungen an der Fussgängerbrücke über die Grüene beim Bahnhof.

«Das Projekt hat viele Fehler», sagte ein weiterer Votant. Zumal mit dem Vorhaben ebenso der Ausbau von drei Kantonsstrassenbrücken in Grünenmatt und in Ramsei verbunden gewesen wären.

Zwar hätte der Kanton deren Ausbau bezahlt, die Gesamtkosten von 16,5 Millionen Franken kamen bei den Gegnern aber eben nicht gut an. «Wir sind den Anliegen der Bürger wirklich entgegengekommen, wir müssen das Ganze aber als ein Gesamtprojekt betrachten», entgegnete Präsident Bärtschi.

«Es dient der Sicherheit»

Unterstützung erhielt er von ­Lützelflühs Gemeindepräsident Andreas Meister. «Das Projekt dient der Sicherheit der Bevölkerung und ist finanziell tragbar», betonte er. Zudem könnten in ­Zukunft Bauprojekte in Grünenmatt besser und ohne Auflagen in Sachen Objektschutz realisiert werden.

Die Befürworter wiesen auch auf den Solidaritätsgedanken hin. «Was sind schon Millionen von Franken, wenn es bei einem Unwetter plötzlich um Menschenleben geht», sagte ein Versammlungsteilnehmer.

Nebst dem Baukredit wurde am Montagabend ebenso ein Nachkredit von 65'000 Franken für die mittlerweile auf 690'000 Franken angewachsenen Planungskosten abgelehnt und zum Schluss dem Vorstand die Ver­letzung der Sorgfaltspflicht angesagt. «Wenn dieses Gefühl da ist, müsst ihr dies dem Regierungsstatthalteramt melden», sagte Bärtschi. Der gesamte Vorstand wurde im Übrigen an der Versammlung für eine weitere Amtszeit gewählt.

Am Hochwasserschutzprojekt Grüene wurde seit 2004 geplant. Angedacht war eine Verbauungsstrecke von nicht weniger als 3,4 Kilometern ab der Gemeindegrenze zwischen Sumiswald und Lützelflüh bis zur Einmündung in die Emme bei Ramsei.

Im Mittelpunkt standen die beiden Siedlungsgebiete Grünenmatt und Ramsei. Da das enge Gerinne in den Dörfern nicht verbreitert werden kann, waren Maueraufbauten und Sohlenabsenkungen vorgesehen. Das Projekt war so ausgelegt, dass es einem 100-jährigen Hochwasser widerstehen könnte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.03.2018, 21:14 Uhr

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