Sumiswald

Aussen Schloss, innen Bed and Breakfast

Sumiswald Der Turm wird zum Hotel – zumindest vorübergehend, bis die Gemeinde Sumiswald weiss, was aus dem Bauwerk werden soll.

Über ein Jahr lang stand es leer: Jetzt öffnet das Schloss Sumiswald seine Tore für Touristen.

Über ein Jahr lang stand es leer: Jetzt öffnet das Schloss Sumiswald seine Tore für Touristen. Bild: Andreas Marbot

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Für die Zukunft des Schlosses Sumiswald gab es viele Visionen, seit klar war, dass das Altersheim ausziehen wird. Von einem Musikschloss von nationaler Bedeutung war die Rede, von der Unterbringung von Asylsuchenden, ­davon, dass die Gemeindeverwaltung einziehen könnte. Aus alldem wurde nichts.

Dafür kommt jetzt eine Zwischenlösung zum Zug, die am ­sogenannten Visionstag inklusive Rundgang im Schloss letzten Sommer erstmals aufgetaucht ist: ein Schlossturm-Bed-and-Breakfast, befristet bis 2021, wie es in der Baupublikation heisst. Gemeindepräsident Fritz Kohler sagt es so: «Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn es müffelt. Wir sind froh, kehrt zumindest vorübergehend Leben ins Schloss ein.»

Immer weniger Hotelbetten

Die Idee hatte eine Projektgruppe um Andreas Schneiter. Er ist Geschäftsführer des Dienstleistungszentrums (DLZ) Sumiswald und weiss: «B&Bs sind im Trend.» Die Konkurrenz sei zwar gross, der Markt aber vorhanden. Nachdem auch der Gasthof Sonne in Affoltern geschlossen worden sei, gebe es immer weniger Hotelbetten in und um Sumiswald. Diese Lücke wolle er füllen.

Damit das auch klappt, braucht es Partner. Und die hat Schneiter gefunden. In Zusammenarbeit mit Emmental Tourismus soll das Schlossturm-B&B auf allen Kanälen wirkungsvoll vermarktet werden.

Aber nur auf den Tourismus ­allein will sich Schneiter nicht verlassen. «Das Bed and Breakfast soll auch eine Ergänzung zum DLZ sein», sagt er. Er habe schon manchem Jodlerchor und manchem Kaninchenzüchterverein absagen müssen, weil das Dienstleistungszentrum nur Gruppen ab 20 Personen aufnehmen könne. «Im Schloss wird es Platz für kleinere Gruppen haben.»

Und weil Schneiter grundsätzlich kein unvorsichtiger Mann zu sein scheint, setzt er auch gleich noch auf die Zusammenarbeit mit dem Forum Sumiswald, wo vor allem Sportvereine übernachten. «Auch dort fehlt es an kleinen Zimmern», sagt er zuversichtlich.

Ein Biedermeierzimmer

Geplant ist, auf drei Etagen des Schlossturms je drei Zimmer mit total 20 Betten einzurichten. Pro Stockwerk soll es einen Aufenthaltsraum mit kleiner Küche geben, der zusammen mit einem Gästezimmer mittels Korridortür auch zu einer kleinen Ferienwohnung umfunktioniert werden könnte.

50'000 Franken werde die Umnutzung des Turms ungefähr kosten, schätzt Schneiter. Einen Teil übernimmt das DLZ, für den Rest muss die Gemeinde aufkommen. «Gemäss Mietvertrag muss die Gemeinde uns das Schloss gebrauchsfähig bereitstellen», sagt er. Mehr als eine sanfte Renovation sei nicht nötig. Das Wichtigste aber: Im altehrwürdigen Schloss braucht es eine flotte WLAN-Verbindung.

Auch schon klar ist, dass es sieben eher schlichte Zimmer geben wird im Preissegment von 35 bis 50 Franken pro Nacht und Person. Für zwei Zimmer hat sich Schneiter etwas ganz Besonderes ausgedacht. Eines soll mit Biedermeiermöbeln ausgestattet, ein anderes mit Gold und Messing verziert werden. Auch die restlichen Räumlichkeiten des Schlosses, etwa den Rittersaal, übernimmt das DLZ. Sie sollen für Firmenanlässe, Hochzeiten und ähnliche Veranstaltungen zur Verfügung stehen.

Betreiber gesucht

Was die Bewirtschaftung des B&B angeht, hat Schneiter eine Idealvorstellung und eine Alternative. Im Schloss gebe es noch eine Wohnung, sagt er. «Ideal wäre, wenn sich jemand fände, der das B&B nebenberuflich betreiben würde.» Die Alternative: «Wenn wir niemanden finden, haben wir im DLZ genügend Personal.» Nur müssten die Gäste dann aber unten im Forum ihr Frühstück zu sich nehmen.

Noch ist nicht alles ganz ausgegoren. Das hat auch damit zu tun, dass Schneiter warten muss. Die Einsprachefrist läuft bis zum 12. Juni. Dann dauert es wohl noch mal ein bis zwei Monate für die Bewilligungen durch den Regierungsstatthalter.

«Ohne Bewilligung gebe ich kein Geld aus», sagt Schneiter. «Wenn aufgrund von behördlichen Anordnungen grössere bauliche Massnahmen anstehen, ist das B&B sowieso infrage gestellt. Das könnten wir uns nicht leisten.» Wenn aber ­alles klappt, rechnet Schneiter nochmals mit etwa acht Wochen für den Umbau.

Jede Vision hat ihre Zeit. Jene des B&B ist ein hoffentlich goldener Herbst. Für die wichtige Sommersaison reicht es wohl nicht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.05.2017, 21:07 Uhr

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