Auf vier Rädern von Kirchberg nach Südafrika

Kirchberg

Emanuel Berger und Christine Gläsel aus Kirchberg erfüllen sich einen Traum. In einem zum Camper umgebauten Feuerwehrauto will das pensionierte Paar nach Südafrika fahren.

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Raphael Hadorn

«Das Kribbeln fängt an», sagt Christine Gläsel. In weniger als drei Monaten wird die 64-Jährige zusammen mit ihrem um 2 Jahre jüngeren Lebenspartner Emanuel Berger die Schweiz verlassen. Vielleicht für immer.

Fast wie vor 35 Jahren

Für Emanuel Berger ist es eine Reise zurück in die Vergangenheit. Ab 1976 war er während 2 Jahren in Südafrika als Radioelektriker tätig. Zurück in die Schweiz reiste Berger vor 35 Jahren mit einem VW-Bus. «Er hat immer davon geschwärmt», erzählt Christine Gläsel. Sie war es schliesslich, welche den Vorschlag machte, dieses Abenteuer auf umgekehrtem Weg zu wiederholen. «Ich musste ihn zu Beginn sogar ein bisschen überreden», erinnert sie sich. Mittlerweile aber sind beide Feuer und Flamme für die anstehende Reise. Eine Reise, die man nicht von einem auf den anderen Tag planen kann. «Vor rund 5 Jahren haben wir angefangen, uns damit zu beschäftigen», erzählt Emanuel Berger. Zuerst wollte das Paar einen Camper – einen Landcruiser – kaufen. Der Traum von einem individuell auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Fahrzeug überwog jedoch. Also wieso nicht selber ein Auto in einen Camper umbauen? Gesagt, getan.

Ehemaliges Feuerwehrauto

Fündig wurden Emanuel Berger und Christine Gläsel auf der Internetseite von Atlas Travel World, wo ein Privater ein ehemaliges Pikettfahrzeug der Feuerwehr Oberentfelden anbot. «Die ganze Feuerwehrausrüstung war noch vorhanden», erinnert sich Berger. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben, hat er zusammen mit seiner Partnerin doch in den vergangenen Monaten Hunderte von Stunden in den Umbau des Fahrzeugs gesteckt. «Den Innenbereich haben wir fast komplett selber gemacht, etwa neue Schränke und eine Sitzecke eingebaut sowie die Stromanschlüsse installiert.» Auch über eine Standheizung, die man einbauen liess, verfügt das Fahrzeug. Auf 3000 Metern über Meer in Äthiopien oder nachts in der Sahara könne es schliesslich unangenehm kalt werden.

Ein Hingucker ist der aufklappbare Aufsatz – das Schlafzimmer. Hier, wie auch bei anderen Arbeiten an der «Hardware» griff das Paar auf externe Hilfe von Fennec-Concept, einer auf Offroader-Umbauten spezialisierten Firma zurück. Den Ernstfall getestet haben Emanuel Berger und Christine Gläsel im August 2012, als sie während vier Wochen durch Spanien reisten. Fazit: Im Grossen und Ganzen ist der Camper bereit für das grosse Abenteuer. Details gebe es immer zu verbessern, sagt Berger. Dafür hat er jetzt auch Zeit. Per 1.Februar liess er sich, der zuletzt als IT-Techniker tätig war, frühpensionieren – damit er zum gleichen Zeitpunkt wie seine Partnerin in Rente gehen kann.

Vom Afrika-Virus befallen

Am 24.August wird sich das Paar von seinen Verwandten, Freunden und Bekannten mit einem grossen Fest verabschieden, ehe seine Reise via Italien, Griechenland, Türkei nach Ägypten – und von dort den Kontinent abwärts bist nach Südafrika führt . Einen Zeitplan gebe es nicht, «aber es wäre schön, wenn wir im Oktober oder November 2014 in Südafrika ankommen – wenn das Klima gut ist», sagt Emanuel Berger. Und danach: wie weiter? «Das wissen wir noch nicht», antworten sie unisono. Es bestehe aber durchaus die Möglichkeit, nie mehr in die Schweiz zurückzukommen. Auch Christine Gläsel hat nämlich Südafrika lieben gelernt. «Das Märchen vom Afrika-Virus habe ich nicht geglaubt – bis ich das erste Mal dort war», sagt sie. Rund 10- bis 12-mal haben sie seither bereits den Schwarzen Kontinent besucht. Negative Erlebnisse hätten sie nie gehabt, im Gegenteil. «Die Südafrikaner sind sehr offen und freundlich» – und die afrikanischen Campingplätze sehr grosszügig bemessen. «Nicht selten ist ein Stellplatz vergleichbar mit der Grösse eines ganzen Campingplatzes in Europa», sagt Emanuel Berger.

Blaulicht funktioniert noch

Auch auf schlechte oder gar keine sanitäre Einrichtungen sind die beiden eingestellt. Stolz präsentiert Emanuel Berger den Duschvorhang und den Anschluss für die Duschbrause. Natürlich hat er auch eine chemische Toilette eingebaut. Sogar die Reiseapotheke ist bereits vorhanden – und diese weiss Christine Gläsel als ehemalige Pflegefachfrau bestens anzuwenden. Und wenn alle Stricke reissen? Dann setzt Emanuel Berger das Blaulicht des ehemaligen Feuerwehrautos aufs Dach. Das hat er nämlich behalten – und es funktioniert noch. Der Gebrauch ist aber verboten.

Die Wohnung behalten

Und wie haben Freunde und Familie das geplante Abenteuer aufgenommen? «Die kennen uns ja, waren deshalb nicht überrascht, machen sich höchstens ein bisschen Sorgen, aber das ist ja normal», entgegnen die beiden. Gemeinsame Kinder hat das Paar, das schon seit 23 Jahren zusammenlebt, nicht. Aber beide haben sie Kinder, Enkelkinder und Urgrosskinder aus ihrer ersten Ehe. Fürs Heimweh gebe es das Internet und Skype , «und im Notfall ist man heutzutage schnell in der Schweiz». Die Wohnung in Kirchberg behalten sie vorerst. «Als Ferienwohnung, sofern Kirchberg das Kontingent für Zweitwohnungen noch nicht ausgeschöpft hat», scherzt Emanuel Berger.

Berner Zeitung

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