Auf der Suche nach dem Elefanten

Gondiswil

Käseliebhaber und Tierfreunde trafen sich am Sonntagmittag auf dem Hof von Hans und Annemarie Jordi in Gondiswil zum «Elefantenbrägu». Nur der Stargast fehlte: der Elefant.

Elefantenbrägu auf dem Schabenlehn: Nach Elefantenkuh Thigoma suchten die Schaulustigen am Sonntag vergeblich. Dafür stellte Dorfkäser Thomas Thierstein (Mitte) den Gästen seinen Mammutkäse vor.

Elefantenbrägu auf dem Schabenlehn: Nach Elefantenkuh Thigoma suchten die Schaulustigen am Sonntag vergeblich. Dafür stellte Dorfkäser Thomas Thierstein (Mitte) den Gästen seinen Mammutkäse vor.

(Bild: Hans Wüthrich)

Betriebsamkeit herrschte am Sonntag um 11 Uhr auf dem Hof von Hans und Annemarie Jordi in Gondiswil. Das Kaffeewasser war heiss, der Weisswein kühl gestellt und die Helfer von Thomas Thierstein – dem Inhaber der Dorfkäserei und Erfinder des Mammutkäses – an der Arbeit, die ersten Brotschnitten für den «Elefantenbrägu» mit Käsemasse zu streichen. Es war höchste Zeit. Eine stattliche Schar Besucher war bereits das steile Schabenlehn hochgestiegen, wo an diesem Sonntag Elefantenkuh Thigoma der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollte.

Ausreden über Ausreden

Schon standen die ersten Ankömmlinge um einen Strohballen und begutachteten den darauf ausgestellten Mammutkäse. Ein rechter Laib war das, vom Kaliber eines Emmentalers. Etwas weniger dick zwar, aber doch gute 50 Kilogramm schwer. Ganz so, wie es sich gehört, wenn ein Elefantenurahn bei der Namensvergabe Pate stand. Nur eine fehlte im Geschehen auf dem Schabenlehn: Thigoma, die Elefantendame, die seit kurzer Zeit auf Jordis Hof leben und von der die Milch für den Mammutkäse stammen soll.

«Das sei halt so eine Sache», erklärte Annemarie Jordi, wenn sie nach dem Verbleib von Thigoma gefragt wurde. Elefanten seien witterungsempfindliche Tiere. Als der Wind letzte Nacht so heftig über die Egg gestrichen sei, da habe sie das Tier in die Wohnung nehmen müssen. Aber wenn die Sonne länger scheine, werde sie Thigoma bald rausholen können.

Nun äusserte allerdings Hans Jordi Bedenken. Er befürchte, dass zu viele Leute da seien und Thigoma dadurch verscheucht werden könnte. Schon an der Hauptprobe vom Vortag seien deswegen zwei Tische in die Brüche gegangen, mahnte der Präsident der Gondiswiler Käsereigenossenschaft. Er wolle daher lieber nichts riskieren.

Dämmerstunde beim Rechnen

Allmählich dämmerte es nun auch den letzten Gutgläubigen, dass etwas so nicht stimmen konnte. Las man die Namensschilder im Stall, stand da Wolga, Esther, Blüemli. Selbst unter dem Namensschild Quimba lag wiederkäuend eine braun-weiss gescheckte Kuh. Ein Schild mit dem Namen Thigoma fehlte im Stall. Und überhaupt: Wie hätte die Bäuerin Thigoma den überhaupt in die Stube bringen können? Die Haustüre war definitiv zu schmal und zu wenig hoch, als dass sie ein Elefant einfach hätte passieren können.

Dass die ganze Geschichte nur Lug und Trug ist, kam endgültig aus, als Thierstein über seine Geschäftspläne informierte. 2,4 Millionen Tonnen Milch verarbeite er jährlich. Eine Rechnung, die so nicht aufgehen konnte, haben Elefantenkühe doch eine Milchleistung von jährlich «nur» etwa 9000 Kilogramm.

Thierstein bekannte schliesslich: Echt war an diesem 1.April nur der Mammutkäse, mit dem sich der Dorfkäser neben dem Emmentaler jetzt ein zweites Standbein aufbauen will (Siehe Box). Der einzige Elefant auf dem Schabenlehn indes war an diesem Tag aus Plüsch und trug rote Stiefel.

Berner Zeitung

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