Asylzentrum Schafhausen: Heftige Kritik an Gemeinderat

Schafhausen

Der Gemeinderat von Hasle ist am Dienstagabend am Informationsanlass zur Eröffnung der Asylunterkunft im Schulhaus Schafhausen gehörig unter die Räder gekommen. Rund 350 Personen machten ihrem Unmut Luft.

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Schon Anfang Oktober gingen im 300-Seelenort Schafhausen die Wogen hoch, als publik wurde, dass der Gemeinderat ab Ende Monat im Schulhaus Schafhausen 150 Asylsuchende einquartieren will.

Am Dienstagabend versammelten sich in der Mehrzweckhalle Preisegg nicht nur 150 Protestierende wie vor zwei Wochen, sondern 350 Personen, die ihrem Unmut über die Art der Information des Gemeinderates Luft machen wollten. «Ich vertrete die Leute, die eine Wut im Bauch haben» , sagte ein aufgebrachter Gemeindebürger. Erzürnt zeigte er sich darüber, dass die Versammlung von einem grossen Polizeiaufgebot begleitet werde. «Wir sind doch nicht gewalttätig», rief er in die Menge. Dass der Gemeinderat die Bevölkerung so spät informiert habe, «ist eine absolute Schweinerei». Er frage sich ernsthaft, ob bei der Nutzung des Schulhauses die Humanität die Motivation gewesen sei oder finanzielle Interessen.

Gemeindepräsident Walter Scheidegger liess sich trotz der geballten Kritik nicht aus der Ruhe bringen. Mit kühlem Kopf sagte er, die Gemeinde erhalte vom Kanton Bern eine Monatsmiete von 25000 Franken inklusive Nebenkosten. Der Gemeindekasse würden damit netto 200'000 Franken zufliessen. Zudem betonte Scheidegger, die Polizei sei nicht hier zum Beschützen, sondern zum Informieren.

Kritik an der Informationspolitik

Die Informationspolitik des Gemeinderates wurde in der Fragerunde häufig angesprochen. Eine Anwohnerin monierte, warum die Gemeinde ausgerechnet während den Schulferien , wenn viele Leute abwesend seien, die Pläne zum Asylzentrum publik mache. «Genau darum wollten wir die Informationsveranstaltung erst am 21. Oktober abhalten», konterte Scheidegger.

«Was ist, wenn mit diesem Holzhaus, in dem 150 Menschen untergebracht sind, etwas passiert?», wollte ein besorgter Bürger wissen. Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher betonte, das Projekt werde von der Gebäudeversicherung des Kantons Bern begleitet. Die Sicherheit sei gewährleistet. Auch machte Iris Rivas, Leiterin des Migrationsdienstes des Kantons Bern, klar, «dass am 28. Oktober nicht auf ein Mal 150 Personen in Schafhausen eintreffen werden».

Besonders schwer lag den Anwesenden auf dem Magen, dass der kleine Ortsteil Schafhausen so viele Asylsuchende aufnehmen muss. «Ist die Obergrenze von 150 Personen sakrosankt?», wollte ein Mann wissen. Mit 50 Personen könnte er sich das Asylzentrum gut vorstellen, «aber so macht mir dies Angst». Es gehe nicht an , so viele Leute in das Haus zu pferchen. Wenn ein Bauer dermassen viele Kühe einstellen würde, käme der Tierschutz.

Die meisten Voten der Fragesteller bedachte die Versammlung mit grossen Applaus. Verhalten fiel dieser aus, als ein junger Mann sagte, die Flüchtlinge sollten nicht hierher kommen, das Volk wolle das nicht. Mit Freude nahm ein Vertreter des Gewerbevereins zur Kenntnis, dass die Asylsuchenden für gemeinnützige Arbeiten eingesetzt werden könnten: «Ich werde mithelfen, dass diese Leute Arbeit bekommen.»

Berner Zeitung

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