Antenne bringt Anwohner nicht zum Strahlen

Herzogenbuchsee

Der Mobilfunkanbieter Sunrise plant eine Handyantenne auf einem Wohnhaus in Herzogenbuchsee. Unter den Anwohnern formiert sich Widerstand. Besonders die Nähe zum Burgschulhaus erregt die Gemüter.

Auf dem Dach dieses Hauses in Herzogenbuchsee soll eine Mobilfunkantenne des Anbieters Sunrise entstehen.

Auf dem Dach dieses Hauses in Herzogenbuchsee soll eine Mobilfunkantenne des Anbieters Sunrise entstehen.

(Bild: Thomas Peter)

Sie ist sechs Meter hoch und soll den Handyempfang verbessern: Die geplante Mobilfunkantenne des Anbieters Sunrise. Gemäss der Publikation im Anzeiger vom 24. Oktober soll diese auf dem Wohnhaus an der Bettenhausenstrasse 15 in Herzogenbuchsee erstellt werden. Mitten im Wohnquartier und in nächster Nähe zum Burgschulhaus und der Kirche der zweitgrössten Oberaargauer Gemeinde.

«Doch soweit soll es gar nicht erst kommen», sagt Thomas Baumann, der in der Nähe zur Bettenhausenstrasse 15 wohnt. Gemeinsam mit Romy Christen, Rado Gobac und Ruedi Strahm versucht Baumann, den Bau der Handyantenne in der unmittelbaren Nachbarschaft zu verhindern. An einem Informationsanlass am Freitagabend informierte die Anwohnergruppe über die Konsequenzen, welche die Antenne mit sich bringen würde.

Antenne stört Ortsbild

«Eine der möglichen Folgen sind überschrittene Grenzwerte bei der Strahlenbelastung», sagte Baumann vor etwa 40 Anwesenden. Gemäss den Berechnungen von Sunrise sei mit der Antenne von einer Strahlenbelastung von 4,97 Volt pro Meter auf der Thörigenstrasse auszugehen. Die Grenze liegt hauchdünn über diesem Messwert, bei 5 Volt pro Meter. «Aber die bereits vorhandene Strahlenbelastung wird bei dieser Berechnung nicht einbezogen», erklärte er. «Über die Auswirkungen erhöhter Strahlung tappt man noch immer im Dunkeln.»

Verhindern will die Anwohnergruppe die Handyantenne mit dem Argument des Ortsbildschutzes. «Zahlen können manipuliert werden, das Ortsbild sieht für alle gleich aus», sagte Baumann. Das Wohnhaus an der Bettenhausenstrasse 15, aber auch das Burgschulhaus gegenüber gelten als erhaltenswert. Gemäss dem kantonalen Baugesetz dürften erhaltenswerte Objekte nicht durch Veränderungen in ihrer Umgebung beeinträchtigt werden. «Eine schwammige Aussage», gab der 50-Jährige zu.

Trotzdem ist die Anwohnergruppe von der Schlagkraft des Arguments überzeugt. «Je mehr Leute die Kollektiveinsprache unterzeichnen, umso mehr Gewicht hat sie.» Pikant ist: Bereits im Jahr 2004 plante die Swisscom eine Handyantenne auf dem Frohburg-Areal, nahe der Bettenhausenstrasse. Damals konnte das Vorhaben bereits mit demselben Argument verhindert werden.

Nahe bei den Nutzern

Angesprochen auf die Gefahren, die von einer Mobilfunkantenne ausgehen, heisst es seitens von Sunrise: «Die schweizerische Gesetzgebung schützt die Bevölkerung ausreichend», sagt Roger Schaller, Mediensprecher von Sunrise. Um eine optimale Versorgung zu ermöglichen, müsse die Antenne möglichst nahe bei den Nutzern gebaut werden – also in einem Wohnquartier.

Unter den Anwohnern stösst dieses Argument auf Unverständnis: «Eine zusätzliche Antenne ist unnötig», so der Tenor. Störend finden viele auch die unmittelbare Nähe zum Burgschulhaus. Eine Handyantenne gehöre nicht in die Nähe von Schulkindern, konnte man an dem Abend immer wieder vernehmen.

Laut Schaller nehme Sunrise die Sorgen und Ängste der Bevölkerung ernst: «Wir setzen auf eine transparente Kommunikation.» Davon spüren die Anwohner offenbar noch nichts. «Nein, wir sind nicht im Austausch mit Sunrise», sagt Baumann. Er erwägt die Idee eines runden Tischs, gemeinsam mit der Baukommission, den Anwohnern und Sunrise. «So liesse sich möglicherweise eine Lösung finden.» Voraussichtlich im Februar 2014 wird die Baukommission ihren Entscheid für oder gegen das Gesuch des Telekomanbieters fällen.

Die Auflage- und Einsprachefrist dauert bis zum 25. November.

Berner Zeitung

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