Eggiwil

80 Stunden Arbeit für ein Alphorn

EggiwilWalter Bachmann betreibt in der dritten Generation die gleichnamige Alphornmacherei. Zur Herstellung der Instrumente verwendet er Haselfichtenholz. Die Alphörner sind 3,5 Meter lang, 3 Kilogramm schwer und kosten etwa 3'000 Franken.

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Die ersten Sonnenstrahlen fallen durch das Fenster der Werkstätte. Im Innern riecht es nach Holz, Späne liegen unter den Werkbänken, und in der Ecke sind dicke unbehandelte Holzklötze an die Wand gelehnt. Walter Bachmann ist an diesem Morgen damit beschäftigt, zwei ausgefräste Holzteile miteinander zu verleimen. «Das gibt den Becher» – dieser werde beim Bau eines Alphorns immer zuerst angefertigt, kommentiert er. Der Becher besteht aus einer rechten und einer linken Seite. Und jede Seite wiederum wird aus drei aneinandergeleimten Stücken hergestellt, damit die Jahrringe in der Längsrichtung über den Bogen laufen.

Zur Herstellung des Alphorns wird Haselfichtenholz verwendet, welches aus der Umgebung von Eggiwil und aus dem Bündnerland stammt. «Bei diesem Holz ist die Faser stark verbunden und trägt deshalb die Schwingungen gut», erklärt Walter Bachmann, der das Holz jeweils selber in den Sägereien aussucht und danach fünf Jahre bei sich daheim lagert. Erst danach werden die einzelnen Holzteile zu einem Instrument verarbeitet.

Kunden aus aller Welt

Walter Bachmann ist Meisterlandwirt und hat das Alphornbauen von seinem Vater Hansruedi und autodidaktisch gelernt. Auch Bachmann senior steht noch täglich in der Werkstätte in Eggiwil. Unterstützt werden sie von ihrem Mitarbeiter Roland Schenk mit einem 20-Prozent-Pensum. Die Männer arbeiten jeweils zeitgleich an drei Serien. Rund 25 Alphörner verlassen jährlich Bachmanns Werkstätte, die in der dritten Generation geführt wird. Das Instrument ist etwa 3,5 Meter lang und wiegt 3 Kilo. Gefragt sind vor allem die Fis-Instrumente; diese kosten 3'000 Franken. Die Kundschaft stamme aus der ganzen Welt, und etwa «zwei Alphörner pro Jahr werden nach Kanada, den USA oder Asien geliefert», erklärt der Familienvater.

Verziert mit Nussbaumreifen

Ist der Leim nach zwei Stunden trocken, so wird der Becherrohling auseinandergespaltet. Danach beginnt der Fachmann mit der Feinarbeit. Er schnitzt beidseitig das innere Rohr aus und schleift es anschliessend fein. Danach verleimt er erneut die beiden Teile.

Nebst dem Becher besteht das Alphorn aus einem Mittel- und einem Handrohr; beide werden analog dem Becher angefertigt. Zusammengesteckt werden die Rohre mittels Aluminiumhülsen. Zum Schluss folgt das Aufsetzen des Mundstückes. Dieses wird aus Hartholz wie Apfelbaum-, Zwetschgen-, Nussbaum-, Oliven- und Buchsholz gedrechselt.

Nun wird das Alphorn eingestimmt. Dabei muss die Raumtemperatur 18 Grad aufweisen. «Zuerst spiele ich fünf Minuten lang, um das Holz zu erwärmen», erklärt Walter Bachmann. Danach werden mithilfe eines elektronischen Messgerätes die Töne gemessen. Sind diese zu tief, muss das Alphorn noch eingekürzt werden. Auch das Alphornblasen hat der Meisterlandwirt, der nebst der Werkstätte einen Bauernhof bewirtschaftet, autodidaktisch gelernt.

Umwickelt mit Peddigrohr

Stimmen die Töne, geht es an die Verzierung des Instruments. An der Ausschmückung unterscheidet sich das Bachmann-Alphorn von denjenigen der rund dreissig anderen Alphornmacher der Schweiz. Der Becher wird mit zwei von Hand kerbgeschnitzten Nussbaumreifen verziert. Damit man sie dem Rohr gut anpassen kann, werden sie vorher in heisses Wasser eingelegt. Zum Schutz des Mittel- und des Handrohrs werden die beiden Teile mit Peddigrohr umwickelt. Danach folgt die Lackierung. Ganz zum Schluss wird das Alphorn innen geölt. Dazu werden neun Liter Leinöl in das Instrument gegossen und 60 Minuten drinnen gelassen. Nach 80 Arbeitsstunden ist das Alphorn fertig.

Doch Walter Bachmann stellt nicht nur Alphörner her, er spielt auch in einem Alphornquartett. «Alphornspielen ist einfach», sagt er mit einem Schmunzeln. Man müsse die Lippen so formen, als ob man ein Haar auf der Lippe wegblasen möchte, sagt er und gibt eine Kostprobe seines Könnens. Er entlockt dem Instrument warme, weiche Töne. Da der Alphornspieler nur die Naturtöne zur Verfügung hat, kann er viele Melodien der klassischen und der Unterhaltungsmusik nur bedingt spielen. Doch mittlerweile gibt es viele Komponisten, die Lieder für Alphörner komponieren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.07.2013, 09:45 Uhr

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der Schweiz ist auf das Jahr 1527 datiert. Im 18.Jahrhundert geriet das Alphorn fast in Vergessenheit, da die verarmten musizierenden Hirten in den Städten es im 17.Jahrhundert in Verruf brachten und es als Bettelhorn verspottet wurde. Im 19.Jahrhundert wurde zusammen mit der Foklore auch das Alphorn wiederentdeckt. Heute gilt das Alphorn als ein Schweizer Nationalsymbol und «kommt immer mehr in
Mode», sagt Walter Bachmann. Mittlerweiler wird auch in Musikschulen das Alphornspielen unterrichtet. Das Alphorn gehört aufgrund seiner Anblastechnik
zu den Blechblasinstrumenten, obwohl es überwiegend aus Holz angefertigt wird. Je nach Landschaft sind die Töne bis zehn Kilometer weit hörbar.

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