Rüegsau

2000 Liter Milch in einer Stunde

RüegsauDie Molkerei Milch-Land Spezialitäten AG investiert in die Zukunft. Für 250 000 Franken hat der Milchverarbeiter eine neue Abfülltechnologie in Betrieb genommen, er setzt dabei auf Kartonverpackung.

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Geschäftsführer Ueli Berger drückt auf den weissen Knopf. Wie von Geisterhand gesteuert beginnt die neuste Errungenschaft der Milch-Land Spezialitäten AG in Rüegsau zu arbeiten. Im Takt fliesst Liter um Liter Milch vollautomatisch in brandneue Kartonverpackungen mit gelbem Verschluss. «Die Anlage schafft es, bis zu 2000 Liter Milch pro Stunde abzupacken», erklärt Ueli Berger. Mit dem gestrigen Pressetermin hat die Emmentaler Molkerei eine moderne Abfüll­anlage dem Betrieb übergeben. Rund 250 000 Franken hat der Milchverarbeiter in die neue Technologie eines italienischen Lieferanten investiert.

«Damit reagieren wir auf ein Kunden­bedürfnis nach nachhaltiger Verpackung», begründet der Geschäftsführer. So sei die neue Kartonverpackung deutlich ökologischer als die bisher verwendeten Flaschen aus Kunststoff. Der Karton lasse sich rezyklieren und schliesslich wiederverwenden. Zudem sei das Arbeiten mit der neuen Methode effizienter, platzsparender und deutlich weniger transportintensiv.Ueli Berger setzt denn auch viel Hoffnung in die Investition.

«Wir möchten damit auch neue Märkte erschliessen und den Kundenkreis erweitern», betont er. Das neue Verpackungsdesign unter dem Motto «das Gold der Region», das, wie es Berger ausdrückt, mit Hügellandschaft, Emmenwasser und Scherenschnitten das Emmental widerspiegelt, soll ebenfalls einen Beitrag dazu leisten.

Produziert keinen Käse

Die Milch-Land Spezialitäten AG in Rüegsau, mit dem Geschäftsführerehepaar Ueli und Jacqueline Berger, ist die einzige Molkerei im Emmental. «Im Gegensatz zu den Emmentaler Käsereien sind wir ein reiner Milchverarbeiter, wir stellen keinen Käse her», erklärt der Geschäftsführer. Nebst Pastmilch werden aus dem Rohstoff Milch rund zwanzig ­verschiedene Joghurtsorten, Schlagrahm und Quark in Grossgebinden hergestellt. Zudem gehören reine Fonduemischungen oder fixfertig angerührte mit Wein, Most oder Champagner ebenfalls zu den Milch-Land-Spezialitäten. Der Rohstoff dazu stammt von 29 Landwirten aus der Region. Alle im Umkreis von fünf Kilometern. Rund 2,5 Millionen Liter Milch verarbeitet das Unternehmen pro Jahr zu Spezialitäten. Und dies mit Erfolg. «In den vergangenen Jahren sind wir stetig gewachsen», so Berger.

Zehn Rappen mehr

Mittlerweile beschäftigt die ­Molkerei zehn Mitarbeitende und ­beliefert im ganzen Kanton Bern rund 120 Verkaufsstellen sowie Gastronomiebetriebe, Heime und Spitäler mit ihren Produkten.

Die Milch-Land Spezialitäten AG ist 1999 aus der Käsereigenossenschaft Rüegsau hervorgegangen. «Wir haben uns damals entschieden, umzustellen und voll auf die Karte Pastprodukte zu setzen», sagt Ueli Berger. Und weiter: «Dies hat sich sehr gelohnt.» So kann der Milchfachmann heute seinen Lieferanten einen um rund zehn Rappen höheren Milchpreis bezahlen als die Industrie. Er nennt einen Preis von 67 Rappen, den er seinen Milchproduzenten derzeit übers Jahr hinweg garantiert.

«Wir möchten neue Märkte erschliessen und den Kundenkreis erweitern.»

Ueli Berger, Geschäftsführer

Dies nicht zuletzt dank der direkten Verarbeitung und der Tatsache, dass die Produkte ohne Zwischenhandel zu den Kunden gelangen. Zudem sei auch das deutlich sichtbare Regionalprodukt ein Rezept, um in der Konkurrenz der grossen Anbieter zu bestehen. «Die Kunden schätzen es sehr, wenn sie wissen, woher das Produkt kommt, dies ist ein grosser Vorteil», betont Berger.

Basis für neue Arbeitsplätze

Der Geschäftsführer blickt denn auch optimistisch in die Zukunft. «Mit der neuen Abfüllanlage ­haben wir eine gute Basis und Grundlage gelegt dafür, weitere Arbeitsplätze zu schaffen», sagt er. Zudem plant die Milch-Land Spezialitäten AG, in absehbarer Zukunft auch die Produktionsräumlichkeiten an der Hauptstrasse 79 in Rüegsau auszubauen.

Dies mit dem Ziel, die Wertschöpfung weiter in der Region zu halten. Allerdings soll der Betrieb auch in Zukunft überschaubar und flexibel bleiben, um auf Kundenwünsche rasch reagieren zu können. Quasi symbolisch liessen Jacqueline und Ueli Berger gestern zum Schluss die erste Packung per Ballon in die Luft schweben. Verbunden mit dem Wunsch nach einer weiten Reise. Denn nicht zuletzt ist es das Ziel der einzigen Emmentaler Molkerei, auch ausserhalb des Kantons Bern künftig Kunden zu finden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.12.2016, 06:17 Uhr

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