18'000 Leute drängten ins neue Gefängnis

Burgdorf

Das kantonale Verwaltungszentrum in der Neumatt ist gebaut. Am Samstag wollten auch die Steuerzahler wissen, wie das fertige Werk aussieht. Das führte zu hoffnungslos überfüllten Zellen im Regionalgefängnis.

Zum richtigen Volksfest wurde die Besichtigung des neuen kantonalen Verwaltungszentrums in der Burgdorfer Neumatt.

Zum richtigen Volksfest wurde die Besichtigung des neuen kantonalen Verwaltungszentrums in der Burgdorfer Neumatt.

(Bild: Daniel Fuchs)

Eine Regierungsrätin im Liegestuhl und weit offene Gefängnistüren: Dieses Bild bietet sich am Samstag im kantonalen Verwaltungszentrum, das in der Burgdorfer Neumatt neu entstanden ist. Bevor hier der Normalbetrieb aufgenommen wird, können Interessierte die Anlage besichtigen. Tausende – laut einer Medienmitteilung der Veranstalter 18'000 Personen – nutzen diese Gelegenheit. Und die Allermeisten zieht es sofort zu den Toren des Regionalgefängnisses. In langen Kolonnen stehen sie an, um einen Blick in sonst Verschlossenes zu werfen.

«Wollen wir da wirklich hineingehen?», fragt eine Frau mit bangem Blick zu den vergitterten Fenstern. «Wir wollen», ist die eindeutige Antwort der restlichen Familienmitglieder.

«Es könnte schlimmer sein»

Ein Blick in den Aufnahmeraum bietet noch keinen Stoff für grosse Diskussionen. Doch das ändert sich im oberen Stockwerk. Hier scheiden sich die Geister darüber, wie ein Regionalgefängnis aussehen soll. Die Bilanz zur Einrichtung der Zellen fällt sehr unterschiedlich aus. Für Walter Moser aus Burgdorf ist das Gesehene der reine Luxus. Der 64-Jährige stellt den Vergleich mit Kindern an, die in kleineren und weniger hellen Zimmern leben müssten. «Zudem können längst nicht alle Leute auf solch guten Matratzen schlafen», kritisiert er. Das Fazit von Martin Stucki aus Düdingen fällt etwas differenzierter, aber auch kritisch aus. «Ich habe es mir ehrlich gesagt schlimmer vorgestellt. Hier steht ja beinahe ein richtiges Bett statt einer Pritsche, und es fällt viel Licht ins Zimmer.» Der 53-Jährige hat auch entdeckt, dass die Gitter nicht direkt vor dem Fenster angebracht sind und eine Sonnenstore heruntergelassen werden kann. «Für mich ist die ganze Einrichtung an der oberen Grenze», sagt er. Das offene WC findet er allerdings nicht gut, das sollte nach seinem Empfinden abgedeckt werden. Noch etwas ist Stucki auf seiner Zelleninspektion aufgefallen: «Ich bin irritiert über die Steckdose mit dem TV und dem Internetanschluss.»

Auf dem Gang äussern sich viele Besucher über den fehlenden Fernsehapparat. Dabei überwiegt die Ansicht, dass Zellen ohne Fernseher zur Normalität werden sollten. Doch das wird in Burgdorf nicht der Fall sein. Bereits am Montag werden die Fernseher installiert. «Wir befürchteten Sachbeschädigungen, wie dies beim Tag der offenen Türen öfter der Fall war», begründet Marcel Klee, Leiter des Regionalgefängnisses, die verspätete Montage. Er löst zwischendurch seine Mitarbeitenden im Zellentrakt ab und erteilt Auskunft.

Und dann ist auch für besonders Wissbegierige der Gefängnisrundgang zu Ende. Damit beginnt der Rundgang durch die anderen Verwaltungsabteilungen. Im Gerichtssaal geht es nochmals um Gesetze und deren Vollzug. Richter und Gerichtsschreiber geben eifrig Auskunft. Und an diesem Tag scheint selbst das Steueramt zu interessieren. Vielleicht ist es auch die angekündigte «Steueroase» im vierten Stock. Wer dieser Ankündigung nachgeht, trifft Regierungsrätin Beatrice Simon im Liegestuhl an. Zur Stärkung bietet sie den Besuchern noch einen Most an, bevor diese ihre Entdeckungstour fortsetzen.

Berner Zeitung

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