17 Kandidierende für sieben Sitze

Lützelflüh

In Lützelflüh greifen die Freien Wähler, die EVP und die BDP an. Die FDP kämpft quasi ums Überleben, und die SVP hat ein Luxusproblem: In einem Monat stehen Gemeinderatswahlen an.

Wer zieht ins Gemeindehaus ein? Die Wahlberechtigten entscheiden am 21. Oktober, wer sie die nächsten vier Jahre im Gemeinderat vertritt.

Wer zieht ins Gemeindehaus ein? Die Wahlberechtigten entscheiden am 21. Oktober, wer sie die nächsten vier Jahre im Gemeinderat vertritt.

(Bild: Thomas Peter)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Über mangelndes Interesse an Politik kann man sich im Gotthelf-Dorf nicht beklagen. Zumindest nicht über fehlende Akteure. Während es andere Gemeinden immer schwerer haben, überhaupt Leute für die Listen zu finden, können sich die Stimmberechtigten von Lützelflüh über 17 Kandidierende für die Gemeinderatswahlen freuen.

Auch wenn es politisch derzeit etwas ruhig zu- und hergeht, verspricht der Wahlkampf spannend zu werden. Aktuell sitzen für die SVP drei und je eine Person für BDP, FDP, Freie Wähler (FW) und EVP im Rat.

Anna Maurer von der FDP muss wegen Amtszeitbeschränkung den Hut nehmen. Und Peter Bärtschi, für die Freien Wähler im Gremium, hört bereits nach einer Legislatur wieder auf. Er war als Präsident der Schulkommission wegen Querelen um eine frühere Schulleitung in die Schlagzeilen geraten.

Ob sein Verzicht etwas ­damit zu tun hat, sagt er nicht, dafür aber: «In unserem bewährten System mit Amtszeitbeschränkung ist es nicht sinnvoll, wenn zu viele Personen mit gleicher Amtsdauer im Rat sind. Schon rein rechnerisch sollten pro Legislatur zwei Personen neu dazukommen.» Er unterstütze aber die Bisherigen bei ihrer Kandidatur zur Wiederwahl, sagt Bärtschi noch.

So ergibt sich also folgende Ausgangslage: Fünf von den sieben Bisherigen treten wieder an.

EVP und Freie Wähler

Ein Blick auf die Wahllisten zeigt: BDP, EVP und die Freien Wähler haben Grosses vor. Die FDP und die SVP geben sich überraschend zurückhaltend, und alle treibt die Frauenfrage um. Denn Anna Maurer war die einzige Frau im Rat.

Gerade die Freien Wähler haben sich das zu Herzen genommen. Sie gehen mit einem Kandidaten und zwei Kandidatinnen ins Rennen. «Das Ziel war sogar eine reine Frauenliste», erklärt Parteimitglied Hans Flückiger. Es sei aber schwer gewesen, genügend Frauen für ein Amt zu motivieren. Obwohl es genügend männliche Bewerber gegeben hätte, hat sich die Partei deshalb entschieden, die Liste mit einer Frauenmehrheit zu belassen. Das Ziel ist aber klar: einen zweiten Sitz zu ergattern. Dafür gehen sie auch wieder eine Listenverbindung mit der EVP ein.

Auch auf deren Liste stehen zwei Frauen. Jedoch auch drei Männer. Für die Evangelische Volkspartei zählt weniger die Frauenquote als vielmehr ein guter Mix, wie Lukas Zimmermann, Verantwortlicher für Gemeinderatswahlen, sagt. Sie führt denn auch eine Liste mit Leuten jeder Altersgruppe, mit unterschiedlichem beruflichem Hintergrund und Wohnort in der Gemeinde.

Zimmermann verhehlt nicht, dass die EVP auf kommunaler Ebene auf viele ­engagierte Leute zurückgreifen könne. Das Ziel am 21. Oktober sei sicher, den einen Sitz zu er­halten. Die Chancen auf einen zweiten seien relativ klein.

BDP

Ebenso angriffig gibt sich die BDP. Neben Hans Ulrich Salzmann, Bisheriger und Sektionspräsident, führt die Liste noch drei weitere Namen, darunter zwei Frauen. Für Salzmann ist klar: Das Ziel ist ein weiterer Sitz. «Die Chancen sind intakt», sagt er. Man habe die Liste sogar füllen wollen. Leider hätten nicht genug Leute gefunden werden können.

Hört man Salzmann zu, scheint es, dass die BDP ihre Chance für gekommen sieht, nach acht Jahren mehr Platz im Rat zu bekommen. Er lässt sogar durchblicken, dass das Präsidium ein Ziel ist, wenn auch erst in vier Jahren. Salzmann selber könnte nicht kandidieren – wegen der Amtszeitbeschränkung. Aber eine Parteikollegin im Rat dann eben schon.

SVP und FDP

Etwas passiv wirkt die SVP. Sie tritt nur mit den drei Bisherigen an. Sektionspräsident und Grossrat Alfred Bärtschi erklärt wieso und nennt es ein Luxusproblem. Die SVP hätte durchaus zwei, drei weitere Kandidatinnen gehabt, so der Grossrat. Nur sei es schwierig, sich auf einer Liste mit drei Bisherigen behaupten zu müssen. «Die Chancen sind klein», sagt er. Das könne zu Frust führen. Dem habe sich dann niemand aussetzen wollen. Bärtschi sieht vor, in vier Jahren wieder mit einer vollen Liste anzu­greifen.

Noch weniger ambitiös ist die FDP. Nur zwei Leute stehen auf ihrer Liste. Zwei Männer. Einer davon ist der Präsident, der andere der Ortsvertreter Thomas Kläsi. Er gibt offen zu: «Wir haben ein Rekrutierungsproblem.» Das Ziel seien vor allem Junge zwischen 25 und 35 Jahren gewesen. Mitglieder habe man gefunden. Kandidatinnen und Kandidaten aber keine. «Wir müssen uns selber an der Nase nehmen», sagt Kläsi. «Wir waren zu wenig präsent.» Die Hoffnung auf einen Sitz bleibe – «aber es wird schwierig.»

Die Kandidierenden.

Freie Wähler: Stephan Debrunner (parteilos), Stefanie Gsell-Flückiger, Angela Kobel BDP: Hans-Ulrich Salzmann (bisher), Murielle Blaser Zimmermann, Jolanda Rüttimann, Marcel Erhard SVP: Kurt Baumann, Andreas Meister, Beat Zaugg (alle bisher) EVP: Franz Held (bisher), Fritz Peyer, Sarah Botha, Daniela Iseli, Gerhard ­Eggimann FDP: Thomas Kläsi, Michael Barontini

Berner Zeitung

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