11 Millionen für trockene Füsse

Oberburg

Das Projekt des Hochwasserrückhaltebeckens Luterbach kommt in die entscheidende Phase: In Kürze stimmt die Schwellenkorporation über den 11-Millionen-Franken-Kredit ab. Ab 2018 könnten die Oberburger vor Hochwasser sicher sein.

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Nein, das gleiche Schicksal, wie es den Schangnauer Gemeindepräsidenten Ueli Gfellerin den letzten Wochen ereilt hat, möchte Rita Sampogna auf keinen Fall erleben müssen. Dessen Gemeinde wurde vor Monatsfrist von heftigen Überschwemmungen heimgesucht. Dass sich die Oberburger Gemeinderatspräsidentin Sorgen macht, ist verständlich.

Am 1.Juli 1987 hatte ein Unwetter über den Einzugsgebieten des Luterbachs und des Biembachs verheerende Folgen. Die Gemeinde Oberburg hatte nicht nur Schäden in Höhe von 7,5 Millionen Franken, sondern auch ein Todesopfer zu beklagen. 13 Jahre später wurde das Dorfgebiet von Oberburg und das Burgdorfer Schlossmattquartier nach starken Niederschlägen von Wassermassen überflutet. 700 Gebäude- und Mobiliarschäden mit einer Gesamtsumme von 20 Millionen Franken waren die Folge. Allein der Gemeinde und der Schwellenkorporation Oberburg erwuchsen Schäden von 3,6 Millionen Franken.

Es darf nicht gebaut werden

Die Überflutungsgefahr ist denn auch der Grund, weshalb die Gefahrenkarte der Gemeinde Oberburg gleich hektarenweise blau eingefärbt ist. «Blaue Zonen bedeuten, dass hier nicht gebaut werden kann», stellte Rita Sampogna an der Informationsveranstaltung vom Donnerstagabend zum Thema Hochwasserschutz fest und ergänzte: «Dabei wäre Bauen für unsere Gemeindeentwicklung wichtig.»

Komme dazu, betonte sie, die mit ihren Gemeinderatskollegen in den letzten Monaten ein Sparpaket erarbeitet hat, «dass wir uns neuerliche Millionenschäden nicht leisten können.» Deshalb sei der Bau des Hochwasserrückhaltebeckens Luterbach «eine grosse Chance für Oberburg». Denn nichts zu tun, um damit allein Geld zu sparen, «ist eine kurzfristige Betrachtungsweise.»

Relativ hohe Investition

Der Bau von Hochwasserschutzmassnahmen und der gesetzlich vorgeschriebenen Gewässerrevitalisierung ist mit Kosten von 11 Millionen Franken tatsächlich ein Riesenprojekt. Martin Zurflüh, Gemeindeschreiber und Geschäftsführer der Schwellenkorporation, geht davon aus, dass das Oberburger Hochwasserschutzprojekt derzeit eines der grössten im Kanton ist.

Selbst wenn der Kanton Bern und der Bund 78 Prozent der Gesamtkosten tragen dürften, bleibt der Schwellenkorporation als Bauherrin immer noch ein respektabler Restbetrag von etwa 3 Millionen Franken. Allerdings: Beim Hochwasser im Juni 2000 hatten Gemeinde und Schwellenkorporation für ein einziges Ereignis höhere Kosten zu tragen.

Maximal 10,5 Kubikmeter

Zentrales Bauwerk ist das Hochwasserrückhaltebecken Luterbach im Gebiet Freudigenschwendi. An der engsten Stelle des kleinen Tals wird ein 11,5 Meter hoher und 80 Meter breiter Damm gebaut. Dieser wird nach dem Vorbild des Münsinger Grabenbachs (siehe Bild unten rechts) nicht aus Beton gebaut, sondern aufgeschüttet und damit wieder zu einer Grünfläche. Der Damm sorgt dafür, dass der Luterbach bei einem sogenannten Jahrhunderthochwasser nicht ungebremst talwärts rauscht und in Oberburg und im Schlossmattquartier zu Überschwemmungen führt – so, wie dies im Jahr 2000 geschah.

Konkret: Führt der Luterbach 17 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, sorgt eine Drosselklappe im Damm dafür, dass die Wassermenge auf 1,5 Kubikmeter pro Sekunde reduziert wird. Zusammen mit den Wassern des Krauchtalbachs, des Biembachs und weiterer kleinerer Gerinne resultiert eine Wassermenge von 10,5 Kubikmeter pro Sekunde, welche dann im Oberburgbach der Emme zufliessen. Mehr Wasser vermag der Oberburgbach nicht zu «schlucken». Andernfalls droht dem Dorfgebiet und dem Burgdorfer Schlossmattquartier ein Hochwasser.

640 Meter neue Strasse

Jene 15,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, welche durch die Drosselklappe im Damm zurückgehalten werden, füllen nach und nach das Rückhaltebecken. Das Volumen des künstlichen Sees wäre bei solch einem Jahrhunderthochwasser nach drei Stunden erreicht. Maximal, das heisst, kurz bevor das Wasser über die Dammkrone läuft, könnte das Becken 200'000 Kubikmeter aufnehmen.

Die Stauung des Luterbachs führt bei einem Hochwasser allerdings dazu, dass das Tal auf einer Länge von einigen Hundert Meter überschwemmt wird. Dadurch wird die Liegenschaft von Kurt Schaffer überflutet. Dieser erklärte sich bereit, sein Haus zu verlassen, er wird jedoch mit 1,45 Millionen Franken für eine Ersatzliegenschaft und die Umsiedlungskosten entschädigt.

Folgen hat der Bau des Damms auch für die Strasse durch das Tal. Die Luterbachstrasse wird künftig in einem weiten Bogen von der rechten Talseite über die vier Meter breite Dammkrone auf die linke Talseite geführt. Für den Bau des Hochwasserrückhaltebeckens und den Neubau der Luterbachstrasse auf einer Länge von 640 Metern wird mit Kosten von 8,3 Millionen Franken gerechnet.

Zweijährige Bauzeit

Gebaut werden kann das 11 Millionen Franken teure Hochwasserschutzprojekt – dieses beinhaltet neben Regenrückhaltebecken und Revitalisierung des Bachbettes auch Kosten für Landkäufe und Umsiedlung – erst, wenn die Schwellenkorporation den Kredit bewilligt und die Landumlegung über die Bühne gebracht hat. Will heissen: Damit nicht nur einzelne Bauern Land hergeben müssen, sollen etliche Landeigentümer nach einer Art Opfersymmetrie Konzessionen machen.

Dafür werden sie nicht flächen-, sondern wertmässig entschädigt. Bei einer Bauzeit von knapp zwei Jahren könnte das Bauwerk im Jahr 2018 seine Funktion übernehmen und die Oberburger Bevölkerung und die Bewohner des Burgdorfer Schlossmattquartiers vor einem Hochwasser bewahren.

Berner Zeitung

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