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Zumindest die Fälschungen sind echt

Im Hotel Stadthaus in Burgdorf sind momentan rund 100 Gemälde von weltberühmten Künstlern zu bewundern und sogar zu kaufen. Millionen muss man dafür nicht aufwerfen, denn dabei handelt es sich um legale Fälschungen.

Ist stolz auf die falschen Originale: Yvonne Bettinger vom International Imaginary Museum vor einem Gemälde Pierre-August Renoirs.
Ist stolz auf die falschen Originale: Yvonne Bettinger vom International Imaginary Museum vor einem Gemälde Pierre-August Renoirs.
Thomas Peter
«Mona Lisa» von Leonardo da Vinci.
«Mona Lisa» von Leonardo da Vinci.
Thomas Peter
«Fünfzehn Sonnenblumen» von Vincent van Gogh.
«Fünfzehn Sonnenblumen» von Vincent van Gogh.
Thomas Peter
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Verlockt auf dieser Staffelei nicht der berühmte «Knabe mit der roten Weste» von Paul Cézanne zur Betrachtung, der erst vor einigen Jahren aus der Sammlung Bührle gestohlen wurde? Und hängt dort tatsächlich die «Mona Lisa» von da Vinci, zu deren Bewunderung man eigentlich in den Louvre nach Paris fahren muss? Nur ruhig Blut, kein spektakulärer Kunstraub, keine Polizei muss eingreifen – all diese Schätze aus internationalen Kunstmuseen sind «echte» und gut gemachte Fälschungen. Ab heute Freitag bis Sonntag laden im Hotel Stadthaus rund 100 weltberühmte Gemälde zu intensiven Betrachtungen, zeigen perfekte Pinselstriche und betörende Farbnuancen praktisch analog den beinahe unbezahlbaren Originalen.

Das International Imaginary Museum (IIM) macht die Werke der längst verstorbenen Meister erschwinglich: Die Preise für die Fälschungen samt Rahmen liegen zwischen 2000 und 5000 Franken.

Alles ganz legal

Yvonne Bettinger führt seit eineinhalb Jahren die Geschicke des IIM, das 1987 von Bruno Schmid aus Zürich gegründet wurde. Ein Freund des damaligen Piloten und Weltenbummlers hatte ein vermeintliches Original von Joan Miró gekauft, das sich bei der Expertise als Fälschung entpuppte. Schmid entschied darauf spontan, für Interessierte ganz legale Fälschungen durch heutige Künstler herstellen zu lassen und diese im IIM via Internet und an Ausstellungen anzubieten. Die Idee war und ist erfolgreich, wie Yvonne Bettinger weiss. Dabei werden Material (Leinwand oder Papier), Farbpigmente, Farbschichten und Perspektiven so exakt wie möglich kopiert und eingesetzt, erklärt die IIM-Leiterin.

Die Fälschungen werden von Fachexperten geprüft und ganz legal gekennzeichnet für den Verkauf freigegeben. Jedes Bild erhält ein Zertifikat und wird direkt auf der Rückseite als Fälschung deklariert, damit weder Diebstahl noch unlauterer Handel attraktiv sind. «Unseren Interessenten können wir rund 350 Gemälde aus allen internationalen Künstlerkreisen anbieten», erklärt Yvonne Bettinger.

Warten auf Picasso und Dalí

Sie freut sich, wenn 5 bis 10 Gemälde neue Besitzer finden. Interessenten dürfen Bilder zur Probe auch nach Hause nehmen, um vor Ort zu entscheiden, ob das Kunstwerk ihnen und dem Raum entspricht. Noch ein paar Jahre warten muss das IIM auf legal gefälschte Werke von Pablo Picasso, Salvador Dalí oder Paul Klee, da 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers vergangen sein müssen, bevor legale Fälschungen hergestellt werden dürfen.

Die Qualität der gezeigten Werke ist auch für Laien nicht in jedem Fall genau gleich. Das grossformatige «Frühstück der Ruderer» von Jean Renoir überzeugt in Farben, Strahlkraft und Anordnung völlig, wogegen «Das Mädchen mit dem Perlohrring» von Jan Vermeer um die Mundpartie nicht ganz dem Original entspricht. «Unsere Fake-Künstler sind häufig Museumsrestauratoren mit grossem Fachwissen, welche die Werke ihrer eigener Auswahl gekonnt wiedergeben Doch beschäftigen wir auch Nachwuchskünstler, die den von ihnen ausgesuchten Werken mit Details ihren eigenen Stempel aufdrücken», sagt Yvonne Bettinger. Sie betont, dass durchschnittlich 100 bis 350 Stunden Arbeit für ein nachgestelltes Gemälde aufgewendet werden. Für «Wunschfälschungen» muss ein Kunde drei bis sechs Monate Zeit einplanen, da die Fälschungen meist in der Freizeit der Maler entstehen.

Wunsch: Dauerausstellung

Yvonne Bettinger wünscht sich, ihre Sammlung imaginärer Meisterwerke auch ausserhalb von Ausstellungen und ihrem Lager in Rheinfelden in einem realen Museum permanent zu zeigen. Bis dahin kann sich der Betrachter im Internet und während der nächsten drei Tage im Hotel Stadthaus auf direkte Begegnungen freuen. Beispielsweise auf rosig überhauchte Frauen von Renoir, graziöse Tänzerinnen von Degas, reizvolle Fluss- und andere Landschaften von Turner oder die blauen Pferde von Franz Marc.

International Imaginary Museum im Hotel Stadthaus Burgdorf vom 18. bis 20. Januar 2013.

Öffnungszeiten: Freitag und Samstag 10 bis 20 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr. Eintritt frei.

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