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«Zeugen Jehovas lassen kaum eigenes Denken zu»

Für den habilitierten Theologen Matthias Zeindler ist es legitim, wenn man die Zeugen Jehovas als Sekte bezeichnet. Dass von der Gruppierung eine Gefahr für die breite Öffentlichkeit ausgeht, glaubt er dagegen nicht.

Der landeskirchliche Theologe Matthias Zeindler kann freikirchliche Frömmigkeit verstehen, übt in wichtigen Punkten aber auch Kritik.
Der landeskirchliche Theologe Matthias Zeindler kann freikirchliche Frömmigkeit verstehen, übt in wichtigen Punkten aber auch Kritik.
Urs Baumann

Herr Zeindler, handelt es sich bei den Zeugen Jehovas um eine Sekte oder nicht? Matthias Zeindler: Unter Theologen und Religionswissenschaftern ist umstritten, ob der Begriff Sekte zur Bezeichnung von religiösen Gemeinschaften noch taugt – immerhin enthält er starke Wertungen. Ich halte es für sinnvoll, dann von Sekten zu sprechen, wenn die persönlichen Entscheidungen stark eingeschränkt werden. Das ist bei den Zeugen Jehovas weitgehend der Fall. Sie lassen bei ihren Mitgliedern kaum eigenes Denken zu und verlangen, dass vorgegebene Wahrheiten akzeptiert werden. Auch was den Ausschluss von abtrünnigen Mitgliedern angeht, sind die Zeugen Jehovas radikal. Sie verbieten selbst dann den Kontakt, wenn dadurch Familien auseinandergerissen werden. Auch sonst wird das Leben der Mitglieder durch die Gemeinschaft stark bestimmt, sei es durch die zahlreichen Gottesdienste, sei es durch die Missionseinsätze, über die genau Buch geführt wird.

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