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Wanderbus: Viele Passagiere, tiefe Erträge

Die Wanderbusse der Busland AG bringen in diesen Wochen wieder Hunderte von Berggängern auf die Lüderenalp oder aufs Chuderhüsi. Hinter den Kulissen wird nach neuen Finanzierungsmodellen gesucht, weil das Angebot nicht kostendeckend ist.

Touristischer Busverkehr 2007-2012: Anzahl Fahrgäste, nach Buslinien
Touristischer Busverkehr 2007-2012: Anzahl Fahrgäste, nach Buslinien
Grafik BZ

Einsteigen, bitte: Wem dieser Tage danach ist, in den Emmentaler «Högern» eine schöne Wanderung zu unternehmen und die letzten warmen Tage des Jahres zu geniessen, der wird möglicherweise gerne auf das Angebot der Busland AG zurückgreifen: Seit nunmehr sieben Jahren fahren die Wanderbusse der BLS-Tochter die Naturfreunde zwischen Mai und Oktober jeweils am Sonntag aufs Chuderhüsi, die Mettlenalp oder die Lüderenalp und zurück. Und dies zum normalen Libero-Tarif ohne Sonderzuschlag.

Die Linien 271, 284 und 285 erfreuen sich grosser Beliebtheit: Pro Saison befördern die Wanderbusse zwischen 9000 und 11'500 Personen. Besonders hoch im Kurs stehen die Fahrten auf die Lüderenalp, diese Linie befördert weitaus am meisten Passagiere. Letztes Jahr gab es wegen des schlechten Wetters im Oktober einen kleinen Einbruch.

Langnau soll entlastet werden

Obwohl die Busland AG das Angebot der Wanderbusse als Erfolg bezeichnet, gibt es derzeit doch einige Fragezeichen. Wie so oft geht es ums liebe Geld. Denn weil es sich bei den drei Kursen um touristischen Verkehr ohne Erschliessungsfunktion handelt, ist dieser nicht abgeltungsberechtigt. Das heisst, für die Wanderbusse braucht es eine separate Finanzierung. Diese sieht aktuell so aus, dass die vier Standortgemeinden der drei Buslinien – Langnau, Sumiswald, Trub und Röthenbach – zusammen 60 Prozent der Kosten tragen. Weitere 20 Prozent steuern Dritte bei, dazu gehört auch der Verein Region Emmental. Und die restlichen 20 Prozent übernimmt Busland, indem das Unternehmen Leistungen nicht verrechnet. Ohne diese Gratisleistung wären die drei Linien nicht kostendeckend. Die Gesamtkosten für die Wanderbusse liegen im mittleren fünfstelligen Bereich. Die Erträge aus den Billetteinnahmen decken davon aktuell gerade mal 5 Prozent.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Gemeinde Langnau von allen Partnern die wichtigste Zahlerin ist. Und weil Langnau derzeit mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat und gar eine Steuererhöhung diskutiert wird, steht der Beitrag an den Wanderbus auf wackligen Füssen, obwohl dieser nach Leistungsvereinbarung mit Busland bis 2017 geschuldet wird. «Die Verantwortlichen von Langnau haben mit uns das Gespräch gesucht», sagt Manuela Lüthi. Sie ist beim Transportunternehmen als Kundenmanagerin für das Projekt Wanderbus zuständig. Dabei hätten die Langnauer signalisiert, dass sie eine Reduktion des aktuellen Sockelbeitrags wünschten. «Es ist unser Ziel, die vier Standortgemeinden finanziell zu entlasten», beteuert die Kundenmanagerin. Dazu sei man aber auf zusätzliche Einnahmen, verstärkte Marktbearbeitung und neue Partner angewiesen.

Kein Ausbau möglich

Manuela Lüthi ist zuversichtlich: «Es sieht so aus, als könnten wir im nationalen Tarif ab 2014 leicht höhere Preise verlangen.» Man stecke momentan in Verhandlungen mit den Tarifpartnern. «Die Preismassnahmen werden zu gegebenem Zeitpunkt kommuniziert.» Die Anpassung hätte zur Folge, dass künftig Touristen, die von ausserhalb des Libero-Tarifverbunds ins Emmentaler Hügelgebiet reisen und den Wanderbus nutzen, einen höheren Preis bezahlen müssten. Pro Jahr sind das in der Regel rund 5000 Fahrgäste.

Von der Erhöhung nicht betroffen wären vorläufig die Einheimischen und alle anderen, die ein normales Libero-Ticket lösen können. «Im Libero-Verbund haben wir keine Tarifhoheit», erklärt Busland-Chef Daniel Lauterburg. «Wir können dort nicht einfach einen Zuschlag einführen.» Und weil Libero einen touristischen Zuschlag bisher nicht kenne, bleibe preislich vorerst alles beim Alten.

Neben den zu erwartenden Zusatzeinnahmen aus dem Billettverkauf sowie den erhofften Erträgen aus Marktbearbeitung und Sponsoring hofft Busland darauf, auf nächstes Jahr die eine oder andere zusätzliche Gemeinde motivieren zu können, an das Wanderbus-Angebot zu zahlen. «Es sieht im Moment gut aus», sagt Manuela Lüthi. Grosse Sprünge wird der Busbetrieb aber auch danach nicht machen können. «Es geht uns primär darum, das bisherige Angebot zu erhalten und die Gemeinden zu entlasten», sagt Lauterburg. An einen Ausbau des Wanderbusses an Samstagen oder Wochentagen sei aber nicht zu denken.

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