Vom Siegermuni wollen sie nur das eine

Vor gut einem Monat wurde Fors vo dr Lueg, der Stier von Schwingerkönig Matthias Sempach, bei Swissgenetics eingestallt. Dort geniesst er ein ruhiges Dasein. Lediglich zweimal pro Woche muss er vollen Einsatz leisten.

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Das Blitzen des Fotoapparates stört ihn nicht, unbeeindruckt frisst Fors vo dr Lueg weiter. Vor ihm liegen rund zehn Kilo Heu, was einer Tagesration entspricht. Dazu kommen zwei Kilo Kraftfutter und die gleiche Menge Silage. Nach einer 35-tägigen Quarantäne kam der Muni des Schwingerkönigs Matthias Sempach vor einem Monat zu Swissgenetics (siehe Infobox) nach Mülligen.

Dort ist Fors vo dr Lueg mit 15 Artgenossen in einem grossflächigen Stall untergebracht. Jedes Tier hat eine eigene 21 Quadratmeter grosse Box mit Auslauf. Als Liegeplatz dient ein mit Gummimatte gepolstertes und mit reichlich Stroh bestreutes Hochbett. Tierarzt Josef Kneubühler ist sich sicher: «Fors vo dr Lueg hat sich gut eingelebt.» Das merke man an seinem ruhigen Verhalten.

Ab in die Sprunghalle

Es ist kurz nach acht Uhr am Morgen. Auf dem grossen Anwesen von Swissgenetics sind die Tierpfleger schon seit langem an der Arbeit; 160 Stiere, verteilt auf vier Ställe, wollen versorgt sein. Und während Fors vo dr Lueg immer noch mit seinem Frühstück beschäftigt ist, wird er von einem Tierpfleger abgeholt. Denn zweimal pro Woche muss der Swiss-Fleckvieh-Stier vollen Einsatz leisten. Zu diesem Zweck wird der Siegermuni in die Sprunghalle geführt, die nur einen Steinwurf von seinem Stall entfernt liegt. Dort stehen bereits circa 15 Stiere nebeneinander in einem Halbkreis und schauen zu, wie ein Artgenosse auf den Phantombock aufspringt.

Auf einen Laien wirkt die Situation befremdlich, doch die Vorgehensweise habe ihre Berechtigung, erklärt der Tierarzt. «Das Aufspringen liegt in der Natur der Tiere.» Aus diesem Grund bestehe die Gruppe aus Munis unterschiedlichen Alters; allein durchs Zuschauen können die Jüngeren von den Älteren lernen. Ruhig steht Fors vo dr Lueg inmitten seiner Kollegen. Dann ist die Reihe an ihm. Problemlos springt das über eine Tonne schwere Muskelpaket auf den Phantombock. Nach ein paar Sekunden ist sein Samen abgezapft – der Stier hat jetzt Feierabend.

Sperma wird direkt abgefüllt

Der kostbare Saft wird unverzüglich verarbeitet. Direkt neben der Sprunghalle befindet sich das Labor. Hier wird der Samen zuerst auf seine Qualität geprüft. Stimmt diese, wird das Sperma mit einer speziellen Lösung verdünnt und in kleine Röhrchen abgefüllt. Pro Sprung können das bei Fors vo dr Lueg bis zu 1000 Portionen sein. «Pro Samendose braucht es mindestens 15 Millionen Spermien», erklärt Tierarzt Josef Kneubühler.

Zum Schluss werden die Samendosen tiefgefroren und bei minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff gelagert. Vom Sprung auf den Phantombock bis zum Abfüllen der Röhrchen dauert es weniger als eine Stunde. Bevor die Samendosen in den Verkauf gelangen, kommen sie während 30 Tagen in eine sogenannte Samenquarantäne. Mit dieser Frist sei die Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen einer Infektion durch einen Krankheitserreger und dem Auftreten der ersten Symptome einer Krankheit, abgedeckt, erklärt der Fachmann.

Mitte Dezember wird diese Frist für die ersten Portionen von Fors vo dr Lueg verstrichen sein. Dann kommen die Dosen für 50 Franken pro Stück in den Verkauf. Der Tierarzt geht davon aus, dass die Nachfrage gross sein wird.

Muni bleibt bis Februar 2014

Kost und Logis muss Matthias Sempach für seinen Muni nicht bezahlen. Der Schwingerkönig stellt Swissgenetics das Tier zum Absamen zur Verfügung. Die Samenproduktion erfolgt auf Kosten von Swissgenetics, Sempach erhält nach dem Verkauf eine Vergütung, quasi eine Miete für den Stier. Zudem werden pro Dose 10 Franken (je 5 Franken von Sempach und Swissgenetics) an die Jungzüchter sowie eine Hilfsorganisation für Kinder gespendet.

Fors vo dr Lueg bleibt voraussichtlich bis Ende Februar 2014 bei Swissgenetics. Es kursiert das Gerücht, dass Matthias Sempach den Siegermuni danach bei einem Landwirt in Willadingen einstallen will. Das Management von Sempach bestätigt diese Aussage nicht. «Der künftige Ort ist Gegenstand der derzeitigen Abklärungen», sagt Roger Fuchs.

Berner Zeitung

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