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Verging sich ein Chef an seinem Zögling?

Blieb es beim einen Schäferstündchen, das der Jüngere initiiert hatte? Oder verging sich der Ältere gar mit Gewalt noch drei weitere Male an seinem Zögling? Was auf dem abgelegenen Heimet geschah, beschäftigt das Gericht in Langnau.

«Es ist schon ‹starker Tubak›, zu hören, wie über mich derartige Unwahrheiten unter die Leute gebracht werden.» Denn eigentlich, führte der Angeklagte weiter aus, sei das Verhältnis zu seinem Schützling bis zum Schluss gut und entspannt gewesen. Er denke, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht habe.

Ein betreuter Platz

Dessen ungeachtet wiederholte der junge Mann die massiven Sexvorwürfe gegen seinen ehemaligen – und übrigens mehr als doppelt so alten – Chef auch gestern vor dem Gericht in Langnau wieder. 19-jährig war er, als er auf einem Heimet weit hinten in den Emmentaler Hügeln einzog. Mit dem Einverständnis seiner Vormundin hatte er hier einen betreuten Platz zum Wohnen und Arbeiten gefunden, was angesichts der Schwierigkeiten, die sich ihm bislang in der Schule und generell im Leben gestellt hatten, keine Selbstverständlichkeit war.

Immer mehr zur Sache

Am Anfang sei der Angeklagte nicht über anzügliche Sprüche hinausgegangen. Er habe ihm zu bedeuten gegeben, dass er ihm einen blasen wolle, oder von seinem «sexy Körper» geschwärmt. Später sei er handgreiflich geworden – der junge Mann schilderte eine Szene, wie sie sich in ähnlicher Art noch zwei weitere Male zugetragen habe.

Sie seien abends gemeinsam auf dem grossen Kachelofen in der Stube gesessen, er auf der oberen Etage und der Angeklagte auf der unteren. Plötzlich habe er gespürt, dass er von unten her gestreichelt worden sei, die Hände seien immer höher gekommen, hätten schliesslich an seinem Geschlecht zu spielen begonnen. «Ich mag das nicht», habe er noch gesagt – schon sei er vom Älteren gepackt und ins Schlafzimmer gezerrt worden. Er habe versucht, sich am Türpfosten festzuklammern, doch vergebens, auch später im Bett habe er gegen die kräftigen Beine seines Gegenübers keine Chance gehabt.

So kam es zu den drei Szenen, in denen es laut Anklageschrift immer mehr zur Sache ging. Erst befriedigte sich der Angeklagte nur selber, dann brachte er auch den Jüngling zum Höhepunkt, beim letzten Mal soll er gar versucht haben, in den jungen Mann einzudringen.

Wer machte Avancen?

Aber eben, der so Beschuldigte blieb gestern vor Gericht dabei, dass dies alles nicht wahr sei. Der Jüngling habe vielmehr Mittel und Wege gesucht, um möglichst schnell vom abgelegenen Heimet wegzukommen. Mit diesem Ziel vor Augen sei er sich ganz offensichtlich zum Lügen nicht zu schade gewesen – und: Wenn schon, dann sei es der junge Mann gewesen, der Avancen gemacht habe.

Der Angeklagte, seit zwanzig Jahren fest mit einem Partner liiert, erzählte von einem gemeinsamen Bad im Freien. Dabei habe der Jüngere plötzlich wissen wollen, wie es denn bei schwulem Sex so zu- und hergehe. Vielleicht könne man es ja zusammen gleich ausprobieren – doch er, der Ältere, habe strikte abgelehnt, er habe ja gewusst, «dass alle rundherum nur darauf warten, dass etwas vorfällt».

«Die ganze Pracht»

Passiert ist es später dennoch, wenn auch ohne Gewalt, wie der Angeklagte weiter schilderte. Er sei schon im Bett gelegen, als der Jüngling, nur mit einem Badetuch bedeckt, ins Schlafzimmer gekommen und zu ihm geschlüpft sei. «Unvermittelt entblösste er sich, die ganze Pracht lag vor mir – es ist schon schwierig, neben einem so gut aussehenden jungen Mann stark zu bleiben. Obwohl ich heute sehr bereue, ihn nicht auf der Stelle weggeschickt zu haben.»

So habe er ihn erst am Bauch gestreichelt, habe gesehen, wie rasch er erregt worden sei – und ihn sowie sich selber befriedigt. Nach dem Akt habe ihn der junge Mann um Verschwiegenheit gebeten, denn schliesslich sei er, der Jüngere, ja nicht schwul.

Diesmal freiwillig

Wie war es denn nun? Erst auf Nachfrage von Richter Samuel Schmid gibt der Jüngere zu Protokoll, dass es zu diesem Schäferstündchen tatsächlich auch noch gekommen sei. Und ja, er habe freiwillig mitgemacht, die Schilderung stimme so. Wann es genau zu diesem intimen Kontakt gekommen sei, könne er aber nicht mehr sagen.

So oder so, vor Gericht liess der junge Mann keinen Zweifel darüber aufkommen, wie sehr ihn die drei anderen Vorfälle mitgenommen hätten. Den Bruder und die Leute auf dem Nachbarheimet habe er trotzdem erst nach dem dritten Mal ins Vertrauen gezogen, weil er zuerst von zwei Ausrutschern seines Chefs ausgegangen sei. Dann sei er auch gleich vom Heimet weggezogen.

Das Gericht fällt sein Urteil am Freitag.

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