Bumbach erhält finanzielle Unterstützung

Schangnau

Rund 10 bis 20 Millionen Franken dürften die Unwetterschäden alleine in der Gemeinde Schangnau hinterlassen haben. An einer Infoveranstaltung wurde aufgezeigt, wer mithilft die Kosten zu decken.

  • loading indicator

«Wir haben alle Schutzengel in Anspruch nehmen dürfen, es ist ein Wunder sind wir noch alle da», hielt Schangnaus Gemeindepräsident Ueli Gfeller fest. Die Gemeinde hatte zum Informationsabend in die Turnhalle Bumbach geladen um aufzuzeigen, wer mithelfen wird, die nun schon über eine Woche andauernden Aufräum- und Instandstellungsarbeiten zu bezahlen. Mit rund 10 bis 20 Millionen Franken dürften die Unwetterschäden alleine in der Gemeinde Schangnau und der weiteren Umgebung zu Buche schlagen. Obs reicht, weiss eigentlich niemand.

In die Turnhalle gekommen waren über 200 Personen. Gekommen war aber auch Barbara Egger-Jenzer (SP), Präsidentin des Berner Regierungsrates. «Ich bin von der gegenseitigen Hilfsbereitschaft sehr beeindruckt, dies ist gelebte Solidarität», sagte sie.

Und weiter: «Ich verspreche euch, dass der Kanton dort, wo es möglich ist, die Gemeinden kräftig unterstützen wird.» Etwa bei künftigen Hochwasserschutzmassnahmen, Verbauungen oder Strassensanierungen. Die Regierungspräsidentin hielt auch kurz inne: «Wir müssen lernen, der Natur mehr Respekt zu zollen.»

Jetzt Zusammenstehen

Nach Bumbach gekommen war an diesem Abend auch Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger (CVP). «In solchen Situationen ist es besonders wichtig, dass eine Gemeinschaft zusammensteht», betonte er. Gefragt sei jetzt viel Geduld. «Gemeinsam mit Bund, Kanton und der Gemeinde sind wir in der Lage, diese Katastrophe zu meistern.»

Wie Fachleute von Versicherungen und vom Amt für Landwirtschaft aufzeigten, würden die Gebäudeversicherung (GVB), die Hagelversicherung aber zum Beispiel auch eine Mobiliarversicherung für Schäden aufkommen. «Auch Eigenleistungen werden entschädigt», erläuterte Hans Bracher von der GVB.

Finanzielle Unterstützung sicherte auch Roger Stucki vom Amt für Landwirtschaft zu. Bei landwirtschaftlichen Wiederherstellungsprojekten würden bis zu 70 Prozent der Kosten durch das Amt übernommen. «Wir machen bestimmt alles maximal mögliche», betonte der Landwirtschaftsvertreter. Anlaufstelle für die Betroffenen sei aber in jedem Fall die Gemeinde.

Finanzielle Unterstützung leisten werde auch der Schweizerische Fonds für Hilfe bei nicht versicherbaren Elementarschäden. Dessen Geschäftsführer Daniel Arni zeigte auch die Grenzen des Fonds auf: «Alles was versicherbar ist, können wir nicht berücksichtigen.»

Wasserbaukonzept in Arbeit

Wie Roger Schibler, Kreisoberingenieur, ausführte, ist der Kanton in Zusammenarbeit mit der örtlichen Schwellenkorporation bereits daran, ein Konzept für Wasserbaumassnahmen im Gebiet auszuarbeiten. Dabei werde auch der Kanton Luzern angesprochen, weil gerade oberhalb des Sädelgrabens auf Luzerner Seite viel Geschiebe liege.

Bis zu 60 Prozent der Wasserbaumassnahmen könnten finanziell durch Subventionen von Bund und Kanton gedeckt werden. In Härtefällen könne der Regierungsrat diese auch erhöhen. Die Massnahmen müssten aber gut überlegt sein. «Denn diese dürfen nicht zu Problemen von morgen führen», sagt er.

Dennoch dürften den Grundeigentümer, den Landbesitzer und der Gemeinde Restkosten bleiben. Das für die Unwetterschäden in Schangnau eingesetzte Spendenkonto gilt nun auch für die Unwetterschäden in Eggiwil sowie der Region Sumiswald, Wasen und Lützelflüh.

«Für das Verwalten des Kontos werden wir eine spezielle Kommission einsetzen», erklärte Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher. Bislang sei ein namhafter Betrag eingegangen. «Wir schauen jetzt gemeinsam vorwärts», so Grossenbacher weiter.

Situation am Donnerstagmorgen

Trotz starkem Regen, der am Mittwochabend über Teilen des Emmentals niederging, entstanden keine weiteren Schäden. Es sei absolut ruhig geblieben, sagte Grossenbacher am Donnerstag auf Anfrage. Die Emme sei zwar etwas angestiegen, aber «überhaupt nicht besorgniserregend».

Die Aufräumarbeiten seien gut unterwegs. So werden nächste Woche weiter Zivilschutzangehörige im Einsatz stehen und in Eggiwil wird die Armee, nach dem Aufbau der Roseggbrücke in Bumbach, zwei Fussgängerbrücken aufbauen.

Die Lage in den Seitengräben und der Emme habe sich wieder beruhigt, heisst es in einer Medienmitteilung des Führungsstab Emmental. Anlass zu grosser Sorge würden jedoch nach wie vor die völlig durchnässten Böden bieten. «Es kann weiterhin zu spontanen grösseren und kleineren Erdrutschen kommen», heisst es in der Mitteilung.

Für die vom Unwetter betroffene Bevölkerung im Emmental hat die Gemeinde unter der IBAN-Nr. CH 73 0630 0020 0030 1541 0 ein Bankspendenkonto eingerichtet. Vermerk: «Unwetter Emmental», die Spende kommt allen geschädigten Gemeinden im Emmental zugute. Vermerk: «Unwetter Schangnau», die Spende kommt der Gemeinde Schangnau zugute.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt